Krieg gegen die Ukraine

Bis zu 600 Tote bei Angriff auf Theater in Mariupol: „Ein großes Massengrab“

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Nach dem russischen Luftangriff auf das Theater von Mariupol liegen die Toten noch immer unter den Trümmern begraben. Eine Recherche soll die Zahl der Todesopfer ermitteln.

Mariupol – Das Akademische Dramatheater des Oblast Donezk in Mariupol wurde im Ukraine-Krieg am 16. März 2022 bei einem russischen Luftangriff zerstört. Mehr als 1000 Zivilisten hatten in dem Theater der umkämpften ukrainischen Stadt Schutz gesucht. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem gezielten Vorhaben der russischen Armee. Sowohl die Stadtregierung als auch Außenminister Dmytro Kuleba warfen Russland ein Kriegsverbrechen vor.

Zunächst gingen die örtlichen Behörden von etwa 300 getöteten Personen aus. Nun wird die Zahl der Opfer wohl deutlich nach oben korrigiert.

Mariupol: Russischer Luftangriff auf Theater tötete bis zu 600 Menschen

Bei dem russischen Luftangriff auf das Theater in Mariupol sollen bis zu 600 Menschen getötet worden sein, die sich an dem Tag außerhalb und innerhalb des Theaters aufhielten – und damit deutlich mehr als zunächst vermutet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Für die Recherche haben die AP-Reporter 23 Überlebende, Rettungskräfte und mit dem Theater vertraute Personen befragt. Den Angriff habe man mithilfe von Experten nachgestellt. Dafür seien Fotos, Videos und Grundrisse des Gebäudes hinzugezogen worden.

MariupolStadt in der Ukraine
OblastDonezk
Bevölkerung446.103 (2017, Vereinte Nationen)
BürgermeisterWadym Bojtschenko (2020 gewählt)
Kostjantyn Iwaschtschenko (ab 6. April 2022 von der Volksrepublik Donezk eingesetzt)

Etwa 1000 Menschen hatten sich Augenzeugenberichten zufolge zum Zeitpunkt des russischen Angriffs im Theater aufgehalten. Unmittelbar nach der Bombardierung sollen laut weiteren Medienberichten nur 100 bis 200 Leute das Gebäude verlassen haben. Eine Überlebende berichtet, dass die Todesopfer noch immer unter den Trümmern liegen würden. Das ehemalige Theater sei nun „ein großes Massengrab“. Zunächst hätten Rettungskräfte nicht viele Körper finden können, was die anfangs geschätzte Opferzahl von 300 Toten erkläre.

Ukraine-Krieg: Mariupol fast vollständig zerstört – Russland will „Befreiung“ feiern

Laut ukrainischen Angaben sei das Wort „Kinder“ vor den Mauern des Theaters in großen Buchstaben auf russisch aufgemalt gewesen. Russland hatte kurz nach dem Angriff fälschlicherweise behauptet, dass das Theater als Militärbasis genutzt worden sei. Nach heutigem Wissensstand ist der Angriff auf das Theater in Mariupol der tödlichste seit der russischen Invasion am 24. Februar.

Seit Kriegsbeginn wurde die Hafenstadt Mariupol von der russischen Armee fast vollständig zerstört. Von ursprünglich mehr als 440.000 Einwohnern sollen heute nur noch 100.000 dort sein. Die örtlichen Behörden warnen, dass noch mehr russische Kriegsverbrechen und Gräueltaten bekannt werden könnten. Die letzten ukrainischen Kämpfer in Mariupol haben sich im Stahlwerk Asowstal verbarrikadiert. Moskau behauptet, Mariupol „befreit“ zu haben. Für den für Russland historisch bedeutenden 9. Mai sind offenbar eine Parade und „Feierlichkeiten“ geplant. (lrg)

Rubriklistenbild: © Alexei Alexandrov/dpa

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