Besuch bei Trump

Machtkampf im Weißen Haus: Saudi-Arabien zwischen „Imagepflege und strategischem Networking“

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Saudi-Arabiens Kronprinz besucht Trump in den USA. Mohammed bin Salman unternimmt seine erste US-Reise seit 2018 – mit einer ausgedehnten politischen Agenda. Eine Analyse.

Riad/Washington – Am 18. November erhält Mohammed bin Salman im Weißen Haus eine Empfangszeremonie — begleitet von deutlichen Mahnungen internationaler Menschenrechtsgruppen, der Besuch dürfe nicht zur politischen Schönfärberei werden. Zwar handelt es sich offiziell nicht um einen Staatsbesuch, doch US-Präsident Donald Trump gewährt dem saudischen Kronprinzen nahezu dieselbe protokollarische Aufmerksamkeit wie anderen Staats- und Regierungschefs. Zwischen beiden Männern scheint dabei mehr zu wirken als diplomatische Routine: Trumps erste große Auslandsreise führte ihn damals nach Saudi-Arabien; in Riad erklärte er: „Ich glaube wirklich, dass wir uns sehr mögen.“

Donald Trump (links) und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman im Mai 2025. Beide Männer treffen am 18. November erneut aufeinander. (Archivbild)

Auch der saudische Kronprinz fand für Trump überschwängliche Worte, nannte ihn einen „unglaublichen Mann“ und seinen Freund. Offiziell firmiert der Besuch als Arbeitstermin, doch die saudische Agenda verleiht ihm politisches Gewicht: Vorgesehen sind mehrere formale Unterzeichnungen von Wirtschafts- und Verteidigungsabkommen. Analysten des CSIS werten dies als symbolische Rückkehr zu einer engeren sicherheitspolitischen Abstimmung beider Länder. Was wie diplomatische Routine wirkt, besitzt das Potenzial, weit über Washington hinaus geopolitische Signale zu senden.

Kronprinz aus Saudi-Arabien besucht Trump: Treffen mit geplanten Abkommen

Saudi-Arabien will am 19. November, parallel zum Besuch des Kronprinzen, laut Reuters einen US-saudischen Investitionsgipfel in Washington ausrichten. Im Kern drängt das Königreich auf ein Verteidigungsabkommen, welches das im vergangenen Jahr mit Katar geschlossene Abkommen übertreffen und sicherheitspolitisch auf die Anforderungen der Gegenwart zugeschnitten sein soll. Nach Einschätzung von Middle East Eye könnte Trump dafür bereit sein, „die Kronjuwelen seines Landes“ in die Verhandlungen einzubringen – etwa Nuklear- und KI-Technologie. Auch das Washington Institute verweist auf das zivile Nuklearprogramm.

Die Ausgangslage für Saudi-Arabien ist günstig: Trump hat in den vergangenen Monaten mehrfach demonstriert, wie sehr er den Kronprinzen schätzt. Doch der Besuch wird vom Schatten Khashoggis begleitet: Es ist die erste US-Reise seit dem Mord am Washington-Post-Kolumnisten 2018, für den US-Geheimdienste den Kronprinzen mitverantwortlich machen.

