„Man testet uns“: Marine meldet Sabotage an deutschen Kriegsschiffen – Vizeadmiral warnt vor Putin-Plan
VonSteffen Maas
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Saboteure attackieren deutsche Kriegsschiffe. Die Bedrohung durch Russland wächst, schätzt der Marine-Chef ein. Experten warnen vor zukünftigen Angriffen auf die Nato.
Berlin – Die Deutsche Marine steht unter Druck: Saboteure haben in mehreren Fällen gezielte Schäden an Kriegsschiffen angerichtet oder geplant. Es gebe „auf mehr als einer Einheit Zerstörung, also Sabotage“, sagte der Inspekteur der Marine, Jan Christian Kaack, bei den „Navy Talks“ in Berlin. Der Vizeadmiral warnte bei dieser Gelegenheit auch vor einer möglichen Eskalation Russlands gegenüber der Nato – und nannte neben der Sabotage an Schiffen auch Vorfälle in Stützpunkten. Besonders brisant: Die Sabotageakte könnten Vorboten eines direkten Angriffs sein.
Sabotage an deutschen Kriegsschiffen: Marine-Vizeadmiral warnt vor Russland-Eskalation – „Man testet uns“
„Die wachsende Bedrohung durch Russland ist Anfang 2025 dringlicher als noch vor zwei Jahren. Experten und Geheimdienste sind sich einig, dass Russland ab ‘29 in der Lage sein wird, einen Konflikt mit der Nato zu suchen“, sagte Kaack. Neben Sabotageversuchen an Marine-Schiffen gebe es auch an Land Fälle von Eindringen in Marine-Stützpunkte und „Anbahnungsversuche“ bei Soldaten in Uniform auf dem Weg nach Hause. Laut Vizeadmiral Kaack dienen die Angriffe gleich mehreren Zwecken: „Unsere Bewertung: Man testet uns. Man versucht, unsere Gesellschaft zu verunsichern, gesamtstaatlich und im Bündnis. Und man schafft womöglich die Grundlage für spätere aktive militärische Aktivitäten“, sagte der Vizeadmiral.
Ein alarmierender Fall der Sabotage betrifft die Korvette „Emden“. Nach Berichten von WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung wurden bei einer Kontrolle mehrere Kilogramm Metallspäne im Antrieb des Schiffes gefunden. Diese hätten unentdeckt zu erheblichen Schäden führen können. Der Vorfall wurde jedoch von Kaack nicht direkt bestätigt, da das Schiff noch nicht an die Marine ausgeliefert wurde. Auch die Hamburger Werft, die das Schiff gebaut hatte, äußerte sich nicht zu den Vorfällen.
„Wir haben keine Zeit zu verlieren“: Marine intensiviert Plan zu Schutzmaßnahmen zu See
In Reaktion auf die Sabotageakte hat die Marine in den Werften entsprechende Maßnahmen getroffen – Details dazu wurden nicht genannt. Zudem haben die Seestreitkräfte der Bundeswehr ihre generelle Bereitschaft erhöht. Dazu gehören verstärkte Minenabwehrkräfte und eine strategische Erweiterung der bestehenden Planungen unter dem Titel „Kurs Marine 2035+“. Kaack betonte: „Wir haben keine Zeit zu verlieren. Es kommt viel auf uns zu.“ Die Marine stellt zudem Sicherungskompanien auf und erhöhte die Wassertiefe für Taucher, um kritische Unterwasser-Infrastruktur besser zu schützen.
Gefahr durch Russland – Bundeswehr will sich mit „Kurs Marine 2035+“ rüsten
Für Abschreckung in Nord- und Ostsee, vor allem unter Wasser, setzt die Marine gezielt auf Drohnen und Künstliche Intelligenz und verstärkt die Fähigkeit der U-Boot-Jagd. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, will in der nächsten Dekade deshalb auf unbemannte Systeme setzen, wie er in seinem im März veröffentlichten Konzept „Kurs Marine 2035+“ (ehemals Zielbild Marine 2035+) schreibt.
Russland im Ukraine-Krieg – doch Putin schielt auf die Ostsee und die Nato-Nordflanke
Russlands Präsident Wladimir Putin führt laut Ansicht von Experten einen hybriden Krieg in Europa: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) warnte dazu unlängst, dass Deutschland dabei „besonders im Fokus“ stehe. Ein Teil dieser Bedrohung ist Putins sogenannte „Schattenflotte“ in der Ostsee, die für Angriffe auf Infrastruktur verantwortlich gemacht wird – zuletzt von finnischen Behörden. Das Bundesverteidigungsministerium definiert hybride Kriegsführung als „Kombination aus klassischen Militäreinsätzen, wirtschaftlichem Druck, Computerangriffen bis hin zu Propaganda in den Medien und sozialen Netzwerken“
Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses
Die Deutsche Marine bleibt wachsam, um diesen Herausforderungen zu begegnen und die Sicherheit in der Region zu gewährleisten. Experten und Geheimdienste sind sich einig, dass Russland ab 2029 in der Lage sein könnte, einen aktiven Konflikt mit der Nato zu suchen. Stimmen aus der Ukraine bezweifeln, dass die Nato dafür aktuell wirklich gerüstet sei: Selenskyj-Berater Mychajlo Podoljak zeigte sich zuletzt über eine „völlige psychologische Unvorbereitetheit“ der Nato-Staaten auf einen Krieg besorgt. (Mit Material der dpa)