Sorge vor Ostsee-Katastrophe durch Putins Schattenflotte: „Müssen die Küsten schützen“
VonLisa Mahnke
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Greenpeace sieht die Ostseeküste durch Russlands Schattenflotte bedroht. Alte Tanker könnten für eine Katastrophe sorgen, die EU-Länder sollen handeln.
Berlin – Nach Einschätzung von Greenpeace droht der deutschen Ostseeküste eine wachsende Umweltgefahr durch die sogenannte russische Schattenflotte. Die Schiffe, mit denen Russland trotz internationaler Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs weiterhin Öl exportiert, besorgen. Viele dieser Öltanker sind veraltet, schlecht gewartet und fahren unter fremder Flagge, um Kontrollen zu umgehen. Die EU muss handeln, so die Forderung von gleich mehreren Seiten.
Seit Mitte Juni seien laut der Umweltorganisation 188 dieser Tanker von den russischen Häfen Primorsk und Ust-Luga aus mit Millionen Tonnen Rohöl unterwegs gewesen – direkt entlang der deutschen Küstenlinie. Besonders besorgniserregend: 70 der Tanker seien 20 Jahre oder älter „und damit für den sicheren Transport von Rohöl nicht mehr geeignet“. Greenpeace zufolge stehen 123 der Schiffe auf internationalen Sanktionslisten, während 27 sogenannte Geister-Tanker in keinem offiziellen Register erfasst und zudem mit falschen Flaggen unterwegs seien.
Warnung vor „katastrophalen Ölkatastrophen“ durch Russlands Schattenflotte: Greenpeace fordert Küstenschutz
Thilo Maack, Meeresbiologe von Greenpeace, findet dafür drastische Worte: „Russland verhält sich mit den Geister-Tankern auf den Weltmeeren wie jemand, der einen Lkw vom Schrottplatz holt und mit gefährlicher Ladung ohne Zulassung, Kennzeichen und Versicherung über die Autobahn brettert.“ Angesichts der Risiken fordert er: „Wir müssen die Küsten unbedingt vor dieser Umweltgefahr schützen.“
Die Schiffe erhöhten die Gefahr „katastrophaler Ölkatstrophen“, sagte ein Sprecher des britischen Außenministeriums laut Politico. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch der Kostenaspekt: Einen Ölteppich, der durch einen durchschnittlichen Schattenflotten-Tanker verursacht wurde, zu entfernen, könnte laut einem Bericht des Thinktanks Centre for Research on Energy and Clean Air bis zu 1,6 Milliarden US-Dollar kosten (etwa 1,37 Milliarden Euro).
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Wenn die Verantwortlichen nicht festgesetzt werden, wird es also teuer für die EU. Doch nicht immer ist eine Festsetzung die Lösung, wie die „Eventin“ vor Rügen zeigt. Umweltschützer warnen bei dem beladenen Öltanker, der schon seit Monaten in der Region liegt, laut NDR vor der Nähe zu zwei Naturschutzgebieten. Die Lage des maroden Schiffs ist besonders risikoreich.
NATO-Land sieht „großes Glück“: Noch kam es zu keiner Umweltkatastrophe durch Russlands Öltanker
Bereits im Jahr 2024 gab es laut einer Untersuchung von Politico und der gemeinnützigen Journalistengruppe SourceMaterial Vorfälle von Ölverschmutzungen durch Russlands Schattenflotte. Mindestens fünf Tanker sollen demnach ungehindert weiter in europäischen Gewässern gefahren sein, nachdem sie Ölteppiche hinterlassen hatten. „Wir haben im Moment großes Glück, dass es keine Umweltkatastrophe gibt“, so der lettische Energieminister Kaspars Melnis.
Greenpeace fordert nun von der Bundesregierung entschlossenes Handeln: Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) müssten Maßnahmen ergreifen, um die deutschen Küsten zu schützen. Außerdem solle geprüft werden, ob Schiffen ohne gültige Flagge die Durchfahrt verweigert werden könne.
EU und NATO wollen mehr gegen Russlands Schattenflotte vorgehen – Macron fordert „Koalition der Willigen“
Bereits im Juni hatten die Ostsee-Anrainerstaaten, zusammen mit Belgien, den Niederlanden und Großbritannien, angekündigt, konsequent gegen die russische Schattenflotte vorzugehen. Die EU hat bislang 444 Schiffe der russischen Schattenflotte zur Sanktion über „die gesamte Wertschöpfungskette“ gelistet. 105 davon kamen kürzlich durch das 19. Sanktionspaket anlässlich des Ukraine-Kriegs hinzu. Laut dem Schifffahrtsanalyseunternehmen Lloyd‘s List Intelligence bestünde Russlands Schattenflotte mittlerweile aus 1.300 Schiffen.
Dass trotz Sanktionen Schiffe der Schattenflotte unterwegs sind, beweise laut dem Herausgeber von Llloyd‘s List Intelligence Richard Meade, dass Russland „immer noch einen Weg und einen Ort für den Handel finden“ würde. Laut dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron wolle die EU und die NATO so „in den kommenden Wochen neue gemeinsame Maßnahmen“ zu entwickeln.
Beispielsweise könne man durch koordiniertes Festhalten der Schiffe den russischen Ölpreis erhöhen, so schlug Macron laut der Deutschen Welle vor. Das ist ausgehend vom Seerecht aktuell nur in wenigen Fällen möglich, unter anderem beim Zweifel an der Flagge. Frankreichs Präsident warb für eine „Koalition der Willigen“, um Russlands Präsidenten Wladimir Putin und seine Schattenflotte unter Druck zu setzen. (Quellen: dpa, Politico, NDR, Deutsche Welle, eigene Recherche) (lismah)