Schwerer Kampf gegen Rechts

Linken-Efolg zur Bundestagswahl: Ein Comeback und ein großes Problem

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Die Bundestagswahl hat die politischen Ränder in Deutschland gestärkt. Trotz großem Erfolg steht die Linke einer starken AfD gegenüber.

Berlin – Es sah nicht gut aus für die Linke. Interne Streitereien über die politische Ausrichtung, der Austritt prominenter Mitglieder und die Gründung des BSW haben die Partei im Bundestag sogar den Fraktionsstatus gekostet. Bei der Bundestagswahl am Sonntag (23. Februar) schaffte die Linke dann das, was viele für unmöglich hielten. 8,77 Prozent holte die Partei um die Spitzenkandidaten Heidi Reichinnek und Jan van Aken – und fuhr damit das drittbeste Ergebnis bei einer Bundestagswahl seit der Parteigründung ein.

Entsprechend groß war die Freude und die Erleichterung. In den sozialen Medien, die die Linke im Wahlkampf mit Aktionen wie der „Mission Silberlocke“ für sich zu nutzen wusste, sah man geradezu frenetisch jubelnde Linkenmitglieder. „Wir versprechen euch, dass wir alles dafür tun, eurem Vertrauen gerecht zu werden“, schrieb Reichinnek in einem Beitrag auf Instagram. Doch die Bundestagswahl brachte nicht nur der Linken Aufwind – die in Teilen rechtsextreme AfD konnte ihr Ergebnis von 2021 verdoppeln.

