Vom Mahner zum Lockerer?

Vom „harten“ Ministerleben überrascht: Lauterbach gibt Fehleinschätzung zu

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Vom Talkshow-Dauergast zum Minister: Karl Lauterbach hat die Lasten des Regierungslebens unterschätzt. Das räumt der SPD-Politiker offen ein.

Köln – Karl Lauterbach ist offenbar von den großen Herausforderungen des Ministerlebens überrascht: „Regierungsarbeit ist noch fordernder als gedacht“, hat er nun in einem Interview mit der dpa eingeräumt.

Vier Monate sind der Gesundheitsminister und die Ampel-Regierung nun im Amt. „Die Aufgabe ist viel härter, als ich mir das vorgestellt hatte“, sagte der 59-jährige SPD-Politiker. Zeitlich, aber auch was die Komplexität der Anforderungen angehe: „Ich arbeite von morgens früh bis spät in die Nacht hinein. Und dennoch würde ich mir wünschen, dass der Tag mehr Stunden hat. Es ist eine Belastung, wie ich sie mir in dem Umfang nicht vorgestellt habe.“

Karl Lauterbach: Ampel-Minister schildert „hartes“ Ministerleben - Abstriche beim Tischtennis

Lauterbach muss nach eigenen Angaben einige Abstriche machen: Seit seiner Vereidigung zum Minister im vergangenen Dezember lebt er überwiegend in Berlin. In seine Heimatstadt Köln kommt er nur noch selten. Auch die Tischtennisspiele mit seinem Freund Günter Wallraff haben mittlerweile Seltenheitswert. Kurz vor seinem Amtsantritt hat es der Havard-Professor aber noch geschafft, ein Buch zu schreiben. Jetzt ist es erschienen. Die Botschaft darin: „Die Energiewende ist die wichtigste politische Langzeitentscheidung - neben der Wiederherstellung und Sicherung des Friedens und der Vorbeugung vor weiteren Pandemien.“

Durch den „furchtbaren“ Krieg in der Ukraine* werde plötzlich allen klar, „wie schnell wir von Gas und Öl wegkommen müssen. Viel schneller als wir noch vor kurzem gedacht haben“, sieht sich Lauterbach in der wesentlichen Aussage seiner Publikation bestärkt. Er selbst habe mit einem solchen Krieg nicht gerechnet. Der SPD-Politiker spricht von einem Rückfall in eine Zeit, „die ich für überwunden gehalten habe.“

Karl Lauterbach macht sich für seine SPD-Partei stark.

Lauterbach als gescheiterter „Mahner“? Minister verteidigt Corona-Kompromisse

Kritiker halten dem Gesundheitsminister vor, er habe sich im Amt binnen weniger Monate vom Mahner und Warner zum Lockerer* gewandelt. Er konnte zuletzt lediglich erreichen, dass den Ländern eine Möglichkeit für regionale Hotspot-Regelungen eröffnet wurde. Denn am Sonntag sind die meisten Schutzbestimmungen weggefallen*. „Ich kenne den politischen Betrieb, ich bin seit 17 Jahren Berufspolitiker,“ wehrte sich Lauterbach in dem Interview.

Er wisse, „dass zum Wesen der Politik der Kompromiss gehört,“ sagte der Gesundheitsminister weiter. Passend dazu lobte er am Montag auch einen möglichen Kompromiss zur Corona-Impfpflicht - dennoch könnte Lauterbach bei diesem Thema ein Fiasko drohen. (dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Chris Emil Janssen/imago

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