Donald Trumps berüchtigte Handschlag-Strategie

Handschlag auf Augenhöhe – und es wird ordentlich gequetscht: US-Präsident Donald Trump begrüßt Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Weißen Haus.
US-Präsident Donald Trump begrüßt Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Weißen Haus.  © SAUL LOEB / AFP
Donald Trumps Handschlag
Berühmt, berüchtigt und bekannt: Donald Trumps Handschlag ist eines der Markenzeichen des US-Präsidenten und vereint Machtspiel und Macho-Pose. Zu spüren bekamen das schon zahlreiche Politikerinnen und Politiker auf der ganzen Welt – hier Russlands Präsident Wladimir Putin im Juli 2017 in Hamburg. © imago
Auf dem G20-Gipfel in Hamburg traf er zum Handschlag-Foto mit Putin zusammen.
Donald Trump war noch frisch im Amt und genoss die mediale Aufmerksamkeit, die ihm durch seinen überraschenden Sieg bei der US-Wahl zukam. Auf dem G20-Gipfel in Hamburg traf er zum Handschlag-Foto mit Putin zusammen. © imago
Trump, hier als junger Mann mit Ex-Präsident Ronald Reagan
Mehrere Biografen Donald Trumps beschreiben, dass ihm sein Handschlag schon immer wichtig gewesen sei. Trump, hier als junger Mann mit Ex-Präsident Ronald Reagan, soll der Meinung sein, dass ein Handschlag darüber entscheidet, wer im anschließenden Gespräch Dominanz ausstrahlt und wer nicht. © IMAGO
Donald Trumps Handschläge, hier in der Praxis mit „Miss America 2025“ Abbie Stockard
Donald Trumps Handschläge, hier in der Praxis mit „Miss America 2025“ Abbie Stockard, beschäftigen die politische Medienlandschaft seit seinem Eintritt in die politische Arena. Die Washington Post beschrieb den Präsidenten als jemand, der „unbeholfene, intensive und manchmal geradezu seltsame Händedrücke“ gebe. © imago
James Comey. Der ehemalige Direktor des FBI
imago418416130.jpg © imago
Japans ehemaliger Premierminister geriet ebenfalls in die Handschlagfalle Donald Trumps
Japans ehemaliger Premierminister geriet ebenfalls in die Handschlagfalle Donald Trumps. Bei ihrem Treffen im Oval Office im Weißen Haus packte der US-Präsident zu - und ließ nicht mehr los. Ganze 19 Sekunden soll der Handschlag zwischen Trump und Abe gedauert haben. Japans Premierminister war von Trumps Händedruck sichtlich überrascht und reagierte mit nervösem Lächeln und ungläubigem Augenrollen. © imago
Donald Trump es offenbar auch bei Neil Gorsuch
Wie schon bei Comey versuchte Donald Trump es offenbar auch bei Neil Gorsuch, den Trump während seiner ersten Amtszeit zum Obersten Richter am Supreme Court ernannte. Beim Handedrücken zog Trump den Arm Gosuchs zu sich und brachte den obersten Richter sichtbar aus dem Gleichgewicht. © imago
Donald Trump und Emmanuel Macron
Den Höhepunkt des Händeschüttelns erlebte die Welt mit Donald Trump und Emmanuel Macron. Mehrfach während ihres Treffen schüttelten der amerikanische und der französische Präsident die Hände - fast immer in absonderlicher Art.  © IMAGO/Ron Sachs
Aufeinandertreffen mit Macron
Bei den Aufeinandertreffen mit Macron, wie hier beim G7-Gipfel in Kanada, wurde besonders deutlich, dass der Handschlag für Donald Trump vor allem ein Machtspiel ist. Frankreichs Präsident aber schien darauf vorbereitet und reagierte ebenfalls mit Angriff statt Verteidigung. Auf den Bildern war zu sehen, wie er Trumps Hand mit aller Kraft drückte, bis sogar seine Knöchel weiß wurden. Trump versuchte erfolglos, Macrons Arm zu verdrehen. © Evan Vucci/afp
Emmanuel Macron und Donald Trump
Emmanuel Macron beschrieb seine Reaktion auf Donald Trumps Handschlag-Taktik im Nachgang. „Mein Händedruck mit ihm war nicht unschuldig“, so Frankreichs Präsident. Man müsse Trump „zeigen, dass wir keine kleinen Zugeständnisse machen werden, auch nicht symbolische.“ Das galt für Macron offensichtlich selbst bei dem Austausch von Begrüßungsfloskeln. © Michael Kappeler/dpa
Emmanuel Macron und Donald Trump
Über die Jahre entwickelten die Alpha-Männer Emmanuel Macron und Donald Trump dann doch noch einen zivilisierten Händedruck. Den präsentierten sie der Weltöffentlichkeit in Rom, als beide Staatschefs zur Beerdigung von Papst Franziskus zu Gast waren. „Er ist ein toller Kerl - klug, stark und hält gerne meine Hand“, beschrieb Trump Macron, der „ein sehr guter Mensch“ und ein „sehr harter Kerl“. © imago
G7-Gipfel in Kanada
Ähnlich wie bei Emmanuel Macron wurde auch der Handschlag zwischen Donald Trump Marc Trudeau zum Politikum. Kanadas Premierminister wollte wie schon Frankreichs Präsident nicht klein beigeben. Es entwickelte sich ein kurzes Handgemenge, dass Trudeau aber mit einem Lächeln quittierte. © Evan Vucci/dpa
UFC-Kommentator Joe Rogan
