VonPatrick Mayerschließen
Die Bundeswehr schützt die NATO-Ostflanke in Litauen. In einem ARD-Beitrag zeigt die enhanced forward battlegroup Panzer und Artillerie, die nicht nur Alexander Lukaschenko abschrecken sollen.
München/Rukla - Die Aufgabe der enhanced forward battlegroup Lithuania ist schon im Name verankert. Es ist ein Kampftruppenverband, der im Baltikum gefordert ist, „wenn es scharfgehen sollte“, wie es im Bundeswehr-Jargon heißt. Eben jene Bundeswehr leitet den multinationalen Gefechtstrupp aus sechs Nationen mit 1800 Soldatinnen und Soldaten.
Litauen: Bundeswehr steht an NATO-Ostflanke zu Belarus und Kaliningrad
Sie stehen an der NATO-Ostflanke in Litauen (rund 2,8 Millionen Einwohner) an der 679 Kilometer langen Grenze zu Belarus. Dessen Regime von Alexander Lukaschenko in Minsk ist bekanntlich ein Partner von Russland-Machthaber Wladimir Putin, der vor mehr als einem Jahr den Ukraine-Krieg losgetreten hat.
Im Südwesten hat der baltische Staat eine 266 Kilometer lange Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad, dem ehemals ostpreußischen Königsberg. Hier ist die Baltische Flotte Moskaus stationiert. Dem Vernehmen nach registrierten Bundeswehr und NATO-Partner beim Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine auch dort verstärkte Aktivitäten. Es waren nervöse Tage rund um jenen 24. Februar 2022. Nun haben Bundeswehr und NATO-Kollegen den russischen und belarussischen Truppen auf der anderen Seite der Grenzen in einem ARD-Beitrag quasi gezeigt, was sie zum Schutz des kleinen Landes an militärischem Gerät aufgefahren haben.
Im Video: Leopard 2 – einer der modernsten Kampfpanzer der Welt
In der TV-Dokumentation „Können wir Krieg? – Bundeswehr in der Zeitenwende“, die in der ARD-Mediathek abrufbar ist, hat sich der Verband, der bis Februar im Einsatz war, vor der turnusmäßigen Rotation nach ein paar Monaten zu einer Art Abschlussfoto aufgestellt. Darauf zu sehen: Schwere Panzerhaubitzen 2000 und wuchtige Leopard-2-Kanpfpanzer der deutschen Bundeswehr, recht moderne Schützenpanzer vom Typ CV 90 der Niederländer und der Norweger sowie Rad-Schützenpanzer vom Typ Patria der Tschechen. An deren Stelle sind mittlerweile Kroaten mit demselben Schützenpanzer getreten.
NATO-Battlegroup in Litauen: Deutsche, Niederländer, Norweger, Kroaten, Belgier und Luxemburg vertreten
Komplettiert wird der Kampfverband durch eine Versorgungskompanie der Belgier und rund zwei Dutzend Soldaten aus Luxemburg, die die militärische Aufklärung an den Grenzen mit übernehmen. Auf der Videofrequenz sind ebenfalls Fuchs-Transportpanzer zu sehen, die neben schwerer Artillerie und den einzigen Kampfpanzern im Verband offenbar von der Bundeswehr bereitgestellt werden.
Auffällig ist: Es ist einiges, aber nicht so richtig viel an schwerem militärischen Gerät mit dabei – für den Schutz von mehr als 900 Kilometern Grenze. Würde der Bündnisfall bei einem Angriff auf das Staatsgebiet eintreten, würde die NATO-Kampftruppe einer litauischen Brigade (bis zu 4500 Soldaten) unterstellt, die laut Global-Firepower-Index keinen einzigen eigenen Kampfpanzer hat. Demnach verfügen die litauischen Streitkräfte immerhin über 75 Artillerie-Geschütze, darunter ist aber etwa kein einziger Raketenwerfer, der mit dem amerikanischen HIMARS-System oder den deutschen MARS-Batterien vergleichbar wäre.
NATO-Battlegroup in Litauen: Bundeswehr stellt „Leos“ und Panzerhaubitze 2000
Wie das ZDF unlängst berichtete, hat die Bundeswehr acht „Leos“ am litauischen Standort Rukla stationiert. Diese Anzahl an Kampfpanzern ist auch auf dem Abschlussfoto der zwölften Rotation zu sehen, das aus dem Februar 2023 stammen muss, als Oberst André Hastenrath Oberst Wolfgang Schmidt das Kommando über das deutsche Kontingent in der Battlegroup übertrug. Der gesamte multinationale Kampfverband untersteht dem deutschen Oberstleutnant Marco Maulbecker.
Mit meinen Kompanien bin ich innerhalb von wenigen Stunden marschbereit.
Erkennbar sind zudem vier große Panzerhaubitzen 2000 aus Deutschland. Reicht das zur Abwehr eines möglichen Angriffes? Laut dem ARD-Bericht müssen sich zum Beispiel die deutschen Soldaten ihr Material von anderen Bundeswehr-Truppen aus der Heimat zusammensuchen. „Die Battlegroup wird aus der Panzerbrigade 21 alimentiert“, erzählt Maulbecker und dementiert dies nicht.
Dennoch bekräftigt Maulbecker in der ARD: „Unser Auftrag ist, einsatzbereit zu sein. Und mit meinen Kompanien bin ich innerhalb von wenigen Stunden marschbereit. Insofern sind wir auf alles vorbereitet.“ (pm)

