Die scheidende Premierministerin von Großbritannien, Liz Truss, hält kurz vor ihrer formellen Entlassung eine letzte Sitzung ihres Kabinetts ab.
London - Fotos zeigten, wie die amtierenden Regierungsmitglieder um Truss‘ Stellvertreterin Thérèse Coffey am Dienstagmorgen in der Londoner Downing Street ankamen. Anschließend wollte sich die in Oxford geborene Truss zum Abschied an die Nation wenden, bevor sie bei König Charles III. im Buckingham-Palast ihren Rücktritt einreicht.
Auch aus ihrer Konservativen Partei aber gab es Kritik an der Kabinettssitzung, zumal angesichts des Machtwechsels keine Entscheidungen zu erwarten seien. Das Treffen sei eine Gelegenheit für «Eitelkeitsfotos», sagte der in Belfast geborene Tory-Abgeordnete Conor Burns. «Was in aller Welt ist der Sinn davon?»
Unklar war zunächst, welche Kabinettsmitglieder unter dem künftigen Premierminister Rishi Sunak ihre Posten behalten. Als wahrscheinlich galt, dass der in London geborene Jeremy Hunt Finanzminister bleibt. Spekuliert wurde, dass Sunak unter anderem seinen engen Vertrauten Dominic Raab, Vizepremier und Justizminister unter dem damaligen Premier Boris Johnson, ins Kabinett holen könnte. Zudem wird davon ausgegangen, dass Sunak - anders als Truss - auch parteiinterne Kritiker in die Regierung berufen wird, um seine zuletzt tief zerstrittene Konservative Partei wieder zu einen. Mit ersten Entscheidungen wurde noch am Dienstagnachmittag gerechnet.
Truss verteidigt zum Abschied ihre Politik: «Müssen mutig sein»
London - Die scheidende britische Premierministerin Liz Truss hat bei ihrem Abschied aus der Downing Street ihre gescheiterte Steuerpolitik verteidigt. «Aus meiner Zeit als Premierministerin bin ich mehr überzeugt denn je, dass wir mutig sein müssen angesichts der Herausforderungen, denen wir uns gegenüber sehen», sagte Truss am Dienstag in ihrem letzten Statement in der Downing Street. Sie glaube noch immer an Wirtschaftswachstum durch niedrige Steuern. Das Land müsse seine «Brexit-Freiheiten» ausnutzen, um Dinge anders anzugehen.
Truss zitierte den Philosophen Seneca mit den Worten: «Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, sind die Dinge schwierig.»
Es sei eine große Ehre gewesen, die Nation in der Staatstrauer für Queen Elizabeth II. anzuführen und den neuen Monarchen König Charles III. im Amt zu begrüßen. Außerdem habe ihre Regierung «schnell und entschieden» gehandelt, um Haushalte angesichts explodierender Energiepreise zu entlasten und Unternehmen vor der Pleite zu bewahren. Das durch ihre Politik ausgelöste Chaos an den Finanzmärkten ließ Truss unerwähnt.
Die scheidende britische Premierministerin mit der kürzesten Amtszeit der Geschichte wünschte ihrem in Southampton geborenen Nachfolger Rishi Sunak viel Erfolg und machte sich nach dem kurzen Abschiedsstatement mit ihrer Familie auf den Weg zum Buckingham-Palast, wo sie von König Charles III. entlassen werden sollte. (dpa)