UFC-Kommentator Joe Rogan beschrieb in seinem Podcast „The Joe Rogan Experience“, wie er sich auf das Händeschütteln mit Donald Trump vorbereitet hätte. Der Kampfsport-Experte sagte, er habe damit gerechnet, dass ihn der US-Präsident durch einen Ruck aus dem Gleichgewicht habe bringen wollen. „Ich habe mich breiter gestellt, um eine feste Basis zu haben“, so Rogan. Der US-Präsident sei deshalb trotz mehrfacher Versuche mit seinem Trick an ihm gescheitert. © imago
Donald Trump verfügt noch über weitere Techniken, um die Begrüßungssituation
Doch Donald Trump verfügt noch über weitere Techniken, um die Begrüßungssituation für seinen Gegenüber maximal unangenehm zu gestalten. Eine davon präsentierte er 2018 in Brüssel beim Handschlag mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Als die beiden beim Nato-Gipfel aufeinandertrafen, packte Trump zu und lehnte sich mit seinem Oberkörper nach vorne. Stoltenberg reagierte mit diesem Eindringen in seinen persönlichen Raum mit dezentem Rückzug. © imago
Bundeskanzlerin Angela Merkel r CDU trifft US Praesident Donald Trump im Rahmen des G20 Gipfels
Beim Handschlag mit Altkanzlerin Angela Merkel hielt sich Donald Trump vornehm zurück. Die Bundeskanzlerin bekam beim G20-Gipfel einen eher unterkühlten Händedruck vom US-Präsidenten. © Inga Kjer/dpa
UN Generalversammlung in New York
Ganz gesittet gestaltete sich 2017 in Donald Trumps Heimatstadt New York das Händeschütteln. Bei der UN-Generalversammlung traf Trump auf António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen. © Shealah Craighead/dpa
Sprecherin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus musste der Rede zur Lage der Nation lauschen, die Trump im Kongress hielt
Nancy Pelosi beschloss, bei ihrem Handschlag mit Donald Trump den Spieß umzudrehen. Die damalige Sprecherin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus musste der Rede zur Lage der Nation lauschen, die Trump im Kongress hielt. Pelosi streckte ihm im Anschluss die Hand mit soviel Ablehnung entgegen, wie ein Blick und eine Geste nur ausstrahlen können. © imago
Elon Musk bei seiner Verabschiedung aus den Regierungsdiensten im Oval Office
Wer die Gunst Donald Trumps genießt, der bekommt beizeiten einen ganz speziellen Händedruck vom US-Präsidenten. Trump legt dann liebevoll seine linke Hand auf die rechte seines Gegenübers und tätschelt diese. In den Genuss dieser Geste kam Elon Musk bei seiner Verabschiedung aus den Regierungsdiensten im Oval Office. © imago
Modi bei seinem Besuch Donald Trumps im Weißen Haus.
Den doppelten Händedruck für besonders gute Freunde bekam auch Indiens Premierminister Modi bei seinem Besuch Donald Trumps im Weißen Haus. © imago
Besuch Bolsonaros in Mar-a-Lago
Zu den guten Freunden Donald Trumps gehörte auch Brasiliens ehemaliger Präsident, Jair Bolsonaro. Der hatte sich im Wahlkampf mit seinem Rechtspopulismus und Skandalen den Spitznamen „Tropen-Trump“ erarbeitet. Der US-Präsident quittierte das im März 2020 bei einem Besuch Bolsonaros in Mar-a-Lago mit dem doppelten Händedruck. © imago
Als guter Freund Donald Trumps gilt schon lange Rudy Giuliani
Als guter Freund Donald Trumps gilt schon lange Rudy Giuliani. Bei einem Treffen mit Trump im Jahr 2016 schien der ehemalige Bürgermeister New Yorks auch auf den besonderen Handschlag mit dem damaligen Kandidaten der Republikaner für das Präsidentenamt zu hoffen. Trump gönnte seinem Ex-Anwalt diese Ehre aber offenbar nicht. © imago
Vizepräsident JD Vance bekam beim Handschlag von Donald Trump
Sein Vizepräsident JD Vance bekam beim Handschlag von Donald Trump ein Augenzwinkern oben drauf. © imago
US-Präsident Trump im Nahen Osten - Katar
Bei seinem Staatsbesuch in Katar bemühte Donald Trump sich offensichtlich um Zurückhaltung. Das galt auch für seinen Händedruck, den hier der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, während eines Staatsdinners im Lusail-Palast entgegen nahm. © Alex Brandon/dpa
Keir Starmer und Donald Trump
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer reiste vor kurzem zum Antrittsbesuch nach Washington DC. Im Weißen Haus traf er auf Donald Trump. Der Handschlag blieb folgenlos und unspektakulär. © Carl Court/dpa
Cyril Ramaphosa und Donald Trump
Auf den absonderlichen Handschlag zwischen Cyril Ramaphosa und Donald Trump im Weißen Haus folgte der Eklat im Oval Office. Trump beschuldigte den südafrikanischen Präsidenten, in seinem Land einen Völkermord an weißen Landbesitzern geschehen zu lassen. Um seine Behauptungen zu untermauern, konfrontierte der US-Präsidenten seinen Amtskollegen sogar mit gefälschten Videomaterial. © imago

