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Neue Linken-Spitzenfrau Reichinnek erkennt „Riesenproblem“ in ihrer Partei

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Die neue Co-Vorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, im FR-Interview über Streit, Erfolge im Digitalen und das Image als Kümmerer-Partei.

Frankfurter Rundschau: Frau Reichinnek, wie ist Ihre erste Woche als Gruppenvorsitzende gelaufen?
Heidi Reichinnek: Sehr intensiv. Wir haben ja keine fertige Fraktion übernommen, sondern müssen für die Gruppe erst alle Strukturen wieder neu aufbauen.
Was ist da jetzt zu tun?
Wir müssen alles Material neu beschaffen, die komplette IT. Wir mussten ja alles abgeben, was nicht in die Abgeordnetenbüros gehörte. Die Fraktion wurde und wird ja komplett liquidiert. Jetzt müssen wir mit der Organisation quasi wieder bei Null anfangen. Wir müssen sehen, wie viele Mitarbeiter:innen wir wieder einstellen können und dann sitzen wir auch noch gemischt mit den Abgeordneten des BSW, da wird es auch noch Veränderungen bei den Büros geben müssen. Also es ist jetzt erst mal ganz viel unsexy organisatorische Arbeit, aber die ist wichtig, um die Sitzungswoche zu organisieren und wieder eigene Anträge und Anfragen einbringen zu können.

Reichinnek und Pellmann führen Linken-Gruppe im Bundestag an: „Wollen alle mitnehmen“

Sie sind gemeinsam mit Sören Pellmann in einer Kampfabstimmung gewählt worden, mit 14 gegen 13 Stimmen. Das sieht nicht gerade nach großer Einigkeit aus. Belastet das den Neuanfang?
Wir schlagen als Gruppe jetzt ein ganz neues Kapitel der Zusammenarbeit auf. Das betrifft auch die Zusammenarbeit mit der Partei. Wir haben eine Mail an unserem Parteivorstand geschrieben und auch an unsere Landesvorsitzenden, dass wir gerne zu den nächsten möglichen Terminen vorbeikommen möchten, um über unsere Ideen zu sprechen. Es soll dann auch um die Möglichkeiten gehen, die wir jetzt im Bundestag noch haben. Und natürlich wollen wir auch gemeinsame Schwerpunkte festlegen und darüber diskutieren: Welche Anträge machen Sinn, gerade auch mit Blick auf Europa, auf die Landtagswahlen? Es ist mir ein wichtiges Anliegen, eine engere Verzahnung mit der Partei hinzubekommen. Ich teile da durchaus die Kritik, dass das in letzter Zeit nicht so gut funktioniert hat.
„Man sucht sich kleine Widerstandsoptionen“: Denn dass die Bundestags-Linke Redezeit verloren hat und weniger Anfragen stellen kann, findet Reichinnek katastrophal.
Bleiben wir bei der Bundestagsgruppe. Am zweiten Tag der Klausur, nach der Wahl der neuen Gruppenvorsitzenden gab es ja schon ein paar, die sich krankgemeldet haben. Das sieht nicht gerade nach Aufbruch auf, oder?
Natürlich kann ich verstehen, dass einige auch frustriert sind, weil sie nicht zum Zug kamen. Aber es war ein ehrliches Ergebnis. Wir versuchen jetzt, die Hand auszustrecken und durch unsere Arbeit zu zeigen, dass wir alle mitnehmen wollen. Das ist eine Sache, die sich hoffentlich über die Zeit entwickeln wird. Wir haben heute beispielsweise zum Thema Cannabis ein Video mit Ates Gürpinar gedreht...
…einem ihrer Gegenkandidaten.
Ja, und wir sind natürlich mit den Vorsitzenden Janine Wissler und Martin Schirdewan im engen Austausch. Mit Wissler drehe ich jetzt ein gemeinsames Video zum Equal Pay Day. Wir versuchen als Vierergruppe, wie sich das gehört, gemeinsame Initiativen zu entwickeln. Dafür wollen wir auch ein gemeinsames Papier schreiben, in dem wir zeigen, dass wir an einem Strang ziehen. Das wollen wir den Mitgliedern zur Verfügung stellen.

