Spendenaufruf erntet Hass

trans*Aktivistin der Letzte Generation soll ins Gefängnis – „Hirn wieder klar kriegen“

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Weil sie nicht unter Männern in Haft sein möchte, hatte die trans*Frau „enorme Angst“. Ihr Spendenaufruf hat nicht nur für sie negative Folgen. 

Wie bereits andere Aktivist:innen vor ihr musste Penelope Frank für Proteste bei der Letzten Generation eine Geldstrafe zahlen. Mehrere tausend Euro hoch soll sie gewesen sein. Fast wäre Frank ins Gefängnis gekommen, weil sie sich den Betrag nicht leisten konnte. Online sammelte sie Spenden auf der Seite gofundme, um ihre Haft zu verhindern.

Denn Frank ist nach eigenen Angaben wohnungslos und hat kaum eigenes Geld zur Verfügung. Sie hatte „enorme Angst“, ins Gefängnis zu kommen, wie sie in ihrem Spendenaufruf schreibt – auch deshalb, weil sie eine trans*Frau ist. Denn auf dem Papier ist Frank noch ein Mann. Das bedeutet, dass sie in ein Männergefängnis kommen würde.

„Seitdem Transfeindlichkeit mitten in der Gesellschaft angekommen ist, ist man besonders in Haft Anfeindungen von Personal und Häftlingen ausgeliefert“, erklärt Frank ihre Sorge. „Ohne eine Freundin an meiner Seite würde ich daran wahrscheinlich kaputt gehen.“ Über das von der Ampel geplante Selbstbestimmungsgesetz, das ihr erleichtern könnte, ihren Geschlechtseintrag zu ändern, wird noch diskutiert.

NameLetzte Generation
Gründung2021
Anzahl Mitglieder500 - 600 (Stand: Mai 23)
ZielZiviler Ungehorsam für mehr Klimaschutz
ForderungenTempolimit, 9-Euro-Ticket, Gesellschaftsrat
ProtestaktionenStraßenblockaden, Störungen von Veranstaltungen, Beschmierungen von Gebäuden, Verkehrsmitteln oder Kulturdenkmälern
Bekannte PersonenCarla Hinrichs, Klima-Shakira, Aimée van Baalen
Beteiligte LänderDeutschland, Österreich und Italien
DachorganisationA22 Network
FinanzierungSpenden
Rechts sieht man die Aktivistin Penelope Frank bei einer Demonstration der Letzten Generation.

Spender:innen ihrer Kampagne erhielten Hass-Anrufe

Mittlerweile hat Frank genug Spenden gesammelt, um eine Haftstrafe zu verhindern. Auch Krankenkassenkosten für eine Brusthaar- und Bart-Entfernung, die sie sich während der Protestphase nicht leisten konnte, konnte sie so begleichen. Was bleibt, sind die Anfeindungen, die die trans*Frau seitdem erhält.

Auf einem Update ihrer Kampagne informiert sie, dass ein:e Spender:in ihrer Kampagne privat Hass-Anrufe und Mails erhalten habe. Auf Nachfrage sagt Frank, dass es so mehreren Spender:innen gegangen sei. Durch die gofundme-Seite seien die Hater auf die Kontaktdaten gestoßen.

„Ich erlebe diesen Hass leider schon, seit ich mich offen dazu bekenne, eine trans*Frau zu sein“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland. Bei Live-Streams auf Instagram achte sie darauf, dass sie nichts über Freund:innen preisgebe, damit diese nicht auch angefeindet werden. Ihr Fall ist ein gutes Beispiel dafür, dass im Netz die Hetze gegen queere Menschen zunimmt.

Twitter-Userin kritisiert die Aktivistin für ihren Nebenverdienst als Sexarbeiterin

Auch auf Twitter bekommt Frank negative Reaktionen, nachdem die Letzte Generation ihren Spendenaufruf teilt. „Spendet lieber an Tierheime“, heißt es da etwa. Andere kommentieren, dass sich wünschen, dass Frank schnell und lange in Haft komme. „Haft ist genau der richtige Weg, sein Hirn wieder klar zu kriegen!“

Eine Twitter-Userin schreibt: „Ihr bemüht euch wirklich um Spendengelder für diese Transgender-Person, die Studentinnen 95 Prozent Rabatt für ‚sexuelle Dienstleistungen bietet.‘“ Sie spielt darauf an, dass die Aktivistin ihren Nebenverdienst als Sexarbeiterin verdient und trotzdem um Spenden bittet. Der Kommentar ist transfeindlich.

Auf ihrem Instagram-Account wirbt Frank offen für ihre Arbeit unter dem Namen Transjuicy Penelope, bei der sie online sexuelle Dienste anbietet. In ihrem Spendenaufruf macht sie deutlich, dass sie ihren Nebenverdienst aufgrund ihres Vollzeitaktivismus bei der Letzten Generation und ihrer Autismus-Störung, durch die sie Reizüberflutungen nur schwer aushalte, im Moment kaum ausführen könne. BuzzFeed News Deutschland sagt sie über die Twitter-Kommentare:

Ich versuche diese Art von Kommentare nicht emotional an mich heranzulassen und blockiere alle Menschen mit rechtem Gedankengut. Generell distanziere ich mich von allen Personen, die mit mir ein Problem haben, weil ich eine sexpositive trans*Frau bin, die auch Sexarbeit macht.

Penelope Frank, Letzte-Generation-Aktivistin

Mehr zum Thema: Wir haben mit einem Letzte-Generation-Aktivisten gesprochen, der wirklich in Haft saß.

Rubriklistenbild: © Penelope Frank @allabout.penelopefrank

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