Diese bekannten Politiker sitzen jetzt nicht mehr im Bundestag

Christian Lindner
Die FDP ist an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und scheidet damit aus dem Bundestag aus. Noch 2017 hatte Parteichef Christian Lindner sie mit neuem Image und einem zweistelligen Ergebnis nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition wieder ins Parlament geführt – doch die Rechnung ging dieses Mal nach Ampel-Bruch und Unzufriedenheit der Wählerinnen und Wähler mit der Partei nicht auf.  © imago
Johannes Vogel, Fraktionsgeschäftsführer der FDP
Dem Wahlergebnis fiel damit auch Johannes Vogel zum Opfer. Er war zuletzt Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Bundestag sowie stellvertretender Bundesvorsitzender. Durch das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde zieht auch er nicht wieder in den Bundestag ein.  © Rabea Gruber/dpa
FDP-Politikerin und frühere JuLi-Chefin Ria Schröder
Ria Schröder gilt als eine der personellen Hoffnungen der Freien Demokraten. Die Juristin war Vorsitzende der Jugendbewegung Junge Liberale und ist Mitglied des FDP-Bundesvorstands.  © Hannes P. Albert/dpa
Früherer FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai
Bijan Djir-Sarai saß ebenfalls für die FDP im Bundestag und war bis November 2024 ihr Generalsekretär. Nach dem Ampel-Bruch trat er von der Position zurück.  © Sebastian Gollnow/dpa
Linda Teuteberg, FDP-Spitzenkandidatin in Brandenburg
Linda Teuteberg hatte viel vor mit der FDP, als sie 2019 Generalsekretärin wurde. Von diesem Amt entfernte Christian Lindner sie jedoch zugunsten Volker Wissings schon vor dem Ende ihrer Amtszeit wegen Streitigkeiten. Auch sie ist durch das schlechte Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl 2025 nicht mehr im Bundestag vertreten. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Wolfgang Kubicki (FDP)
Auch den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki werden wir in dieser Legislaturperiode wegen des Scheiterns an der Fünf-Prozent-Hürde nicht im Deutschen Bundestag sehen.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Dürr, Fraktionschef der FDP im Bundestag
Christian Dürr ist Mitglied im Bundesvorstand der FDP und war zuletzt Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Bundestag. Auch er scheidet mit seiner Partei wegen ihres schlechten Wahlergebnisses aus dem Bundestag aus.  © imago
Marco Buschmann, FDP
Marco Buschmann war in der Ampel-Koalition als Bundesjustizminister tätig. Mit dem Bruch der Ampel gab er das Amt jedoch an Volker Wissing ab, der nach dem Zerwürfnis der Koalition aus der Partei austrat.  © Michael Kappeler/dpa
Volker Wissing, ehemals FDP und mittlerweile parteilos
Volker Wissing, in der Ampel-Koalition Verkehrsminister und später zusätzlich Justizminister, ließ zwar nach dem Scheitern der Ampel seine Partei hinter sich. In den neuen Bundestag zieht der jetzt parteilose Rechtsanwalt aber trotzdem nicht ein. Er möchte sich aus der Politik zurückziehen und in seiner Kanzlei arbeiten. © Hannes P Albert/dpa
Jens Teutrine, früherer Chef der Jungen Liberalen
Jens Teutrine war wie Ria Schröder auch Chef der Jungen Liberalen, bevor er in den Bundestag einzog. Mit dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag endet auch sein Mandat. © Serhat Kocak/dpa
Bettina Stark-Watzinger, ehemalige FDP-Bundesbildungsministerin
Ein weiteres prominentes Gesicht der Ampel-Koalition verlässt den Bundestag: Bettina Stark-Watzinger, die während der letzten Legislaturperiode Bundesbildungsministerin war.  © Christine Schultze/dpa
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin und frühere Linken-Chefin
Politisch eklatant unterschiedlich, eint sie doch dasselbe Schicksal: Wie die FDP scheiterte auch das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde – und zwar äußerst knapp. Einst Linken-Chefin, gründete Sahra Wagenknecht Anfang 2024 das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Trotz des aus dem Stand starken Abschneidens bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg zieht das Bündnis nach der Bundestagswahl knapp nicht ins Parlament ein.  © Frank Ossenbrink/imago
Amira Mohamed Ali, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Amira Mohamed Ali war einst Abgeordnete der Linken, gründete jedoch zusammen mit Sahra Wagenknecht das BSW. Sie ist Parteivorsitzende – und nicht mehr im Bundestag. © Christoph Hardt/imago