Reichinnek erkennt „Riesenproblem“ der Linken

Die beiden Parteivorsitzenden stehen ja Ihren unterlegenen Gegenkandidat:innen Clara Bünger und Ates Gürpinar näher.
Ja, okay, aber dann gibt es ein anderes Ergebnis und das respektiert man, und dann arbeitet man vernünftig zusammen. Natürlich werden einige ein bisschen länger gefrustet sein als andere. Ich war auch schon über viele Entscheidungen gefrustet, aber das ist normal.
Es hält sich ja immer noch das Gerücht, dass sich Abgeordnete von der Gruppe abspalten können. Was meinen Sie?
Mir ist wirklich von niemandem bekannt, dass er oder sie mit dem Gedanken spielt. Ich sage mal, wer jetzt noch in der Gruppe ist, der hat sich ja auch ganz bewusst für Die Linke entschieden und damit auch dafür, dass die Partei und die Gruppe wieder stärker wird.

Zur Person

Heidi Reichinnek, 35, zog 2021 über die niedersächsische Landesliste in den Bundestag ein. In Osnabrück war sie bis dahin kommunalpolitisch aktiv, seit 2019 ist Reichinnek Landesvorsitzende der Linken in Niedersachsen.

Die gebürtige Sachsen-Anhalterin war als pädagogische Mitarbeiterin in der Jugendhilfe tätig und hat Nahoststudien und Politikwissenschaft studiert. Ihre Schwerpunkte sind die Frauen-, Kinder-, Jugend- und Senior:innenpolitik. fab

Es heißt, Sie und Pellmann seien „Realpolitiker:innen“, während Bünger und Gürpinar zu den Bewegungslinken gezählt werden, die der Parteiführung näher stehen. Können Sie uns diese Flügel mal näher erläutern?
Nein, nicht wirklich. Ich war nie in einer Strömung, ich war nie in irgendeinem Flügel, aber ich kenne leider die Einstufungen. Das ist ein Problem meiner Partei, dass man, sobald man eintritt, je nachdem, mit wem man zuerst redet, hat man so einen Stempel auf der Stirn. Das ist ein Riesenproblem. Es liegt vielleicht daran, dass die Linke immer sehr darauf orientiert gewesen ist, verschiedene Meinungen zu verbinden. Dafür waren die Strömungen, die wir mal hatten, ja auch zentral, um unser Programm zu entwickeln, um verschiedene Perspektiven reinzubringen. Das ist im Grunde sehr gut, aber wenn es ein Ergebnis gibt, einen Beschluss, dann müssen wir uns halt auch dahinter versammeln. Das können wir leider manchmal nicht so gut.
Sie sind also keine Realpolitikerin im Sinne eines Flügels bei der Linken?
Ich bin immer wieder fasziniert von diesen Zuschreibungen. Ich bin es auch gewohnt. Erst hieß es, ich sei von Sahra Wagenknecht gesteuert, dann von Amira Mohammed Ali. Es ist für mich ein feministischer Rückschritt, wenn es jetzt heißt, ich sei eine Kandidatin von Dietmar Bartsch gewesen. Jetzt ist es nämlich plötzlich ein Kerl. (Lacht)

Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen

Die Partei von Sahra Wagenknecht heißt wie sie. Das ist nur folgerichtig, denn der Name ist erst mal auch das Programm. Nach dem Eintritt in die DDR-Staatspartei SED 1989 war Wagenknecht über Jahrzehnte eines der bekanntesten Gesichter der Folgeparteien PDS und Die Linke. Die studierte Philosophin mit Doktortitel im Fach Wirtschaft ist ein gern gesehener Gast in den diversen Talkshows der TV-Sender. Nach jahrelangem Streit mit der Linken trat die Bestsellerautorin im Oktober 2023  aus und kündigte die Gründung einer eigenen Partei an.
Die Partei von Sahra Wagenknecht heißt wie sie. Das ist nur folgerichtig, denn der Name „Bündnis Sahra Wagenknecht“ ist erst mal auch das Programm. Nach dem Eintritt in die DDR-Staatspartei SED 1989 war Wagenknecht über Jahrzehnte eines der bekanntesten Gesichter der Folgeparteien PDS und Die Linke. Die studierte Philosophin mit Doktortitel im Fach Wirtschaft ist ein gern gesehener Gast in den diversen Talkshows der TV-Sender. Nach jahrelangem Streit mit der Linken trat die Bestsellerautorin im Oktober 2023 aus und kündigte die Gründung einer eigenen Partei an. © Imago
Amira Mohamed Ali hat zusammen mit Sahra Wagenknecht den BSW-Vorsitz inne. Die Rechtsanwältin, die 1980 in Hamburg geboren wurde, ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie von November 2019 bis Oktober 2023 zusammen mit Dietmar Bartsch Fraktionsvorsitzende der Linken. 2019 sprach sich die Tochter eines Ägypters und einer Deutschen in einem Interview für offene Grenzen aus und lehnte Abschiebungen grundsätzlich ab. Im Jahr 2023 plädierte sie dafür, die (Wirtschafts-)Migration nach Deutschland zu begrenzen. Zudem sprach sie sich dafür aus, Asylverfahren zu beschleunigen und diese an der Außengrenze oder sogar in Drittstaaten durchzuführen.
Amira Mohamed Ali hat zusammen mit Sahra Wagenknecht den BSW-Vorsitz inne. Die Rechtsanwältin ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie von November 2019 bis Oktober 2023 zusammen mit Dietmar Bartsch Fraktionsvorsitzende der Linken. 2019 sprach sich die Tochter eines Ägypters und einer Deutschen in einem Interview für offene Grenzen aus und lehnte Abschiebungen grundsätzlich ab. Im Jahr 2023 plädierte sie dafür, die (Wirtschafts-)Migration nach Deutschland zu begrenzen. Zudem sprach sie sich dafür aus, Asylverfahren zu beschleunigen und diese an der Außengrenze oder sogar in Drittstaaten durchzuführen. © Kay Nietfeld/dpa
Ein Coup ist die Einbindung von Thomas Geisel in das „Bündnis Sahra Wagenknecht“. Am BSW-Gründungstag trat der frühere Oberbürgermeister von Düsseldorf aus der SPD aus. Von seiner Ex-Partei verabschiedete er sich mit den Worten, seine „sozialdemokratischen Grundsätze“ seien im BSW eher vertreten als in der SPD. Sein Wechsel sorgt bei seiner alten Partei für Kopfschütteln. Die NRW-SPD übte jedenfalls massive Kritik am Wechsel zur Wagenknecht-Partei. Geisel habe sich nach seiner Amtszeit verannt, sagte Generalsekretär Frederick Cordes dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Mit seiner Kandidatur stelle er sich selbst ins Abseits und lasse zu, dass auf seine erfolgreiche Amtszeit als Düsseldorfer Oberbürgermeister fortan ein Schatten liegen werde.
Ein Coup ist die Einbindung von Thomas Geisel in das „Bündnis Sahra Wagenknecht“. Am BSW-Gründungstag trat der frühere Oberbürgermeister von Düsseldorf aus der SPD aus. Von seiner Ex-Partei verabschiedete er sich mit den Worten, seine „sozialdemokratischen Grundsätze“ seien im BSW eher vertreten als in der SPD. Sein Wechsel sorgt bei seiner alten Partei für Kopfschütteln. Die NRW-SPD übte jedenfalls massive Kritik am Wechsel zur Wagenknecht-Partei. Geisel habe sich nach seiner Amtszeit verannt, sagte Generalsekretär Frederick Cordes dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Mit seiner Kandidatur stelle er sich selbst ins Abseits und lasse zu, dass auf seine erfolgreiche Amtszeit als Düsseldorfer Oberbürgermeister fortan ein Schatten liegen werde.  © Stefan Zeitz/Imago
