VonNadja Orthschließen
Erneut sollen ukrainische Truppen auf der besetzten Krim an Land gegangen sein. Offizielle sprechen von zahlreichen Verlusten und großem Schaden für Russland.
Kiew – Ukrainischen Spezialeinheiten soll am Mittwoch ein erneuter Angriff auf die russisch besetzte Halbinsel Krim gelungen sein. Den Soldatinnen und Soldaten seien in der Nacht mit Jetskis und Booten an Land gegangen und haben laut offiziellen Angaben erheblichen Schaden angerichtet. In letzter Zeit häufen sich Angriffe der Ukraine auf die Krim und zeigen zunehmend Erfolge. Auch Russland äußerte sich offiziell zu dem Angriff.
Angriff im Ukraine-Krieg: Spezialtruppen landen auf der Krim und greifen russische Luftlandeeinheit an
Wie die Nachrichtenagentur Ukrinform unter Berufung auf den Vertreter der Hauptnachrichtendirektion des Moskauer Gebiets, Andrej Jusow berichtet, seien die ukrainischen Truppen an der Westküste der Insel an Land gegangen. Dort hätten sie den Luftlandetruppen Russlands während der Schlacht erhebliche Verluste zugefügt. „Mehrere Gruppen der ukrainischen Spezialeinheit der Hauptverwaltung für Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine landeten an der Westküste der Krim, zogen in einen Kampf gegen die überwältigenden Kräfte der Besatzer und fügten erhebliche Verluste zu. Wir sprechen von der Luftlandeeinheit der Besatzer“, wird Jusow zitiert.
Mit der nächtlichen Attacke auf die Krim wolle man deutlich machen, dass die Ukraine weiterhin für die Rückeroberung der Halbinsel kämpfen werde. „Dies war eine Sabotage- und Aufklärungsoperation. Sie sieht bestimmte Maßnahmen auf dem Territorium und die Rückkehr der Gruppe vor“, so der Sprecher weiter. Es handele sich somit nicht um eine einzelne gezielte Aktion, sondern um eine Operation im Rahmen eines umfassenden geplanten Vorgehens.
⚡️#Ukraine's Intelligence announced that Ukrainian paratroopers successfully landed in temporarily occupied #Crimea and inflicted fire damage on the enemy. pic.twitter.com/AIygI1TGAU
— KyivPost (@KyivPost) October 4, 2023
„Brutale Kämpfe“: Ukraine berichtet von nächtlicher Spezial-Operation auf der Halbinsel Krim
Welcher Sachschaden bei dem Angriff genau entstand und wie viele Menschen verletzt oder getötet wurden, ist bislang nicht bekannt. In einem weiteren Gespräch mit der Zeitung RBC-Ukraine sagte Jusow, dass „es leider Verluste bei unseren Spezialkräften gibt, die aber nicht mit denen der russischen vergleichbar sind“. Nach der Landung auf der Halbinsel Krim im Schwarzmeer habe es demnach „brutale Kämpfe“ mit russischen Truppen gegeben. Die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten hätten ihre Mission erfolgreich abgeschlossen und seien inzwischen sicher zurückgekehrt. Zunächst hatte die ukrainische Nachrichtenagentur Unian über die Aussage des Sprechers berichtet.
Ein Video, das am Mittwoch vom Hauptnachrichtendienst des ukrainischen Militärs (HUR) veröffentlicht wurde, zeigt lediglich einige Männer auf acht Jetski-ähnlichen Fahrzeugen, die sich in der Dunkelheit auf eine Küste zubewegen. Laut einer HUR-Erklärung wurden die Bilder „in der Nähe der Küste der Krim“ aufgenommen. Weiter ist zu sehen, wie die Spezialeinheit aus etwa acht Soldatinnen und Soldaten an Land geht. Kampfszenen gibt es in dem Video nicht.
Unterdessen folgt laut Übersetzung der Kyiv Post eine Erklärung der Ukraine, dass die Krim zum ukrainischen Territorium gehört und dass das Militär die Halbinsel wieder unter ukrainische Kontrolle stellen wird. Die Erklärung im Video deckt sich mit der Aussage des Vertreters der Hauptnachrichtendirektion.
Ukrainischer Angriff auf die russisch besetzte Krim? Russland äußert sich nicht
Die Informationen der Ukraine können bislang nicht unabhängig bestätigt werden. Wie das weißrussische Oppositionsmedium Nexta am Mittwoch auf der Nachrichtenplattform X schrieb, teilte der russische Föderale Sicherheitsdienst (FSB) offenbar mit, er habe „einen Versuch der ukrainischen Aufklärungstruppe, auf die Krim einzudringen, verhindert“. Der FSB sagte demnach, dass sie sogar „einen der Saboteure gefangen genommen“ hätten. Von Seiten der Ukraine gab es keine Angaben zu einem Gefangenen.
Die Kyiv Independent behauptet unterdessen, dass russische Staatsmedien das Video des ukrainischen Militärs als fabriziert und möglicherweise schon früher produziert bezeichnen, um Misserfolge bei ukrainischen Angriffen an der Küste zu vertuschen.
Die Ukraine versucht mitten im Ukraine-Krieg seit geraumer Zeit, die russisch besetzte Halbinsel Krim zu erreichen und dem russischen Militär vor Ort Schaden zuzufügen. Erst Mitte September seien Truppen die Rückeroberung einer wichtigen Öl- und Gasplattform im Schwarzen Meer gelungen, wodurch sie russische Radarsysteme entfernen konnten. Das habe laut ukrainischen Angaben ein großes Sicherheitsproblem für Russland bedeutet, da die Umgebung im Schwarzen Meer nicht mehr überwacht werden könne. Ob der berichtete Erfolg der aktuellen Mission damit in einer Weise zusammenhängt, ist jedoch unklar. (nz)
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