Corona-Debatte: Die selbstbewussten Männer sind wieder da!
VonMoritz Post
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Bei „Maybrit Illner“ wird über die Corona-Pandemie diskutiert. Die selbstbewussten Männer dominieren wieder die Debatte. Die FR-Kolumne.
Hamburg – Ja ist denn schon wieder 2020? In Deutschland wird über die Corona-Pandemie, ihre Folgen, den Umgang mit ihr und die Aufarbeitung danach diskutiert. Beinahe in Vergessenheit geratene Gesichter tauchen wieder im Fernsehen auf: Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Jens Spahn, der zuletzt eigentlich nur mit dem millionenschweren Verkauf einer Villa Schlagzeilen machte, flimmert über die Mattscheibe, wie er sich im Bundestag angesichts des Ankaufs viel zu teurer Schutzmasken zu rechtfertigen.
Und im ZDFsitzen bei „Maybrit Illner“ auf einmal wieder der Virologe Christian Drosten und der Schauspieler Jan Josef Liefers. Der eine ist der lockige Posterboy der Virologie, dessen Gesicht während der Pandemie popstarhaft auf T-Shirts und Poster gedruckt wurde und dessen sanfte Stimme im Podcast „Coronavirus-Update“ die Republik über unzählige Wochen entweder sanft in den Schlaf hinübergeleitet oder aufgrund des darin verpackten Inhalts um den Schlaf gebracht hat. Der andere ist ein Schauspieler, von dem man sich gewünscht hätte, dass er sich weiterhin viermal pro Jahr durch den Münsteraner „Tatort“ kalauert und es dabei bewenden lässt.
Von Besserwissern und Angstmacherei: Vorwürfe nach der Corona-Pandemie
Aber ganz offensichtlich: „Nature is healing!“. Und so darf sich Liefers bei „Maybrit Illner“ zur besten Sendezeit des ZDFs zu Wort melden und von einer „Angstmache“ der damals handelnden Bundesregierung sprechen. Damit das ganze seriös klingt, hat Liefers vor der Sendung auch ein Fremdwort nachgeschlagen und sagt, dass ihm die Instrumentalisierung von Angst „von Anfang an contre-cœur“ ging.
Doof nur, dass Liefers diese Argumentation an einer von ihm als „Angstpapier“ betitelten Strategiemöglichkeit aufhängt, die aber – wie der in der Talkshow ebenfalls anwesende Journalist Georg Mascolo unmittelbar korrigiert – niemals zur Maxime des politischen Handelns erhoben wurde.
Menschen dieses Typus‘, zu denen auch der Schauspieler Liefers gehört, ist das aber egal. Er hat es vorher gewusst. Das will der Schauspieler im ZDF-Talk sagen. Darf er natürlich auch. Es nervt aber trotzdem gewaltig, dass Personen dieser – wir nutzen hier nun auch einmal ohne Not ein Fremdwort – Couleur nun wieder in Talkshows eingeladen werden und ihr beinahe beneidenswert großes Selbstvertrauen zur Schau stellen dürfen.
Vor Corona ist nach Corona: Alles wieder beim Alten – die selbstbewussten Männer bleiben
Waren diese Menschen jemals weg? Natürlich nicht. Es war während der Corona-Pandemie aber angenehm, dass tatsächlich versucht wurde, an stichhaltigen Argumenten entlang ein Gespräch zu führen, und nicht ständig irgendwelche Männer, die nichts außer einer lautstarken Meinung und einer diffusen Angst haben, in den Medien herumgeisterten. Rückblickend ist es beinahe ein ironisch, dass zur Pandemiezeiten die Initiative „#allesdichtmachen“ gegründet wurde, zu deren prominenten Gesichtern eben jener Liefers gehörte.
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Vielleicht erinnern sich manche noch: Eine Gruppe von Künstler:innen, die mit der Initiative auf selbst identifizierte „Missstände“ in der Corona-Politik und der dazugehörigen Medienberichterstattung aufmerksam machen wollten. Initiiert vom Regisseur Dietrich Brüggemann, der sagte, dass die Regierung „den Polizeistaat von der Leine lassen“, um der ARD„Stoff für opulente Mehrteiler“ zu liefern. Offensichtlich scheint auch Brüggemann einer zu sein, der mit einem großen Selbstbewusstsein gesegnet ist, wenn man solche nach Deep-State-Verschwörung klingenden Statements von sich gibt.
Und dieser Brüggemann arbeitet natürlich weiterhin für die ARD als „Tatort“-Regisseur, wozu er dann gerne auch einmal Personen wie den Keyboarder der Rockband „Rammstein“ als Gastschauspieler einlädt. Auch so eine Gruppe von Männern mit einem sehr großen Selbstvertrauen … Aber das führt nun wirklich zu weit. Es bleibt festzuhalten: Offensichtlich wieder alles wie damals. Die selbstbewussten Männer. Wie vor der Pandemie im Jahr 2020.