VonJana Stäbenerschließen
Baden-Württemberg wirbt mit einer kreativen Kampagne für den Beruf der Lehrer:in. Das kommt gar nicht gut an. Wir haben den Slogan mal korrigiert.
Um gegen den Lehrer:innenmangel vorzugehen, der Markus Söder sogar dazu brachte, Lehrer:innen abzuwerben, hat das Kultusministerium Baden-Württemberg eine Werbekampagne gestartet. Mit dem Slogan „HURRAAA!“ wirbt es für den Beruf als Lehrer:in. „Gelandet und gar keinen Bock auf Arbeit morgen? Mach, was dir Spaß macht und werde Lehrer*in“, steht auf einem großen Plakat am Stuttgarter Flughafen (siehe unten).
Lehrer-Plakat in Baden-Württemberg bekommt Kritik – „eine Unverfrorenheit“
Das Werbeplakat in Stuttgart bedient „alle Vorurteile gegen Lehrer“, findet Ralf Scholl, der Vorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg bei der Stuttgarter Zeitung. „Man wusste vor dieser Kampagne nicht, wie viel Blödheit auf ein einziges Plakat passt“, sagte Karin Broszat, Vorsitzende des Realschullehrerverbands. Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, sagte, das Plakat sei „eine Beleidigung für alle Lehrerinnen und Lehrer im Land“. Sie hätten besonders während der Pandemie bis zur Erschöpfung gearbeitet und sorgten jüngst auf TikTok der Kündigung ihres Leher-Jobs für Aufsehen.
Auch Lehrkräfte in den sozialen Medien beschweren sich über die Kampagne. „Da haben die Wirrköpfe vom Kultusministerium wohl versehentlich die falsche Kampagne gegen Lehrermangel in den Druck gegeben“, schreibt eine Userin namens @DKlassenmutti auf Twitter.
Sie hat eine Idee für das „echte Plakat mit realistischem Inhalt“ und inspiriert uns von BuzzFeed News Deutschland zu weiteren Vorschlägen, wie das Lehrer-Werbeplakat in Baden-Württemberg aussehen sollte, um den Alltag als Lehrkraft besser zusammenzufassen. Hier sind sie:
1. „Hier das echte Plakat“
Da haben die Wirrköpfe vom Kultusministerium #bw wohl versehentlich die falsche Kampagne gegen #Lehrermangel in den Druck gegeben.
— Die_Klassenmutti (@DKlassenmutti) August 1, 2023
Hier das echte Plakat mit dem realistischen Inhalt:#km #twlz #lehrer pic.twitter.com/4OsrBp7q1z
Wegen des Lehrermangels wurde sogar schon über die 4-Tage-Woche an Schulen diskutiert. Als Notlösung denkbar – Lehrerverband warnt vor „hohem Preis“
2. Im Urlaub frei haben ist doch langweilig.
3. Achtung Ansteckungsgefahr!
4. Wie war das nochmal mit den Tageslichtprojektoren?
Die Bundesländer äußerten Mitte Juli 2023 wachsende Befürchtungen vor einem möglichen Auslaufen des Digitalpakts Schule. Hier neun Bilder, die zeigen, dass Schüler:innen ohne Digitalpakt weiter in die Röhre gucken.
5. Richtig Bock auf Homeoffice heute. Oh mist. Geht ja nicht.
6. Das Beamt:innenleben kann (nicht) kommen!
7. Schüler:innen sind doch alles Engel...
Junge, weibliche Lehrkräfte fühlen sich im Schulalltag oft nicht ernst genommen. Jetzt wehren sie sich auf Social Media So wie diese Lehrerin, die auf TikTok gegen Vorurteile auf dem Schulhof kämpft.
8. Und die Eltern erst...
Hier berichten wir, dass Helikoptereltern immer aggressiver werden.
9. Mach dich bereit für immer an einem Ort zu bleiben.
Das Kultusministerium verteidigte die Kampagne. Diese richte sich ausdrücklich an eine Zielgruppe, die derzeit noch nicht als Lehrerin oder Lehrer arbeite – und funktioniere. „Bereits nach der ersten Woche hatten wir über die Landingpage der Kampagne 8000 Weiterleitungen auf unsere Webseite zur Lehrkräfteeinstellung“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Zudem sei ein deutlicher Anstieg bei den Anmeldungen auf einem Portal für Vertretungslehrkräfte zu beobachten. Von Mitte Juli bis Anfang August 2023 hätten sich dort 370 Bewerberinnen und Bewerber registriert. Im Vorjahreszeitraum seien es etwa 100 gewesen.
Die Kritik der Verbände, das Land beleidige mit der Kampagne Lehrkräfte, wies der Sprecher zurück: „Wir wissen um die enormen Leistungen und den täglichen Einsatz unserer Lehrkräfte. Auf die Idee, dass Lehrkräfte faul seien, kommt hier überhaupt niemand“ Man wolle einfach mehr Lehrkräfte gewinnen und sei sich da auch mit den Verbänden einig. „Und dafür ist die Kampagne ein Mittel“, sagte der Sprecher.
Mehr zum Thema: Lehrkräfte teilen die 13 schlimmsten Aktionen, die ihre Vertretungen gemacht haben
(Mit Material der dpa)
Rubriklistenbild: © Collage BuzzFeed, Kultusministerium









