Der von Boris Johnson kürzlich ins Kabinett berufene Bildungsminister James Cleverly hat sich dafür ausgesprochen, dass der scheidende britische Premier seine Hochzeitsparty auf dem offiziellen Landsitz Chequers feiern darf.
London - Johnson und seine Frau Carrie planen Medienberichten zufolge am 30. Juli ihre im vergangenen Jahr geschlossene Hochzeit nachzufeiern, die wegen der Corona-Pandemie nur im kleinen Kreis begangen wurde. Inzwischen ist Johnson jedoch als Parteivorsitzender zurückgetreten. Er will zwar noch bis zur Wahl eines Nachfolgers im Amt bleiben, doch der Druck wächst, ihn schnellstmöglich abzulösen.
Cleverly sprach sich nun dafür aus, Johnson selbst im Fall einer erfolgten Ablösung die Feier zu gewähren. «Ich denke, es wäre eine großzügige Geste eines neuen Premierministers, zu erlauben, dass sie stattfindet», sagte der Minister der BBC am Freitag. Dem Steuerzahler werde dadurch keine finanzielle Bürde zugemutet, so Cleverly weiter. Es sei «kleinlich», gegenüber zwei Menschen missgünstig zu sein, die ihre Ehe und ihre Liebe füreinander feiern wollten, fügte er hinzu.
Ein Regierungssprecher hatte zuvor einen Bericht des «Mirror» dementiert, wonach Johnson vor allem deswegen noch im Amt bleiben will, um die Party auf dem großzügigen Landsitz in der Grafschaft Buckinghamshire zu feiern. Der Premier habe ein starkes Pflichtgefühl und werde den Dienst an seinem Land fortsetzten, bis ein neuer Regierungschef gefunden sei, sagte der Sprecher. Das Blatt zitierte jedoch auch Tory-Insider, die das Vorhaben als «krass» bezeichneten und forderten, dass Johnson unverzüglich aus dem Amt des Premiers ausscheidet.
Johnson hatte am Donnerstag nach massivem Druck aus Kabinett und Fraktion seinen Rücktritt als Chef der britischen Konservativen bekannt gegeben. Er will die Amtsgeschäfte aber übergangsweise zunächst fortführen.
Johnson soll schnell abgelöst werden
Nach der Rücktrittsankündigung des britischen Premierministers Boris Johnson sind Forderungen nach seiner raschen Ablösung laut geworden. Johnson hatte am Donnerstag seinen Rücktritt als Parteichef der britischen Konservativen verkündet, will aber bis zur Wahl eines Nachfolgers noch Premierminister bleiben. Der Zeitplan und die genauen Rahmenbedingungen für die Wahl eines neuen Tory-Chefs sollen Anfang kommender Woche vom zuständigen Parteigremium, dem sogenannten 1922-Komitee, festgelegt werden.
Die Ablösung Johnsons sollte Wochen, nicht Monate dauern, sagte die konservative Abgeordnete und Johnson-Kritikerin Caroline Nokes am Freitag der BBC. Der Prozess unterscheide sich deutlich von früheren Übergängen von einem konservativen Premier zum anderen, bei denen es stets um inhaltliche politische Fragen gegangen sei, sagte Nokes. «Er hat das Vertrauen der konservativen Partei aufgrund mangelnder persönlicher Integrität verloren», so die Vorsitzende des Ausschusses für Frauen und Gleichberechtigung. Johnson habe eine «starke Botschaft» von seiner Fraktion erhalten. «Sein früheres Verhalten wird nicht mehr toleriert.»
Die Vizechefin der oppositionellen Labour-Partei, Angela Rayner, forderte hingegen die sofortige Ablösung Johnsons. «Er ist ein erwiesener Lügner, der im Filz versinkt, wir können uns nicht noch ein paar Monate davon leisten», sagte Rayner und fügte hinzu: «Sie müssen ihn loswerden, und wenn nicht, dann werden wir eine Misstrauensabstimmung im Parlament einleiten.» Es sei klar, dass Johnson das Vertrauen der Bevölkerung verloren habe.
Dass Johnson durch ein Misstrauensvotum im Parlament aus dem Amt gejagt werden könnte, gilt als unwahrscheinlich. Dafür müsste seine eigene Fraktion gegen ihn stimmen. Die Folge wäre eine unverzügliche Neuwahl. Der Mechanismus unterscheidet sich von dem Misstrauensvotum innerhalb der Fraktion, das Johnson kürzlich noch knapp überstand. (dpa)