Human Rights Watch machte den jetzigen saudischen Besuch in den USA zum Anlass, erneut auf Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien hinzuweisen. In einem Schreiben forderte die Organisation die Trump-Regierung auf, ihren Einfluss geltend zu machen und Riad zu verbindlichen Zusagen bei Menschenrechten und Pressefreiheit zu bewegen.

„Imagepflege und strategischem Networking“: Mohammed bin Salman verfolgt Ziel mit Trump-Besuch

Doch warum setzt Riad gerade jetzt auf einen Besuch bei Trump? „Saudi-Arabien betrachtet seine Außenpolitik als Kombination aus Imagepflege und strategischem Networking“, erklärte der Nahost-Experte Sebastian Sons (Carpo Bonn) gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. In einer Phase, in der sich das Königreich als technologischer Vorreiter, als Investitionsmagnet, Touristenziel und als globales Zentrum für Entertainment und Sport inszeniert, erfüllten solche Besuche eine klare Funktion: „Sie treiben die Markenbildung Saudi-Arabiens voran und stärken die Reputation des Kronprinzen als Modernisierungsmanager und Architekt des Wandels.“

Der saudische Ansatz folgt einem orchestrierten Zusammenspiel unterschiedlicher Politikfelder – und trifft auf einen günstigen Moment. Der Kronprinz kehre, heißt es bei Global Affairs, „zu einem Zeitpunkt in die traditionell guten Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien zurück, inmitten eines geopolitisch neu gestalteten Nahen Ostens, der sich zugunsten Riads verschoben hat“. Zugleich aber steckt das Königreich, so analysiert Chatham House, in einem heiklen Balanceakt: Es verfolgt eine ambitionierte innenpolitische Reformagenda im Rahmen von Vision 2030 – und muss sie mit den realpolitischen Zwängen einer unruhigen Region in Einklang bringen.

Kein „Erfüllungsgehilfe Washingtons“: Dennoch sucht Saudi-Arabien Nähe zu Trump-Regierung

Doch warum sucht Riad ausgerechnet jetzt die Annäherung an Washington – trotz der Zerwürfnisse der vergangenen Jahre? Die Antwort liegt, wie Sons erläutert, in der strategischen Grundkonstellation. „Insbesondere die Nähe zur Trump-Regierung soll zu engeren Geschäftsbeziehungen, zu lukrativen Deals und Sicherheitsgarantien führen. Saudi-Arabien weiß aber auch, dass die Verlässlichkeit in Trump gelitten hat, und will deswegen als selbstbewusste Kraft und nicht als Erfüllungsgehilfe Washingtons gesehen werden.“

Nach Einschätzung des Arab Gulf States Institute (AGSI) will Kronprinz Mohammed bin Salman seinen Besuch bei Trump für vier Kernanliegen nutzen. Erstens geht es um die Umsetzung der angekündigten Investitionen von 600 Milliarden Dollar in den USA – mit einem Schwerpunkt auf KI-Technologie und kritischen Mineralien. Zweitens drängt Riad auf verbindlichere US-Sicherheitsgarantien. Drittens dürfte Trump eine mögliche Normalisierung mit Israel im Rahmen der Abraham-Abkommen ansprechen; Saudi-Arabien knüpft diese jedoch explizit an glaubhafte israelische Schritte in Richtung einer palästinensischen Eigenstaatlichkeit.

Viertens sollen die seit Jahren stockenden Verhandlungen über ein ziviles Nuklearprogramm vorangebracht werden. Das AGSI schlussfolgert jedoch, dass Riads Handlungsspielraum begrenzt ist – nicht zuletzt angesichts eines wachsenden Haushaltsdefizits und der regionalen Sicherheitslage.