Neben Thomas Geisel ist Fabio De Masi einer der beiden BSW-Spitzenkandidat für die Europawahl 2024. De Masi, 1980 in Groß-Gerau geboren, ist das Kind eines italienischen Gewerkschaftsmitglieds und einer deutschen Sprachdozentin. Sein Großvater väterlicherseits war ein Partisan im Piemont, der für die Befreiung Italiens vom Faschismus kämpfte. Von 2005 bis 2014 war der Finanzpolitiker als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag tätig, unter anderem für Sahra Wagenknecht.
Neben Thomas Geisel ist Fabio De Masi einer der beiden BSW-Spitzenkandidaten für die Europawahl 2024. De Masi ist das Kind eines italienischen Gewerkschaftsmitglieds und einer deutschen Sprachdozentin. Sein Großvater väterlicherseits war ein Partisan im Piemont, der für die Befreiung Italiens vom Faschismus kämpfte. Von 2005 bis 2014 war der Finanzpolitiker als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag tätig, unter anderem für Sahra Wagenknecht.  © Roland Magunia/Imago
Der frühere Linken-Parteichef Klaus Ernst zählt ebenfalls zu Wagenknechts Verbündeten. Der Gewerkschafter aus Bayern ist davon überzeugt, dass auch ein Landesverband in Bayern erfolgreich sein wird. „Weil wir die Interessen der normalen Leute vertreten und nicht die Interessen der Klimakleber“, sagte er auf eine entsprechende Frage. Die Linke habe sich von ursprünglichen Zielen mehr und mehr entfernt. Als Liebhaber teurer Autos wird Ernst zuweilen als „Luxus-Linker“ oder „Porsche-Klaus“ bezeichnet.
Der frühere Linken-Parteichef Klaus Ernst zählt ebenfalls zu Wagenknechts Verbündeten. Der Gewerkschafter aus Bayern ist davon überzeugt, dass auch ein Landesverband in Bayern erfolgreich sein wird. „Weil wir die Interessen der normalen Leute vertreten und nicht die Interessen der Klimakleber“, sagte er auf eine entsprechende Frage. Die Linke habe sich von ursprünglichen Zielen mehr und mehr entfernt. Als Liebhaber teurer Autos wird Ernst zuweilen als „Luxus-Linker“ oder „Porsche-Klaus“ bezeichnet.  © Hendrik Schmidt/dpa
Zu den prominentesten Gesichtern des BSW gehört auch die Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen. Die Tochter kurdisch-alevitischer Eltern, deren Wahlkreisbüro in Bochum im Juli 2014 mit einem roten Hakenkreuz beschmiert wurde, gilt als eine der engsten Vertrauten von BSW-Chefin Sahra Wagenknecht. Für einen Eklat sorgte Dağdelen im Jahr 2017, als sie im Bundestag die Fahne der syrischen Kurdenmiliz YPG zeigte. Kritik zog sie auch mit ihrer Haltung zum Ukraine-Krieg auf sich, den sie in einem Gastvortrag als „Stellvertreterkrieg der Nato in der Ukraine“ bezeichnete. Genau wie Klaus Ernst unterzeichnete auch Dağdelen die Erklärung, die den USA eine maßgebliche Verantwortung für den russischen Angriff zuschreibt.
Zu den prominentesten Gesichtern des BSW gehört die Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen. Die Tochter kurdisch-alevitischer Eltern, deren Wahlkreisbüro in Bochum im Juli 2014 mit einem roten Hakenkreuz beschmiert wurde, gilt als eine der engsten Vertrauten von BSW-Chefin Sahra Wagenknecht. Für einen Eklat sorgte Dağdelen im Jahr 2017, als sie im Bundestag die Fahne der syrischen Kurdenmiliz YPG zeigte. Kritik zog sie auch mit ihrer Haltung zum Ukraine-Krieg auf sich, den sie in einem Gastvortrag als „Stellvertreterkrieg der Nato in der Ukraine“ bezeichnete. Genau wie Klaus Ernst unterzeichnete auch Dağdelen eine Erklärung, die den USA eine maßgebliche Verantwortung für den russischen Angriff zuschreibt. © Imago
Oskar Lafontaine ist einer der bekanntesten Politiker Deutschlands. Er war SPD-Chef, Kanzlerkandidat, Bundesfinanzminister – und schließlich Vorsitzender der Bundespartei der Linken. 2022 trat er aus der Linkspartei aus und war zunächst parteilos. Anfang 2024 schloss sich der Diplom-Physiker dann der Partei seiner Ehefrau Sahra Wagenknecht an.
Oskar Lafontaine ist einer der bekanntesten Politiker Deutschlands. Er war SPD-Chef, Kanzlerkandidat, Bundesfinanzminister – und schließlich Vorsitzender der Bundespartei der Linken. 2022 trat er aus der Linkspartei aus und war zunächst parteilos. Anfang 2024 schloss sich der Diplom-Physiker dann der neuen Partei seiner Ehefrau Sahra Wagenknecht an.  © Imago