Sevim Dagdelen, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Auch Sevim Dagdelen entschied sich zum Parteiaustritt aus der Linken und zum Eintritt ins BSW, das bei der Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und somit nicht im Bundestag vertreten ist.  © imago
Grünen-Politiker Cem Özdemir
Die Grünen verlieren nach der Bundestagswahl 2025 sogar ein Ministergesicht: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wird nicht mehr im Parlament vertreten sein. Jedoch entschied er das bereits selbst lange vor der Wahl. Er will der Bundespolitik den Rücken kehren und strebt in seiner Heimat Baden-Württemberg das Amt des Ministerpräsidenten an. © Hannes P Albert/dpa
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar dürfte über die Grenzen Berlins hinaus nicht besonders bekannt gewesen sein – bis Ende 2024 Vorwürfe der Belästigung gegen ihn laut wurden. Eigentlich wollte er in seinem Wahlkreis Berlin-Pankow wieder zur Bundestagswahl antreten, jedoch entschied sich der Kreisverband bei einer erneuten Abstimmung stattdessen für Julia Schneider, die nun in den Bundestag einzieht. Die Vorwürfe hatten sich im Übrigen als falsch erwiesen.  © imago
Grünen-Politikerin Tessa Ganserer
Tessa Ganserer ist eine der bekanntesten Trans*-Politikerinnen Deutschlands. Im Bundestag setzte sich die Grüne vor allem für die Rechte queerer Menschen ein. Dass sie in der 21. Wahlperiode nicht mehr im Parlament sitzt, war ihre eigene Entscheidung. Sie trat nicht mehr als Kandidatin an. Wegen des „menschenverachtenden Hasses“, der ihrer Person entgegengebracht worden sei, wolle sie ihrem Leben noch einmal eine andere Richtung geben. © Dwi Anoraganingrum/imago
Grünen-Politikerin Renate Künast
Auch die prominente Grünen-Politikerin Renate Künast wird nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein – ebenfalls aus freien Stücken. Sie wollte nicht mehr antreten, „um Platz für Jüngere zu machen“, hatte Künast im Sommer 2024 erklärt. Vorher war sie bereits Landwirtschaftsministerin, Grünen-Fraktionschefin und Parteivorsitzende gewesen.  © Christoph Soeder/dpa
SPD-Politikerin Michelle Müntefering
Auch bei der SPD verlassen bekannte Gesichter den Bundestag. Michelle Müntefering (SPD), Ehefrau von Franz Müntefering, sitzt ebenfalls nicht mehr im Parlament. Das war jedoch schon vor der Bundestagswahl klar: Die SPD hatte nicht mehr sie, sondern Hendrik Bollmann für ihren Wahlkreis Herne - Bochum II nominiert. © M. Popow/imago
SPD-Politiker und ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, Michael Müller
Michael Müller (SPD) war einst Regierender Bürgermeister von Berlin und zog 2021 in den Bundestag ein. Damals hatte er in seinem Wahlkreis Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf die meisten Stimmen bekommen, diesmal landete er hinter Lukas Krieger (CDU) und Lisa Paus (Grüne) nur auf dem dritten Platz und verpasste damit sein Ticket ins Parlament.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert
SPD-Promi Kevin Kühnert hatte eine steile politische Karriere hingelegt. Er war Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD und seit 2021 Generalsekretär. Von dem Amt trat er 2024 zurück und kündigte an, sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückzuziehen und nicht mehr für den Bundestag kandidieren zu wollen.  © Michael Kappeler/dpa
SPD-Politiker Michael Roth
Der hessische SPD-Politiker Michael Roth entschied sich ebenfalls weit vor der Wahl, nicht mehr für den Bundestag anzutreten. In seinem Fall spielte auch sein Einsatz für die Ukraine eine Rolle, der nicht allen in der Partei gefallen habe, und er habe sich mit der Zeit von den Sozialdemokraten und dem Politikbetrieb entfremdet. © imago
CDU-Politiker Helge Braun
Trotz ihres Wahlsiegs verliert auch die Union ein bekanntes Gesicht: Helge Braun war unter Angela Merkel Kanzleramtschef. Ende 2024 kündigte der Arzt aus Gießen an, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen.  © Kay Nietfeld/dpa
CSU-Politiker Peter Ramsauer
Auch aus der Schwesterpartei CSU verschwindet eine bekannte Persönlichkeit: Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer scheidet aus dem Bundestag aus – auf eigenen Wunsch war er nicht mehr angetreten. © Michael Kappeler/dpa
Susanne Hennig-Wellsow, Die Linke
Auch die Linke verbüßt trotz überraschend starkem Wahlergebnis Abgänge: unter anderem Susanne Hennig-Wellsow. Die frühere Bundesparteivorsitzende ist nicht mehr zur Bundestagswahl angetreten. Sie wollte sich beruflich etwas Neuem widmen. © Frederic Kern/imago

