„Zeitenwende“ in der Migrationspolitik?

Kommunalpolitiker warnt bei Lanz vor „Parallelgesellschaften“ – und sieht „Skandal“ bei Flüchtlingsgipfel

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Belit Onay, der grüne Oberbürgermeister Hannovers, und Kommunalbeamter Matthias Schimpf zu Gast bei „Markus Lanz“.

Flüchtlingsunterkünfte platzen derzeit aus allen Nähten. Kommunen sind maßlos überfordert. „Markus Lanz“ blickt auf die Folgen einer verfehlten Asylpolitik.

Hamburg – Der Flüchtlingsgipfel in Berlin hat in den Augen zahlreicher Menschen nicht die erhofften Resultate zutage gefördert. Tanja Schweiger gehört zu diesen Personen, weil sie eine Abkehr von der „Vogelstrauß-Politik“ herbeigesehnt hatte. Im Grunde genommen sei seit August des letzten Jahres klar, dass die Kommunen die Flüchtlingsströme nicht mehr in den Griff bekommen. Die Landrätin musste aus Platzmangel beispielsweise ein Schiff mieten, das 6.00 Euro an Tagesmiete verschlingt.

Kommunalpolitiker Matthias Schimpf macht aus seiner Enttäuschung über die Ergebnisse des Flüchtlingsgipfels ebenfalls keinen Hehl. Er geht sogar noch einen Schritt weiter. „Ich bin fast außer mir vor Zorn“, sagt er. Die Politik stelle lediglich mehr Geld bereit, verschließe aber die Augen vor den elementaren Problemen, die sich nicht alleine durch finanzielle Mittel lösen ließen. Die Verantwortlichen würden daher „unempathisch“ handeln.

Darüber hinaus betont Schimpf, dass die Flüchtlinge aus der Ukraine nicht die Hauptlast darstellten, wie es manchmal suggeriert wird. Es seien die Menschen aus den Drittstaaten wie Afghanistan, die das System überfordern, das zuvor bereits am Limit arbeitete.

Der Kommunalbeamte wolle das Asylrecht „nicht infrage stellen“. Es bräuchte jedoch schnellere Abschiebungen für Menschen ohne Bleiberecht, da ansonsten schlicht und einfach kein Platz mehr für die anderen Flüchtlinge vorhanden sei.

Oberbürgermeister klagt über Personalmangel in den Kitas und Schulen

Die Kommunen sind derweil nicht als einzige Verwaltungseinheit überfordert, wenn es um die Aufnahme der Flüchtlinge geht. Großstädte hätten gleichermaßen zu kämpfen, wie Belit Onay veranschaulicht.

Der Oberbürgermeister berichtet, dass seine Stadt Hannover vorwiegend als Verteilungszentrum dient. Doch selbst dafür fehle es an Kapazitäten. Er miete aus diesem Grund eine Halle für drei Millionen Euro im Monat an, um die Flüchtlinge versorgen und betreuen zu können.

Laut Onay bekäme Hannover nach dem Gipfel zusätzliche zehn Millionen Euro vom Bund. Er sei zwar froh über diese Hilfe, das Geld reiche allerdings nicht im Mindesten für die Deckung des Bedarfs. Nach der Ankunft begänne schließlich erst die Integration. Hierfür bräuchte es genügend Fachkräfte in den Kitas und Schulen und genau hier lauere das nächste Problem.

„Das Personal haben wir nicht. Das hatten wir schon vorher nicht“, macht Onay auf den Notstand in den Einrichtungen aufmerksam. Selbst die Gebäude würden nach seiner Aussage fehlen, weshalb in Hannover derzeit Container als Ersatz für Schulen herhielten. Onay hätte gerne gesehen, wie diese Tatsachen auf dem Gipfel thematisiert werden.

Zu wenig werde nach Auffassung von Tanja Schweiger zudem über die fehlenden Integrations-Anreize gesprochen. Junge Männer aus Drittstaaten benötigten zum Beispiel mehr Unterstützung bei der Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt. Der neue Job könnte etwa mit einem Platz in einem Sprachkurs locken.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

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Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
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Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

FDP-Geschäftsführer drängt bei „Markus Lanz“ auf einheitliche EU-Flüchtlingspolitik

Markus Lanz richtet sich anschließend an Johannes Vogel. Der ZDF-Moderator habe zunehmend das Gefühl, dass es auf der einen Seite die Politik vor Ort und die Politik in Berlin gäbe. Diese beiden Glieder würden in seinen Augen zu häufig aneinander vorbeiarbeiten. Vogel stimmt Lanz in diesem Punkt zu.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP pflichtet seinen Vorrednern außerdem bei, wenn es darum geht, dass die Flüchtlingsproblematik nicht alleine mithilfe von Geld gelöst wird. Vogel will stattdessen die von Parteikollege Christian Lindner angekündigte „Zeitenwende in der Migrationspolitik“ einläuten. Für die Umsetzung dieser Agenda fordert er eine einheitliche Asylpolitik in Europa.

