Neuer Bundeshaushalt

Finanzminister Klingbeil: Der Anti-Lindner

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Milliarden für Verteidigung und Wirtschaft: Das Kabinett billigt den Haushalt des SPD-Chefs. Nie zuvor durfte ein Finanzminister mehr Schulden machen.

Berlin – Der Stolz ist ihm anzumerken. Die Verhandlungen, das lässt Lars Klingbeil (SPD) durchblicken, waren hart – schon wegen der Sonderwünsche, die er den Ministerkollegen ausreden musste. Knapp 50 Milliarden Euro Ausgaben habe er abgewehrt, sagt er, jetzt sei er froh, dass der Haushalt stehe. Und das nach nur 49 Tagen im Amt, flicht der Finanzminister noch ein. „Das war ja nicht immer so.“

Seitenhieb gegen Lindner: Klingbeil verweist auf Vorstellung des Haushaltsplans auf Scheitern der Ampel

Der Hinweis auf das Haushaltsgewürge der Ampel ist unmissverständlich – es ist nicht der einzige an diesem Vormittag. Klingbeil ist gut aufgelegt, gerade hat das Kabinett seinen ersten Haushaltsplan gebilligt, jetzt stellt er ihn vor. Rekordschulden, Rekordinvestitionen, im Groben ist das alles bekannt. Klingbeil garniert das mit einer Botschaft: Er wolle „Investitionsminister“ sein, sagt er, denn nichts sei so teuer wie der bisherige Stillstand. „Die schwarze Null ist für mich kein Wert an sich, wenn dabei Brücken und Schulen vergammeln und die Bundeswehr vernachlässigt wird.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Sollte noch ein Hauch von Christian Lindner durch das Finanzministerium geweht haben, ist er seit gestern also endgültig verflogen. Das gilt nicht nur im Inhalt – sondern auch im Stil. Während Lindner als Ressortchef immer wieder den Kanzler konsultierte, sollen Klingbeil und sein Team den Haushalt mehr oder weniger im Alleingang aufgestellt haben. Bequem für Kanzler Friedrich Merz (CDU), der sich derweil um all die anderen Baustellen kümmern konnte.

Neuer Bundeshaushalt hat es in sich: Klingbeil steigert Ausgaben um 28,8 Milliarden Euro

Die Zahlen, die der SPD-Mann vorlegt, haben es allerdings in sich. Sein Plan sieht für dieses Jahr Ausgaben in Höhe von 503 Milliarden Euro vor, insgesamt 28,8 Milliarden mehr als im Vorjahr. Bis zum Ende der Legislatur 2029 soll der Haushalt dann auf 573,8 Milliarden Euro anwachsen.

Ich werde sehr darauf achten, dass das Geld effizient ausgegeben wird. 

Lars Klingbeil – Bundesfinanzminister

Das lässt sich mit Klingbeil positiv deuten. Die Bundeswehr bekommt endlich die dringend benötigten Milliarden: Allein in diesem Jahr wächst der Verteidigungshaushalt um rund zehn auf 62,4 Milliarden Euro; 2029 sollen es dann gigantische 152,8 Milliarden Euro sein, was dem neuen Nato-Ziel von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Auch Investitionen des Bundes in Straßen, Digitalisierung, Krankenhäuser und so weiter sollen nun schnell in Gang kommen: Für 2025 sind 115,7 Milliarden Euro eingeplant und damit 40 Milliarden mehr als 2024. Ab Januar sollen außerdem die Energiepreise sinken, für Unternehmen und Verbraucher.

Kehrseite des neuen Haushalts: Bundesregierung nimmt Rekord-Schulden auf

Die Kehrseite: Der Staat muss dafür enorme Schulden aufnehmen – und die Zinsen dürften zur Belastung werden. Dieses Jahr sollen Klingbeil zufolge im Kernhaushalt 81,8 Milliarden Euro aus Krediten finanziert werden. Dazu kommen gut 60 Milliarden Euro aus schuldenfinanzierten Sondertöpfen. Ab 2028 geht die Neuverschuldung steil nach oben (115,7 Milliarden), weil dann das Bundeswehr-Sondervermögen ausläuft und die Verteidigungsausgaben komplett aus dem Kernhaushalt finanziert werden müssen.

Finanzminister Klingbeil stellt seine Etatpläne in Berlin vor.

Insgesamt bedeuten mehr Schulden, dass der Staat auch mehr Zinsen wird zahlen müssen. Bis 2029 summieren sie sich auf 215 Milliarden Euro. Noch etwas kommt dazu: Trotz der hohen Neuverschuldung klaffen in Klingbeils Plan gewaltige Lücken. Laut Handelsblatt sollen von 2027 bis 2029 rund 144 Milliarden Euro fehlen – unter anderem eine Folge der Zinsen.

Experten und Opposition kritisieren Klingbeils Haushalt: Planung stehe „nicht auf sicheren Füßen“

Klingbeils Vorgänger Lindner würde bei solchen Zahlen schwindlig werden. Auch die jetzige Opposition ist unzufrieden, wenn auch aus sehr verschiedenen Gründen. FDP-Chef Christian Dürr kritisiert die hohen Zinsen, Linken-Haushälter Dietmar Bartsch warf der Regierung „Maßlosigkeit“ bei den Verteidigungsausgaben vor.

Die Grünen wittern gar „Haushaltstricksereien“. Von den Investitionsmilliarden gingen viel weniger in die Infrastruktur, als Schwarz-Rot versprochen habe, sagte Parteichefin Franziska Brantner. Auch das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln kritisiert mit Blick auf die Milliardenlücke, die Planung stehe „nicht auf sicheren Füßen“.

Klingbeil sieht das anders. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, das Geld in die Hand zu nehmen, sagt er am Dienstag (24. Juni) und verspricht: „Ich werde sehr darauf achten, dass das Geld effizient ausgegeben wird.“

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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