Nato-Bodentruppen in der Ukraine? Weiteres Mitgliedsland zeigt sich offen
VonLukas Rogalla
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Die Diskussion um Bodentruppen in der Ukraine geht weiter. Auch Tschechiens Präsident meldet sich zu Wort – kämpfen sollten die Soldaten nicht.
Prag – Mit seinen Überlegungen, Bodentruppen in die Ukraine zu entsenden, hat Emmanuel Macron für mächtig Wirbel und Diskussionen in der Nato gesorgt. Die meisten Mitgliedsstaaten hatten deutliche Skepsis und teils harsche Kritik geäußert.
Frankreichs Präsident will nach wie vor nichts ausschließen und verteidigt sich: „Jedes Wort, das ich zu diesem Thema sage, ist abgewogen, durchdacht und besonnen“, hatte Macron kürzlich im Bodentruppen-Streit gesagt. Bei einem Besuch in Tschechien am Dienstag (5. März) legte er nach und sagte, dass europäische Verbündete der Ukraine „keine Feiglinge“ sein dürften. Nun scheint auch Tschechiens Präsident der Idee nicht abgeneigt zu sein.
Bodentruppen in der Ukraine zu Ausbildungszwecken denkbar
Tschechischen Medienberichten zufolge schließt auch Petr Pavel nicht aus, westliche Truppen in die Ukraine zu schicken – allerdings nicht zum Kampf gegen Russland, sondern eher zu Ausbildungszwecken.
Der Präsident sprach sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Macron für weitere Diskussionen über das Thema aus. Er forderte die Bündnispartner auf, „uns nicht dort einzuschränken, wo wir es nicht müssen“, zitiert ihn die Nachrichtenseite Novinky. „Obwohl die Ukraine angegriffen wurde, ist sie immer noch ein souveränes Land“, sagte Pavel und fügte hinzu, dass eine solche Ausbildungsmission keine internationalen Regeln verletzen würde. Es mache keinen Unterschied, ob ukrainische Soldaten bei westlichen Verbündeten im Ausland oder in der Ukraine selbst ausgebildet werden. „Es liegt an uns, welche Form der Unterstützung wir wählen“, sagte Pavel weiter. Europa müsse insgesamt bei der Abschreckung eine größere Rolle spielen.
Nato-Truppen in die Ukraine senden? Putin droht bereits
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, Bundeskanzler Olaf Scholz und die Regierungschefs weiterer Staaten hatten bereits ausgeschlossen, westliche Truppen in die Ukraine zu entsenden. Estlands Premierministerin hatte sich ähnlich wie Pavel geäußert. Die europäischen Verbündeten sollten die Option der Bodentruppen nicht im Vorhinein ausschließen, sagte Kaja Kallas. Es könnte auch ein „Signal an Russland“ sein.
Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses
Bei seiner Rede zur Lage der Nation kündigte Wladimir Putin „tragische Konsequenzen“ an, wenn die Nato Truppen in die Ukraine schickt. Der Westen, so Russlands Präsident, riskiere mit der Unterstützung Kiews einen großen Atomkrieg. Auf der Pressekonferenz mit Pavel mahnte Macron dazu, nicht über mögliche Reaktionen Russlands zu spekulieren. Stattdessen rief er zu europäischer Entschlossenheit im Ukraine-Krieg auf. (lrg)