Pläne der Klimaaktivisten

Letzte Generation tritt zur EU-Wahl an – Carla Hinrichs: „Den Klebstoff lassen wir zuhause“

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Carla Hinrichs gehört zu den bekanntesten Gesichtern der „Letzten Generation“. Im Gespräch mit fr.de erläutert die Aktivistin die EU-Pläne der Klimabewegung.

Berlin – Jahrelang hat die „Letzte Generation“ mit Störaktionen im öffentlichen Verkehr auf sich und den Kampf gegen den Klimawandel aufmerksam gemacht, doch mit dem Kleben auf die Straße ist jetzt Schluss. Als sonstige politische Vereinigung – nicht als Partei – will es die Bewegung ins EU-Parlament schaffen. Einen Image-Wechsel braucht es laut Carla Hinrichs bis zur Europawahl 2024 am 9. Juni allerdings nicht.

„Wir treffen auf sehr viele Menschen, die sagen, dass sie sich zwar nicht selbst auf die Straße kleben würden, unsere Aktionen und unser Anliegen aber legitim finden. Und unser Anliegen ist es schließlich, den Widerstand ins Parlament zu tragen und dort mal ein bisschen aufzumischen“, sagte Hinrichs im Gespräch mit fr.de von IPPEN.MEDIA. „Das aktuelle Parteiensystem hat die letzten Jahrzehnte absolut darin versagt, die akute Klimakrise anzugehen. Wir wollen, dass junge Menschen, die den Parteien nicht mehr vertrauen, bei uns ihr Kreuz machen“, fügte die Sprecherin der „Letzten Generation“ hinzu.

Widerstand im EU-Parlament: „Letzte Generation“ will das nächste Kapitel einläuten

Auf der Wahlliste findet man „Parlament aufmischen, Stimme der Letzten Generation“ – oder verkürzt einfach „Letzte Generation“ – noch nicht, doch eine erste Hürde ist bereits überschritten. Binnen weniger Stunden nach Bekanntgabe ihrer EU-Pläne wurde die erhoffte Spendensumme von 50.000 Euro eigenen Angaben zufolge sogar übertroffen. Weiter hätten sich inzwischen mehr als 100 Unterstützerinnen und Unterstützer gemeldet, um die für die Wahlzulassung nötigen 4500 Unterschriften zu sammeln.

Carla Hinrichs, Sprecherin der „Letzten Generation“, während eines Protests im April 2023 in Berlin.

Hinrichs sieht das Umschwenken nach Brüssel und Straßburg jedoch nicht als einen Strategiewechsel, sondern als natürliche Entwicklung. „Wir verwandeln uns in unserer Protestform. Die Welt befindet sich in dieser katastrophalen Situation, zwei Jahre lang haben wir unterbrochen und gestört, sind unignorierbar geworden – und jetzt, wo die Klima-Debatte nicht mehr wegzudenken ist, tragen wir den Widerstand ins Parlament“, so die Aktivistin. „Das ist keine Veränderung, sondern das nächste Kapitel“. Gänzlich werde man der Straße ohnehin nicht den Rücken kehren, zu öffentlichen Protesten werde es weiterhin kommen.

Doch wie genau der Widerstand im Parlament aussehen soll, will Carla Hinrichs nicht verraten: „Das wird natürlich eine Überraschung, da muss man einfach ein bisschen kreativ sein.“ Man wolle den Elefanten, „der da seit Jahrzehnten im Raum sitzt, aber von allen ignoriert wird“ vor die Kamera zerren. Trotz allerlei Ideen werde man von früheren Methoden aber absehen: „Ich glaube den Kleber, den lassen wir erstmal zu Hause“, sagte Hinrichs.

„Letzte Generation“ eines Tages im Landtag? Hinrichs hält sich bedeckt

Carla Hinrichs gehört zu den prominentesten Gesichtern der „Letzten Generation“, nahm als Sprecherin der Gruppierung in mehreren Talksendungen teil und lieferte sich bereits eine Diskussion mit Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) auf dem vergangenen Kirchentag in Nürnberg. Als Spitzenkandidatin wird Hinrichs jedoch nicht antreten – das übernehmen mit Lina Johnsen und Theodor Schnarr andere Mitglieder der Gruppierung. Zwei Menschen, „die super entschlossen, mit viel Energie und mit viel Widerstand im Herzen“ im Parlament aufmischen können, meint Hinrichs.

Doch auch die 27-Jährige steht auf der Wahlliste der „Letzten Generation“, sie ist eine von zwölf Kandidierenden. Hinrichs tritt im Wahlkreis Bassum an, als Beruf wird – wie bei ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern – schlicht „Klimakleberin“ beziehungsweise „Klimakleber“ angegeben.

Doch was, wenn die Klima-Bewegung es tatsächlich ins EU-Parlament schafft? Visiert man bei der „Letzten Generation“ in den kommenden Jahren auch den ein oder anderen deutschen Landtag an? Es ist eine Frage, die Carla Hinrichs nicht direkt beantworten will. Man habe das EU-Projekt innerhalb weniger Wochen aus dem Boden gestampft, ebenso habe man weitere Projekte für den Frühling vorgesehen. „Doch ausschließen würde ich erstmal sehr, sehr wenig“, sagte sie. (nak)

Rubriklistenbild: © Hannes P. Albert/dpa

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