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Lukaschenko stürzt Nachbarn in Nöte – mit Zigaretten-Ballons: „Signal für NATO, Litauen und Putin“

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Mit simplen Ballons versetzt Belarus Litauen in Aufruhr. Eine lästige Aktion – aber laut Experte Boris Ginzburg auch ein erstaunlich vielseitiges Signal.

In einer Demokratie gibt es Regeln für Staatsorgane, aus guten Gründen. Was aber tun, wenn reihenweise Ballons in Richtung großer Flughäfen segeln – und es für diese eher abstruse Situation keine Regeln gibt? Das NATO-Land Litauen steht aktuell vor diesem Problem. Der Urheber der Nöte ist immerhin klar: Die ominösen Ballons kommen aus Belarus. Experte Boris Ginzburg sieht ein erstaunliches vielseitiges Kalkül von Diktator Alexander Lukaschenko hinter den Aktionen, wie er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media sagt.

Alexander Lukaschenko schielt womöglich auch nach Russland, wenn Belarus Ballons in Richtung Litauen sendet.

Am Sonntagabend (26. Oktober) hatte der Hauptstadtflughafen Vilnius den Betrieb wegen anfliegender Ballons unterbrochen – zum vierten Mal binnen weniger Tage. Schon am vorangegangenen Dienstag (21. Oktober), am Freitag – damals samt dem Flughafen Kaunas – und Samstag hatten Starts und Landungen gecancelt werden müssen. Im Land schwindet offenbar die Geduld. „Das ist ein Angriff auf litauisches Territorium“, ärgerte sich ein prominenter Musikproduzent auf Facebook, wie das Portal delfi.lt notierte. „Was sind die $%^&^%$!! Wetterballons sonst?“ Andere rufen in sozialen Medien schon nach einer Art Selbstjustiz.

Lukaschenkos Zigaretten-Ballons – ein Multifunktionswerkzeug: Gegen NATO, Putin, Litauen

Ein Berater von Präsident Gitanas Nauseda sprach von einer „hybriden psychologischen Aktion“. „PSYOPS“ heißt das in der Fachsprache. Das Kürzel ist in Litauen in aller Munde. Die krisengebeutelte Neu-Ministerpräsidentin Inga Ruginienė wählte das Wort „hybride Attacken“. Und versprach am Montag nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates klare Maßnahmen. In einem ersten Schritt schloss Litauen die verbliebenen Grenzübergänge zu Belarus.

Die Ballons sind indes kein neues Phänomen; sie dienen seit Langem dem Zigaretten- und Tabakschmuggel in die EU. Umgerechnet fünf Euro Gewinn pro Schachtel seien bei belarusischen Einkaufspreisen von ein bis zwei Euro möglich, sagt Ginzburg. Ein einträgliches Geschäft für das schwer sanktionierte Belarus – insbesondere, seit auch die belarusische Tabakindustrie unter Sanktionen gefallen ist. Und Litauens Spitzenpolitiker hätten recht, wenn sie Lukaschenko hinter den Ballonflügen vermuten, erklärt der Wissenschaftler der FU Berlin.

Denn der Schmuggel liege in Belarus nicht in Händen des „organisierten Verbrechens“ nach westeuropäischem Muster. Das habe Lukaschenko bereits in den 90er-Jahren mit großer Brutalität und „Todes-Schwadronen“ zerschlagen und die fähigsten Köpfe in den Dienst des Staates gezwungen. Mit Einnahmen aus Schmuggel – auch aus gesteuerter Migration – könne das Regime unter anderem Loyalisten entlohnen und den Repressionsapparat aufrechterhalten. Zu Ende ist die Geschichte hier aber nicht. Denn: „Dieses Mal wurde anscheinend gezielt darauf geachtet, dass die Ballons über Flughäfen fliegen.“

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

„Mit solchen Geschichten gelingt es Belarus ziemlich gut, gleichzeitig verschiedene Signale auszusenden und Zielebenen zu bedienen“, sagt Ginzburg. Es gehe um Druck auf Litauen, aber auch um ein Zeichen an den gefährlichen Verbündeten Wladimir Putin. Und um mehrere in die NATO hinein:

