Klimaprotest

Letzte Generation will künftig aufs Festkleben verzichten

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Die Klimagruppe „Letzte Generation“ setzt zukünftig auf große Aktionen statt auf Kleben. Doch ist es überhaupt realistisch, so viele Menschen auf die Straße zu bekommen?

Bekannt wurde die Klimagruppe, weil sich ihre Aktivistinnen und Aktivisten auf der Straße festklebten: Diese Aktionsform will die „Letzte Generation“ in Zukunft nicht mehr nutzen. „Von nun an werden wir in anderer Form protestieren – unignorierbar wird es aber bleiben“, schreibt die Gruppe in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme zur „Strategie für 2024“ auf ihrer Webseite. Ab März werde man zu „ungehorsamen Versammlungen im ganzen Land aufrufen“.

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Die „Letzte Generation“ hatte vor zwei Jahren, am 24. Januar 2022, mit ihren Klebeaktionen für mehr Klimaschutz begonnen. Dazu kamen Proteste in Museen, Stadien, Ministerien. Mit „ungehorsamen Versammlungen“ seien Massenbesetzungen gemeint, ähnlich wie die, die es in Berlin schon gab, erklärt Lea-Maria Rhein, Sprecherin der Gruppe, der FR. In Berlin hatten Ende November hunderte Aktivist:innen die Straße des 17. Juni blockiert, allerdings ohne sich anzukleben.

Die Protestgruppe plant weiter Blockaden, aber eher im Stehen statt auf der Straße sitzend.

Zu den in Zukunft geplanten nicht angemeldeten Blockaden sollen demnach dann mehr Menschen kommen als bisher. „Gerade wenn wir so viele sind, gibt es wenig Repressionen, auch wenn wir nicht angemeldet sind“, erklärt Rhein. Für Menschen, die nur auf eine angemeldete Versammlung gehen wollen, werde es in Zukunft, wie bisher teils auch schon, sogenannte Familienspaces geben.

Letzte Generation will Politiker:innen konfrontieren

Zusätzlich zu den unangemeldeten Blockaden nimmt die Gruppe sich vor, Politiker:innen in Zukunft häufiger öffentlich zu konfrontieren. Außerdem werde man, wie bisher auch teils schon geschehn, häufiger „Orte fossiler Zerstörung“ wie Pipelines oder Flughäfen in den Blick nehmen.

Als Grund für den Strategiewechsel nennt Rhein, dass die Gruppe anschlussfähiger werden wolle. „Es ist nicht allen möglich an Protesten teilzunehmen, die zu Repressionen führen“, erklärt sie. Zahlreiche Mitglieder der Gruppe stehen vor Gericht oder wurden bereits wegen Nötigung zu Geld- und sogar Haftstrafen verurteilt. Allein die Staatsanwaltschaft Berlin hat inzwischen 3700 Verfahren geführt.

„Wir brauchen das Ankleben auch aus taktischen Gründen nicht mehr“, sagt Rhein. Am Anfang, mit wenigen Teilnehmenden, sei das noch nötig gewesen, um nicht ignoriert zu werden. Nun sei die Gruppe größer: „Tausende Menschen können nicht weggetragen werden.“

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Doch ist es überhaupt realistisch, so viele Menschen auf die Straße zu bekommen? Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen“, sagt Rhein. „Seit wir die Strategie verkündet haben, haben wir so viele Neuanmeldungen wie lange nicht mehr.“ Zwar habe die Aufmerksamkeit für die Proteste der Gruppe in den vergangenen Monaten abgenommen. „Doch es war klar, dass das Mittel des Festklebens irgendwann ausgeschöpft sein würde.“

Rhein nennt optimistische Ziele der Gruppe: „Wenn wir es schaffen, dass 0,1 Prozent bis ein Prozent der Bevölkerung auf die Straße geht, kann es klappen, dass die Regierung bis 2030 aus der Nutzung fossiler Energien aussteigt.“ Das wären allerdings immerhin 80 000 bis 800 000 Menschen. Die Gruppe fordert von der Bundesregierung unter anderem, bis 2030 aus der Nutzung von Kohle, Öl und Gas auszusteigen.

Ähnlich wie Fridays for Future äußert sich die Gruppe auch zu anderen gesellschaftlichen Themen. „Wir werden auch am Wochenende gemeinsam auf die Demo gegen Rechtsextremismus in Berlin gehen“, sagt Lea-Maria Rhein. Die eigentlich für Sonntag geplante Massenblockade sagte die Gruppe dafür ab. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/EHL Media

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