Vogel spricht sich in diesem Zusammenhang auch für strenger regulierte EU-Außengrenzen aus, was bei Lanz und Onay auf wenig Gegenliebe stößt. Letztgenannter erinnert daran, dass es schon ausreichend Grenzzäune – beispielsweise in Osteuropa – gäbe. Die Probleme seien dadurch aber keineswegs weniger geworden.

„Markus Lanz“: Kommunalpolitiker warnt vor „Parallelgesellschaften“

Onay will sich sowieso zunächst auf die Menschen konzentrieren, die bereits in Deutschland leben. Sein Fokus liege auf den Geduldeten, die schnellstens integriert werden sollten, damit sie das System nicht weiter „verstopfen“.

„Markus Lanz“ – das waren seine Gäste am 10. Mai

  • Johannes Vogel, Politiker (FDP)
  • Belit Onay, Politiker (Die Grünen)
  • Tanja Schweiger, Politikerin (Freie Wähler)
  • Matthias Schimpf, Politiker (Die Grünen)

Vogel räumt ein, dass die Geduldeten ein Problem darstellen. Dennoch müsse die Aufnahme und Abschiebung von Geflüchteten besser gemanagt werden. Schimpf springt dem FDP-Geschäftsführer bei, weil er es begrüßte, wenn die Asylprozesse geordneter abliefen.

Der Kreisbeigeordnete der Grünen will die Menschen nämlich nicht mehr dauerhaft in den Flüchtlingsunterkünften unterbringen. Er halte diese Behandlung für „inhuman“. Die Ankömmlinge sollten seiner Ansicht nach außerdem angemessener auf die EU-Länder verteilt werden. Andernfalls drohe die Integration zu scheitern.

Schimpf führt weiter aus, dass die Geflüchteten dann vermehrt unter sich bleiben würden. Dadurch entstünden „Parallelgesellschaften, die wir in dieser Gesellschaft nicht wollen.“ Der Politiker bezeichnete es außerdem als „Skandal“, dass kein einziger Kommunalbeamter beim Flüchtlingsgipfel eingeladen war, obwohl diese Arbeitskräfte die Maßnahmen später umsetzen müssten.

Trägt die Regierung die Schuld an der Flüchtlingskrise?

Markus Lanz erwähnt, dass pro Tag etwa 800 Flüchtlinge in Deutschland ankommen. Er will von Tanja Schweiger wissen, was diese Menschen dazu bewegt, ausgerechnet zu uns zu flüchten. Die Landespolitikerin erklärt, dass sich die meist jungen Männer ein besseres Leben erhoffen.

Im selben Atemzug kritisiert sie die Regierung, weil sie diese Illusionen nach außen transportiert. Wir leben hier allerdings nicht in einem „Schlaraffenland“, wie Schweiger betont. Auch hier herrschten Regeln und dies müsse klar kommuniziert werden.

Schweiger bemängelte ferner, dass die Asylsuchenden zu wenig zum Arbeiten und Deutschlernen gezwungen werden könnten. Es gebe zwar einen Großteil, der sich integrieren will. Beim Rest seien dem Staat allerdings die Hände gebunden, da die Leistungen der Asylbewerber im schlimmsten Fall nur minimal gekürzt würden.

Onay setzt sich deshalb für mehr Deutschkurse ein, die seiner Erfahrung nach vor allem von Geduldeten sehr gut angenommen werden. Im Anschluss könnten diese Personen dann eine Ausbildung durchlaufen, um als Fachkräfte tätig zu sein.

Dieser Vorschlag kommt bei Schweiger nicht gut an. Die Landrätin des Landkreises Regensburg verweist darauf, dass der Markt nicht Jahre auf die ausgebildeten Arbeitskräfte warten kann.

„Markus Lanz“ – Das Fazit der Sendung

Der Flüchtlingsgipfel ließ die grundlegenden Probleme unangetastet. Für die von der FDP angekündigte „Zeitenwende in der Migrationspolitik“ bräuchte es schnelle und dauerhafte Maßnahmen. Andernfalls droht die Integration vielfach zu scheitern. (Kevin Richau)

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