VonSandra Katheschließen
Viele westliche Staaten unterstützen die Ukraine mit Waffen und Munition. Nun gibt es auch Vorstöße, dem Land personell zu helfen – der Kreml reagiert.
Moskau/Paris – Frankreichs Präsident Emmanuel Macron denkt laut über Nato-Bodentruppen in der Ukraine nach, – Russland greift die Äußerungen dankbar auf: Der Kreml wirft Frankreich nun vor, eine Allianz von Staaten zu bilden, um diesen Plan in die Tat umzusetzen. Das berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass in der Nacht zum Sonntag (10. März). Dabei berief sich die Agentur auf einen Bericht der US-Zeitung Politico. Zuvor hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow Macron vorgeworfen, die „Verwicklung“ Frankreichs in den Ukraine-Krieg vertiefen zu wollen.
Anlass der neuen Vorwürfe gegen Frankreich war ein Treffen des französischen Außenministers Stéphane Séjourné mit seinen litauischen und ukrainischen Amtskollegen, um die weitere Unterstützung der Ukraine zu besprechen. Dabei hatte Séjourné betont, dass die Ukraine ihre westlichen Partner nicht um das Entsenden von Truppen, sondern lediglich um Waffenlieferungen gebeten habe. Dennoch sprach der Franzose erneut davon, dass auch Soldaten westlicher Partner eine Unterstützung für die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten sein könnten – etwa im Bereich von Minenräumungsaufgaben.
Nato-Diplomaten verhandeln über Unterstützung der Ukraine
Auch Politico hatte auf dieser Basis berichtet, dass Frankreich „eine Allianz an Staaten“ aufbaue, die offen seien, westliche Truppen in die Ukraine zu entsenden und damit riskiere, den „Konflikt“ mit vorsichtigeren Staaten wie Deutschland weiter zu vertiefen. Die Tass-Meldung erinnert daran, dass sich neben Deutschland zunächst auch Polen und die Tschechische Republik gegen einen Einsatz in der Ukraine ausgesprochen hatten. Die baltischen Staaten seien dagegen „offener“ für Macrons Vorstoß, schrieb Politico.
Polens Außenminister Radoslaw Sikorski hat die erste Reaktion seines Regierungschefs Donald Tusk inzwischen relativiert und in einer Nachricht auf dem Kurznachrichtendienst X betont, dass eine Präsenz von Nato-Truppen in der Ukraine „nicht undenkbar“ sei. Mit dem Plan, die Ukraine mit Bodentruppen zu unterstützen, verbunden sei auch ein wichtiges Signal an Russland, dass der Westen sich nicht einschüchtern lasse.
Vorwürfe im Ukraine-Krieg: Frankreich will Stärke zeigen, Russland sieht Aggression
Der Kreml hat dagegen wiederholt betont, dass er die Vorstöße Macrons als aggressives Verhalten gegenüber Russland wahrnehme. So betonte etwa Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow in einem Telegram-Video, dass Macron überzeugt von einer Politik sei, die „die darin besteht, unserem Land eine strategische Niederlage zufügen zu wollen“.
Macron indes hatte sich bemüht klarzustellen, dass er jegliche „Eskalation“ mit Moskau ablehne. Er rief die Verbündeten der Ukraine gleichzeitig dazu auf, nicht „feige“ gegenüber Russland zu sein. Bei einem Gespräch mit französischen Parteichefs hatte er betont, die französische Unterstützung für die Ukraine sei „grenzenlos“ und es gebe „keine rote Linie“.
Darauf erwiderte der seit Jahren für seine scharfe anti-westliche Rhetorik bekannte Vizechef von Russlands nationalem Sicherheitsrat, Dmitri Medwedew, dass es nun auch für Russland „keine roten Linien mehr mit Blick auf Frankreich“ gebe. Medwedew ergänzte diese Aussage auf dem Kurznachrichtendienst X mit dem lateinischen Zitat „In hostem omnia licita“. Übersetzung: „Gegen den Feind ist alles erlaubt“. (saka mit AFP/dpa)
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