Ergebnis der Bundestagswahl: Linke und AfD profitieren – Erfolg für die politischen Ränder

Das von der Bundeswahlleiterin verkündete vorläufige Wahlergebnis sieht die AfD unter Kanzlerkandidatin Alice Weidel bei 20,8 Prozent. 2021 kam die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestufte Partei gerade einmal auf 10,3 Prozent. Laut dem Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder liegt dies vor allem daran, dass sich viele Menschen von den etablierten Parteien nicht mehr repräsentiert fühlen, wie er gegenüber dem ZDF erklärte.

Der Erfolg der Linken könnte dabei auf einen ähnlichen Ursprung zurückzuführen sein. Wie Marcus Maurer, Professor für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt politische Kommunikation, gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte, sei die Linke die einzige Partei, die beim Thema Migration eine offene Haltung zeige. Während sich alle anderen Parteien für eine Begrenzung der Migration einsetzen, lehnt die Linke Abschiebungen grundsätzlich ab. Dieses „Alleinstellungsmerkmal“ habe der Partei im Wahlkampf geholfen.

Gelöste Stimmung bei der Wahlparty der Linken. Die Partei fährt ihr drittbestes Ergebnis ein.

Dass auch die AfD von einem Wahlkampf profitierte, der sich vor allem mit der Migrationspolitik beschäftigte. Das bestätigt auch die Amadeu-Antonio-Stiftung. „Den Rechtsextremen wurden hier wachsende Problemlösungskompetenzen seines der Wähler*innen zugeschrieben, während die anderen Parteien dazu beitrugen, dass das Thema auch wirklich als größtes Problem wahrgenommen wurde“, hieß es dazu in einer Analyse der Stiftung am Montag (24. Februar).

Nach der Bundestagswahl: Linke mit starkem Ergebnis – aber Rechts so groß wie nie

So sehr sich die Linke auch über den Wahlerfolg freuen mag, die AfD hat als rechte Partei so viel Zulauf wie nie. Gerade in Ostdeutschland und unter jungen Wählerinnen und Wählern ist die sogenannte Alternative für Deutschland populär. Mit 37,3 Prozent wurde sie in Sachsen deutlich stärkste Kraft. Hinzu kommt noch, dass der Erfolg der Rechtspopulisten eng mit dem der Linken zusammenzuhängen scheint.

Für die Linke, die sich den Kampf gegen Rechts auf die Fahne geschrieben hat, dürfte das Ergebnis bei der Bundestagswahl also eigentlich kein Grund zum Feiern sein. Auch nicht in Leipzig, dem einzigen Wahlkreis in Sachsen, der nicht mehrheitlich an die AfD, sondern die Linkspartei ging. „Wir sind die Brandmauer gegen den Faschismus“, rief Sören Pellmann, Linken-Direktkandidat in Leipzig, bei der Wahlfeier den Umstehenden zu, wie der Spiegel berichtete.

Die Linke zeigt sich aber weiter entschlossen. Noch in der Wahlnacht teilte Reichinnek ein Lied von Taylor Swift auf Instagram. Darin heißt es übersetzt: „Schatz, ich bin von den Toten auferstanden, ich mache das ständig. Ich habe eine Liste mit Namen, und deiner ist rot unterstrichen.“ Ein Verweis auf das Comeback der Partei – und möglicherweise eine Kampfansage an die AfD?

Bundestagswahl Ergebnisse: Comeback der Linken – GroKo aus Union und SPD möglich

Wie es in der deutschen Politik weiter geht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Die Wahlergebnisse deuten allerdings ein Bündnis aus SPD (16,41 Prozent) und Union (28,52 Prozent) unter der Führung von CDU-Chef Friedrich Merz an. Nachdem FDP (4,33 Prozent) und BSW (4,97 Prozent) den Sprung in den Bundestag verpasst haben – und Christian Lindner bereits seinen politischen Rückzug angekündigt hat – würde eine Neuauflage der Großen Koalition über eine Mehrheit der Sitze im Bundestag verfügen.

Die Opposition bestünde in diesem Fall aus der AfD, den Grünen (11,61 Prozent) und den Linken. Dass es bei einer möglichen Groko noch zur Regierungsbeteiligung der Grünen unter Robert Habeck kommt, ist unwahrscheinlich. Zum einen sprach sich Merz mehrfach für eine Regierung aus SPD und Union aus. Zum anderen lehnte CSU-Chef Markus Söder eine Zusammenarbeit mit den Grünen grundsätzlich ab. Ebenso wollen CDU und CSU keine Koalition mit der AfD eingehen. Eine Zusammenarbeit mit der Linken schließt die Union ebenfalls kategorisch aus. (nhi)

Rubriklistenbild: © Carsten Koall/dpa

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