„Vermittler und Brückenbauer“: Saudi-Arabien will bei Trump-Besuch eigene Rolle demonstrieren

„Grundsätzlich wird die saudische Außenpolitik als Symbol des gewachsenen Selbstbewusstseins geschätzt und befürwortet“, erklärte Sons den gesellschaftlichen Rückhalt für die Reise des Kronprinzen. Im Land werde die zunehmende Polarisierung der Welt als Chance verstanden, „sich selbst als Vermittler, Brückenbauer und Netzwerker zu positionieren“. Dies würde sich in den Bemühungen des Königreichs widerspiegeln, im Gaza- oder Ukraine-Krieg eine Diplomatie der Deeskalation und des Dialogs umzusetzen. „Die saudische Bevölkerung sieht sich mit vielen regionalen Krisen konfrontiert und ist daher davon überzeugt, dass die ausgleichende Außenpolitik zum einen die nationale Sicherheit schützt und zum anderen dem wirtschaftlichen Aufschwung dient.“

Die Rahmenbedingungen für den Besuch erscheinen solide, doch der Kronprinz steht unter deutlichem Erfolgsdruck. Bleiben die wirtschaftlichen Erwartungen unerfüllt, könnten innenpolitische Spannungen folgen. Zwar gilt die saudische Außenpolitik als „integraler Bestandteil der eigenen Wirtschafts- und Entwicklungspolitik“, doch ein Rückschlag würde die Sinnhaftigkeit dieses Kurses infrage stellen.

Mögliches Ergebnis von Kronprinz-Besuch bei Trump – Vorteile für Saudi-Arabien?

Vieles an diesem Besuch ist sorgfältig arrangiert, doch der Ausgang bleibt offen. Drei Szenarien scheinen möglich – jedes mit eigenen Risiken für Washington und Riad. Möglich ist, dass Kronprinz und Trump substanzielle Fortschritte erzielen. Für Saudi-Arabien wäre das ein doppelter Gewinn: innenpolitisch ein Signal der Stärke, außenpolitisch eine Festigung der Rolle als unverzichtbarer Partner. Für die US-Regierung birgt dies hingegen ein nicht zu unterschätzendes Risiko: Es könnte den Eindruck verstärken, Washington ignoriere Menschenrechtsfragen zugunsten ökonomischer Interessen.

Ein alternatives Szenario sähe vor allem symbolische Verständigung vor: Beide Seiten betonen Nähe, Gelassenheit und „gemeinsame Interessen“, ohne substanzielle Verträge zu schließen. Für Mohammed bin Salman wäre dies kein herber Rückschlag. Vielmehr würde der US-Besuch so als Beleg seiner internationalen Anerkennung und für die Fortsetzung seiner Markenbildungs-Politik stehen. Hinter verschlossenen Türen könnte für ihn in Riad allerdings die Enttäuschung der Eliten zur Herausforderung werden.

Im dritten Szenario würde Trump auf die diplomatische Bremse treten und dem Druck von Menschenrechtsorganisationen nachgeben. Für Riad droht dann ein Imageschaden, Washington stünde vor einem politischen Dilemma. Ein abgebrochener Deal oder offener Konflikt hätte Signalwirkung weit über die bilateralen Beziehungen hinaus, insbesondere in Richtung China, Iran und der arabischen Nachbarschaft.

MBS trifft Trump: Ergebnis von Saudi-Arabiens Besuch in den USA offen

Nach Einschätzung des Washington Institute ist das wahrscheinlichste Szenario, dass beide Seiten einander weitreichende Zusagen machen werden. Saudi-Arabien verspricht massive Investitionen in den USA und will Riad im Gegenzug die modernsten Kampfflugzeuge des US-Arsenals. Trump bereitet sich zudem vor, den Kronprinzen mit einer Reihe von Vorteilen zu überhäufen.

Wie das Treffen der beiden Akteure am Ende verlaufen wird, könnte letztendlich von der Entschlossenheit beider Männer abhängen. Der Washington-Besuch wird zeigen müssen, ob es Riad gelingt, Kapital, Sicherheit und Reputation zugleich zu sichern – oder ob die Rechnung des Kronprinzen an politischen und moralischen Schulden scheitert. (Quellen: Reuters, Chatham House, The Chicago Council on Global Affairs, Middle East Eye, Center for Strategic & International Studies (CSIS), Arab Gulf States Institute (AGSI), The Washington Institute for Near East Policy, eigene Recherche) (fbu)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Saudi Press Agency/apaimages

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