  • Belarus wolle Unsicherheit schüren. Angesichts wiederholter Drohnenüberflüge in verschiedenen europäischen Staaten (etwa auch in München) reagiere man in Europa auf jede Luftraumverletzung sensibel.
  • Lukaschenko setze mit dem bewusst provozierten Aufruhr auch Litauens Regierung unter Druck. Die Botschaft laut Ginzburg: „Wir müssen uns mal an einen Tisch setzen und über ein paar Punkte reden. Litauen ist nämlich im Gegensatz zu Polen stets ein Hardliner gegenüber dem Lukaschenko-Regime gewesen.“ Ein möglicher Hintergrund sei die Hoffnung auf Lockerung der Sanktionen für Belarus‘ Kali-Export auf Druck von US-Präsident Donald Trump. Sollten diese kommen, brauche das Land Exporthäfen, so Ginzburg – etwa im litauischen Klaipeda.
  • Und das Regime verschaffe sich Luft gegenüber „Falken“ in Putins Umfeld. Für Argwohn sorge etwa, dass Belarus anders als Russlands Verbündeter Nordkorea bis heute nicht aktiv mit Soldaten in den Ukraine-Krieg eingreife. Aber auch, dass Lukaschenko Drähte gen Westen oder auch China aufbaue. „Das ist auch ein Versuch Lukaschenkos, Russland Unterstützung zu signalisieren – ohne eigene Soldaten in die Ukraine zu schicken.“
  • Ein bislang zu wenig beachteter Aspekt laut Ginzburg: Mit den bedrohlich wirkenden Bewegungen in der Luft könnten Russland und Belarus auch die Unterstützung für die Ukraine untergraben. Etwa, wenn der Ruf laut werde, Luftabwehrsysteme im eigenen Land zu behalten. Gerade das Baltikum hat einen Mangel an entsprechendem Gerät, wie eine Expertin unserer Redaktion sagte.

Litauen kontert Lukaschenko: „Ein zweischneidiges Schwert“

Vorerst scheint jedenfalls der Druck in Richtung Litauen nicht die gewünschte Wirkung zu entfalten. Die Grenzschließung betrachtet Ginzburg aber als „zweischneidiges Schwert“ für die Regierung in Vilnius. „Einerseits signalisiert die Regierung Stärke, auch gegenüber der litauischen Opposition. Andererseits ist Litauens Wirtschaft stark vom Transit aus Belarus abhängig.“ Auch Lukaschenko brauche zwar den Transit über Litauen. „Aber das Regime ist schon seit Ende der 1990er unter Sanktionen und sehr versiert im Umgang mit diesen.“ 

„Ich glaube, dass Litauen das auf lange Sicht auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht durchziehen kann und wird“, sagt Ginzburg. Ohnehin gebe es Anzeichen, dass sich in Europa ein „realpolitischer Ansatz“ im Umgang mit Lukaschenkos Regime durchsetzen wird – bislang habe Europa stark den Blickwinkel der Opposition um Swetlana Tichanowskaja eingenommen. Im Oktober habe es bereits ein Treffen europäischer Diplomaten mit Vertretern Minsks in Paris gegeben. Beim Versuch einer Deeskalation könnte es weitere solche Bemühungen geben, meint der Experte.

Er weist auch auf Parallelen zum Vorgehen Nordkoreas hin. Das Regime von Kim Jong-un hatte 2024 seinen Nachbarn Südkorea mit Flügen von mit Abfall beladenen Ballons überzogen. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das darauf hindeutet, dass die Nordkoreaner im Kopf der belarusischen Elite herumschwirren“, sagt Ginzburg. Dass Autokraten voneinander lernen, sei ein wissenschaftlich bekanntes Phänomen. Auf welchen Wegen dieses Lernen ablaufe, sei aber nach wie vor umstritten. (Quellen: Gespräch mit Boris Ginzburg, delfi.lt, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kristina Kormilitsyna

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