Den Posten des Generalsekretärs hat im „Bündnis Sahra Wagenknecht“ der Bundestagsabgeordnete Christian Leye inne. Bis 2021 arbeitete er im Wahlkreisbüro von Sahra Wagenknecht. Politisch engagiert sich Leye für die Aufnahme von Geflüchteten. Im August 2018 plädierte er in einem Interview dafür, dass Kommunen sich freiwillig zur Aufnahme über die Quoten hinaus bereit erklären sollten: „Vor Europas Haustür ertrinken täglich Männer, Frauen und Kinder – das darf uns nicht gleichgültig sein.“
Den Posten des Generalsekretärs hat im „Bündnis Sahra Wagenknecht“ der Bundestagsabgeordnete Christian Leye inne. Bis 2021 arbeitete er im Wahlkreisbüro von Sahra Wagenknecht. Politisch engagiert sich Leye für die Aufnahme von Geflüchteten. Im August 2018 plädierte er in einem Interview dafür, dass Kommunen sich freiwillig zur Aufnahme über die Quoten hinaus bereit erklären sollten: „Vor Europas Haustür ertrinken täglich Männer, Frauen und Kinder – das darf uns nicht gleichgültig sein.“ © Imago
Jessica Tatti ist Parlamentarische Geschäftsführerin der konstituierten BSW-Gruppe im Bundestag. Laut Selbstauskunft ist die soziale Ungleichheit für sie der Motor ihrer politischen Aktivität. Tatti, die 1981 als Tochter sardischer Eltern in Marbach geboren wurde, ist Mitglied verschiedener Organisationen, darunter die Gewerkschaft ver.di, der Deutsche Mieterbund und der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg, der in Kooperation mit Pro Asyl für die Rechte von Flüchtlingen eintritt. Seit Oktober 2017 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages.
Jessica Tatti ist Parlamentarische Geschäftsführerin der konstituierten BSW-Gruppe im Bundestag. Laut Selbstauskunft ist die soziale Ungleichheit für sie der Motor ihrer politischen Aktivität. Tatti, die 1981 als Tochter sardischer Eltern in Marbach geboren wurde, ist Mitglied verschiedener Organisationen, darunter die Gewerkschaft ver.di, der Deutsche Mieterbund und der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg, der in Kooperation mit Pro Asyl für die Rechte von Flüchtlingen eintritt. Seit Oktober 2017 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages. © Alexander Gonschior/Imago
Andrej Hunko, der selbst ukrainische Wurzeln hat, widmet sich seit 2012 der Lage in der Ukraine. Unter anderem war er Mitglied von Wahlbeobachtungsdelegationen des Europarates bei den Parlamentswahlen 2012 und 2014. Zuletzt stellte er sich strikt gegen Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Ukraine. Das Land sei meilenweit davon entfernt, die politischen und ökonomischen Kriterien der Europäischen Union zu erfüllen, erklärte er zusammen mit Alexander Ulrich. „Ein Beitritt in diesem Jahrzehnt ist völlig unrealistisch.“ 2020 engagierte sich Hunko für die Freilassung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange.
Andrej Hunko, der selbst ukrainische Wurzeln hat, widmet sich seit 2012 der Lage in der Ukraine. Unter anderem war er Mitglied von Wahlbeobachtungsdelegationen des Europarates bei den Parlamentswahlen 2012 und 2014. Zuletzt stellte er sich strikt gegen Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Ukraine. Das Land sei meilenweit davon entfernt, die politischen und ökonomischen Kriterien der Europäischen Union zu erfüllen, erklärte er zusammen mit Alexander Ulrich. „Ein Beitritt in diesem Jahrzehnt ist völlig unrealistisch.“ 2020 engagierte sich Hunko für die Freilassung des Wikileaks-Gründers Julian Assange.  © Uli Deck/dpa
Das frühere SPD-Mitglied Alexander Ulrich stand schon in der Linkspartei fest an der Seite von Sahra Wagenknecht. Im Sommer 2023 stellte er klar, was er von der Partei hielt. „Die Linke verkommt leider zu einer Sekte. Wir hoffen auf Sahra Wagenknecht.“ Der Bundestagsabgeordnete stammt aus Rheinland-Pfalz und ist Mitglied des Ältestenrates des Deutschen Bundestages.
Das frühere SPD-Mitglied Alexander Ulrich stand schon in der Linkspartei fest an der Seite von Sahra Wagenknecht. Im Sommer 2023 stellte er klar, was er von der Partei hielt. „Die Linke verkommt leider zu einer Sekte. Wir hoffen auf Sahra Wagenknecht.“ Der Bundestagsabgeordnete stammt aus Rheinland-Pfalz und ist Mitglied des Ältestenrates des Deutschen Bundestages. © Christoph Hardt/Imago
