Leopard-2-Kampfpanzer mit „Trophy“-System verstärken die Bundeswehr
VonSimon Schröder
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Leopard 2 mit Hightech ausgestattet: Die Bundeswehr erhält am Mittwoch von KNDS den ersten A8. Im globalen Panzer-Wettbewerb spielt Deutschland vorne mit.
München – Die Bundeswehr erhält den ersten Kampfpanzer einer neuen Generation: Der Rüstungskonzern KNDS präsentiert die Neuentwicklung des Leopard 2, die Version A8, am Nachmittag in München. „Die ersten Kampfpanzer sollen 2027 an die Truppe ausgeliefert werden, mit dem Ziel, bis 2030 alle 123 Kampfpanzer an die Truppe ausgeliefert zu haben“, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) der Deutschen Presse-Agentur.
Der Leopard 2 A8 ist nach Militärangaben der erste Neubau eines Kampfpanzers für die Bundeswehr seit 1992. Alle bisherigen Versionen des Panzers waren Kampfwertsteigerungen des ursprünglichen Leopard 2 A4.
Neuer Leopard 2 soll Vorgänger deutlich übertreffen: neues Abwehrsystem gegen Drohnen
Für das Heer bringe der Kampfpanzer „den besten je gebauten Leopard 2“, sagte ein Experte des Heeres. Der Panzer begegne den aktuell erwartbaren Bedrohungen auf dem Gefechtsfeld und sei digitalisiert. Der Panzer hat einen verbesserten Dachschutz und das aktive Schutzsystem des israelischen Herstellers Rafael. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Hard-Kill-System: Es zerstört anfliegende Geschosse des Gegners noch vor ihrem Aufprall auf der Panzerung. Das System trägt den Namen „Trophy“ – und wird bereits beim amerikanischen Abrams-Panzer eingesetzt.
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Die Bundeswehr schreibt über das System: „Nimmt Trophy eine Bedrohung durch sein Radar war, beispielsweise einen feindlichen Panzerabwehrlenkflugkörper, entscheidet es, welcher Werfer die Gefahr abfangen soll. Dieser verschießt seine Ladung in die vorhergesagte Flugbahn des anfliegenden Objekts und bringt es noch vor dem Auftreffen auf der Panzerung zur frühzeitigen Detonation.“
Vorstellung des neuen Leopard 2 A8 in München – Brigade in Litauen erhält erste Tranche
Das System besteht aus vier Radarsensoren und zwei Werfereinheiten, die am Turm des Panzers angebracht sind. Gemeinsam mit dem „Gehirn“ des Systems, einem Hochleistungsrechner, bilden sie einen unsichtbaren Schild um den Kampfpanzer. Darüber hinaus wird die Panzerung des Leopard 2 A8 gegenüber seinen Vorgängern verstärkt. „Insgesamt verfügt er über den besten Schutz, den es für deutsche Kampfpanzer gibt“, sagte der Heeresexperte dazu.
Der „Roll-out“ in München ist eine erste Präsentation des Waffensystems in der Öffentlichkeit. Die Bundeswehr wird 2026 die ersten Fahrzeuge für Erprobungen erhalten und intensiv auf die Eignung prüfen. Im Anschluss erhalten die ersten Bataillone die Fahrzeuge, als erstes Soldaten der zum Schutz der Ostflanke im Baltikum stationierten Brigade Litauen.
Schwachstelle der Leoparden: Drohnenangriffe im Ukraine-Krieg
Für die Panzertruppe der Bundeswehr wurden 123 Leopard 2 A8 bestellt, darunter 18 als Ersatz für die Abgabe der Leopard 2 A6 an die Ukraine. Insgesamt sind für die Kampfpanzer Ausgaben von mehr als 3,4 Milliarden Euro eingeplant – größtenteils aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr. Neben Deutschland kaufen weitere Nationen den Leopard 2 A8: Kroatien, Litauen, Niederlande, Norwegen, Schweden und Tschechien.
Große Schwachstelle des Leopard 2 A6 war seine mäßige Verteidigung gegen Drohnenangriffe – das zeigte sich vor allem im Ukraine-Krieg. Die ukrainische Armee musste nachbessern. Das Verteidigungsministerium der Ukraine etwa präsentierte den deutschen Panzer mit einigen Umbaumaßnahmen auf der Social-Media-Plattform X. In einem Video ist zu sehen, wie eine Art Käfig auf dem Gefechtsturm des deutschen Leoparden angebracht wurde. Die Metallkonstruktion soll verhindern, dass die russischen FPV-Drohnen direkt am Panzer explodieren, sondern vielmehr von dem Käfig abgefangen werden.
Wie schlägt sich der Leopard 2 im internationalen Vergleich?
Im internationalen Vergleich schlägt sich der Leopard 2 jedoch nicht schlecht. Die vormals neueste Version – der Leopard 2 A7V – belegt beim National Security Journal sogar Platz zwei von fünf. Auf dem letzten Platz liegt Russlands neuer T-14 Armata. Dieser russische Panzer der vierten Generation soll künftig den in die Jahre gekommenen T-90 ablösen. Aufgrund der Kosten und technischen Probleme wurde der hochmoderne Panzer nicht im Ukraine-Krieg eingesetzt.
Die modernsten Panzer der Welt – ein Ranking
Platz 5: Russlands T-14 Armata
Platz 4: Der israelische Merkava Mark IV
Platz 3: Südkoreas K2 Black Panther
Platz 2: Der deutsche Leopard 2 A7V
Platz 1: Der amerikanische M1A2 SEPv3 Abrams
Den vierten Platz der Liste des National Security Journals belegt der israelische Merkava (hebräisch für Streitwagen) Kampfpanzer. Das neueste Modell des Panzers, der Merkava Mark IV, befindet sich seit 2003 in Produktion. Einen Platz hinter dem Leopard 2 liegt der südkoreanische K2 Black Panther. Entwickelt wird der Panzer in Südkorea seit 1995 – bis heute wird der Kampfpanzer kontinuierlich verbessert. Die ersten K2-Panzer sind seit 2014 im Dienst der südkoreanischen Armee.
Panzer im Ranking: Leopard 2 wird nur von einem Konkurrenten geschlagen
Auf Platz zwei liegt der deutsche Leopard 2. Die Version A7V ist seit 2021 im Dienst der Bundeswehr. Autor und Militärexperte Steve Balestrieri schreibt über den Leopard: „Der Unterschied zwischen diesem Panzer und Platz eins war sehr klein, und viele Panzeranalysten und -enthusiasten halten diese Version des Leoparden für den besten Panzer der Welt. Das könnte durchaus stimmen.“ Mit der neuesten Version, dem Leopard 2 A8, könnte Deutschland auf Platz eins vorstoßen.
Noch verteidigt jedoch die USA den ersten Platz. Die neueste Version des M1A2 Abrams-Panzer, der M1A2 SEPv3, hat sich an die neuen Herausforderungen des Schlachtfelds angepasst. Der SEPv3 zeichnet sich durch verbesserte explosive reaktive Panzerung und ein Drohnenabwehrsystem des israelischen Herstellers Rafael aus. Die ersten Abrams-Modelle wurden bereits in den 80er-Jahren ausgeliefert. (Quellen: Bundeswehr/Wikipedia/dpa/National Security Journal) (sischr)