Auch die ehemalige Hamburger Linken-Chefin Zaklin Nastic hat sich dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“ angeschossen. Der Austritt aus der Linken sei ihr nicht leichtgefallen, sagte Nastic im Oktober 2023. „Immerhin war diese Partei nicht nur viele Jahre meine politische Heimat, ich habe sie auch mit aufgebaut und als Landessprecherin vertreten und lange gegen ihren Niedergang gekämpft – leider ohne Erfolg.“ Nastic warf der Linken-Parteiführung vor, ihren politischen Kompass verloren und die Aufarbeitung der letzten Wahlniederlagen verweigert zu haben.
Auch die ehemalige Hamburger Linken-Chefin Zaklin Nastic hat sich dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“ angeschossen. Der Austritt aus der Linken sei ihr nicht leichtgefallen, sagte Nastic im Oktober 2023. „Immerhin war diese Partei nicht nur viele Jahre meine politische Heimat, ich habe sie auch mit aufgebaut und als Landessprecherin vertreten und lange gegen ihren Niedergang gekämpft – leider ohne Erfolg.“ Nastic warf der Linken-Parteiführung vor, ihren politischen Kompass verloren und die Aufarbeitung der letzten Wahlniederlagen verweigert zu haben.  © Christoph Soeder/dpa
Stell­vertretender BSW-Vorsitzender ist Shervin Haghsheno. Der Bauingenieur ist Universitätsprofessor am Karlsruher Institut für Technologie. Dort leitet er als Geschäftsführender Direktor das Institut für Technologie und Management im Baubetrieb. Haghsheno wurde 1975 in Teheran geboren und ist seit 1985 in Deutschland zu Hause.
Stell­vertretender BSW-Vorsitzender ist Shervin Haghsheno. Der Bauingenieur ist Universitätsprofessor am Karlsruher Institut für Technologie. Dort leitet er als Geschäftsführender Direktor das Institut für Technologie und Management im Baubetrieb. Haghsheno wurde 1975 in Teheran geboren und ist seit 1985 in Deutschland zu Hause. © Frederic Kern/Imago
Jochen Flackus, der 1988 Büroleiter des damaligen saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine war, gehörte von 1974 bis 2008 der SPD an. Danach trat er der Partei Die Linke bei. Bei der Landtagswahl im Saarland 2017 erhielt er ein Mandat im Landtag des Saarlandes. Er war dort parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion, bevor er im März 2022 seinen Austritt aus der Linkspartei erklärte. Im Januar 2024 trat er dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“ bei.
Jochen Flackus, der 1988 Büroleiter des damaligen saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine war, gehörte von 1974 bis 2008 der SPD an. Danach trat er der Partei Die Linke bei. Bei der Landtagswahl im Saarland 2017 erhielt er ein Mandat im Landtag des Saarlandes. Er war dort parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion, bevor er im März 2022 seinen Austritt aus der Linkspartei erklärte. Im Januar 2024 trat er dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“ bei. © Imago
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ hat sich einiges vorgenommen. Die Partei will einen „politischen Neuanfang“ für die ganze Republik. Zu Wagenknechts Positionen gehören: Mehr sozialer Zusammenhalt, weniger Einwanderung in Deutschland und keine deutschen Waffen in die Welt, schon gar nicht in die Ukraine. Ist die Partei nun eher links oder eher rechts? Bei den Verantwortlichen will man sich da nicht festlegen (im Bild von links nach rechts: Thomas Geisel, Shervin Haghsheno, Amira Mohamed Ali, Sahra Wagenknecht, Christian Leye und Fabio De Masi).
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ hat sich einiges vorgenommen. Die Partei will einen „politischen Neuanfang“ für die ganze Republik. Zu Wagenknechts Positionen gehören: mehr sozialer Zusammenhalt, weniger Einwanderung in Deutschland und keine deutschen Waffen in die Welt, schon gar nicht in die Ukraine. Ist die Partei nun eher links oder eher rechts? Bei den Verantwortlichen will man sich da nicht festlegen (im Bild von links nach rechts: Thomas Geisel, Shervin Haghsheno, Amira Mohamed Ali, Sahra Wagenknecht, Christian Leye und Fabio De Masi). © Imago

Kern der Linken ist, „für die Leute da zu sein“

Wenn Sie nicht gesteuert sind, wer oder was inspiriert Sie?
Rosa Luxemburg!
Na, das ist dann schon mal definitiv nicht Bewegungslinke, oder?
Ja, angeblich sind wir aus dem Osten halt immer Realos. Aber was mich eigentlich sehr viel mehr inspiriert, sind unsere Leute vor Ort. Was die da auf die Beine stellen, egal, ob in Ost oder West, das finde ich krass. Nur ein Beispiel: Es gibt einen Genossen in Weißenfels (bei Halle, d. Red.), der organisiert eine Küche für alle, die monatlich mehr als 200 Essen ausgibt. Da steht nicht Die Linke drauf, aber er ist im Stadtrat und das verbindet man mit uns. Auf so etwas müssen wir uns wieder mehr besinnen.
Die Linke als Kümmerer-Partei?
Warum nicht? Der Kern unserer Partei ist, für die Leute da zu sein. Ich könnte ganz viele verschiedene Beispiele nennen, unter dem Motto „Die Linke hilft“. Das Kümmern hat immer so einen negativen Touch, weil einige glauben, das würde bedeuten, man will den Leuten ihre Selbstwirksamkeit nehmen. Aber das stimmt ja überhaupt nicht. Wir stärken die Leute ja in dem, was sie tun. Da sehe ich uns Linke schon in der Pflicht. Auch mich selbst. Ich bekomme – neben E-Mails – viele Anfragen über Tiktok und Instagram und auch, wenn ich nicht konkret helfen kann, versuche ich eine Adresse weiterzugeben oder auch wenigstens ehrlich Anteil zu nehmen.

Linke um Reichinnek suchen im Bundestag „kleine Widerstandsoptionen“

Apropos Tiktok. Sie sind eine sehr reichweitenstarke Abgeordnete dort. Aber ich hab von Ihrem Mitarbeiter gehört, dass er Sie dazu überreden musste. Stimmt das?
(Lacht) Ja, ich dachte erst, ich bin zu alt dafür.
Sie sind 35.
Ja, aber für mich war Tiktok immer etwas für Jüngere. Man hat ja immer diese Tanzvideos im Kopf. Aber dann habe ich gesagt, probieren wir es mal, ich mache aber nur Dinge, die sich für mich gut anfühlen, ich werde nicht tanzen und keine pseudo-coolen Gesten machen. Die Reichweite, die wir da aufgebaut haben, wollen wir mit anderen Kolleginnen und Kollegen teilen. Wir haben Videos mit Ferat Koçak aus dem Berliner Abgeordnetenhaus zum Thema Polizei und Winterabschiebestopp, mit Sebastian Walter aus Brandenburg, mit Eva von Angern aus Sachsen-Anhalt, um nur ein paar zu nennen. Das wollen wir weiter intensivieren, auch auf Instagram etwa mit kleinen Kreisverbänden zusammenarbeiten, die freuen sich sehr, wenn sie mal ein paar hundert Likes haben.
Erste Reihe in den sozialen Medien, aber im Bundestag ist die Linke in der Sitzordnung weit nach hinten gerutscht.
Wir sitzen jetzt ab der siebten Reihe bis nach hinten und dürfen keine Tische mehr nutzen. Wir machen uns jetzt aber den Spaß, dass die den Gang zum Rednerpult als Catwalk nutzen. Von ganz hinten nach vorne, die anderen Kollegen klatschen dann schon mal ein und das Präsidium ist genervt, weil es so lange dauert. Man sucht sich ja kleine Widerstandsoptionen. Schlimmer ist, dass wir viel Redezeit verloren haben und eine Katastrophe ist, dass wir nur noch zehn kleine Anfragen pro Monat stellen dürfen. Das Hauptziel für die Linke ist ganz klar, dass wir nach der nächsten Wahl wieder in Fraktionsstärke in den Bundestag kommen.

Rubriklistenbild: © Carsten Koall/dpa

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