Wie weit driftet Italien vom EU-Kurs ab? Vor der Regierungswahl kritisiert Matteo Salvini die Sanktionen gegen Russland. Eine der wichtigsten Verbündeten distanziert sich.
Rom - Wegen der russischen Invasion in der Ukraine hat die EU Sanktionen gegen Russland erlassen. Zu den Maßnahmen-Kritikern, die hauptsächlich den Schaden für das eigene Volk wahrnehmen, gehört der italienische Rechtspopulist Matteo Salvini. Für einen äußerst plakativen Vorstoß im Wahlkampf vor der Italien-Wahl erntet der Lega-Chef jetzt aber sogar im eigenen Lager Stirnrunzeln.
Seit Beginn der Sanktionen gegen Russland seien mehrere Monate vergangen, und Menschen würden ihre „Rechnungen doppelt und vierfach zahlen“, sagte der 49-Jährige jetzt im italienischen Radiosender RTL. Im Gegensatz dazu würden sich nach mittlerweile sieben Monaten Ukraine-Krieg „Russlands Kassen mit Geld füllen“. In der Tat konnte Russlands Energieriese Gazprom jüngst einen Rekordgewinn vermelden.
Damit liegt Salvini jedoch mit seiner wichtigsten politischen Verbündeten über Kreuz: Giorgia Meloni, Chefin der ultrarechten Partei Fratelli d‘Italia (FDI), distanzierte sich von den Äußerungen ihres möglichen Koalitionspartners. Wenn Italien „seine Verbündeten im Stich lässt“, würde sich „für die Ukraine nichts verändern, für uns aber sehr viel“, sagte Meloni bei einem Wirtschaftsforum in Cernobbio am Comer See. „Ein seriöses Land, das die eigenen Interessen verteidigen will, muss eine glaubwürdige Position haben.“
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Mara Carfagna, Ministerin für den Süden Italiens, stimmte in die Kritik ein und warf Salvini vor, sich von Kreml-Chef Wladimir Putin instrumentalisieren zu lassen: „Wenn ich Salvini über Sanktionen reden höre, kommt es mir vor, als würde ich Putins Propaganda hören“, sagte sie. Die Politikerin war bis vor wenigen Monaten Mitglied der Partei Forza Italia des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, verließ diese aber aus Protest gegen deren Mitverantwortung beim Sturz der Regierung von Mario Draghi.
Jedoch relativierte Matteo Salvini kurze Zeit später bei einem eigenen Auftritt in der Kleinstadt Cernobbio seine getätigten Aussagen bezüglich der Sanktionen gegen Russland: „Wenn wir damit fortfahren wollen, dann lasst uns das tun, wir wollen die Ukraine schützen. Aber ich will nicht, dass wir uns selbst schaden.“
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Während Salvini die bisherige Wirkung der Russland-Sanktionen hauptsächlich als negativ für seine Heimat erachtet („wichtig, die Strategie zu überdenken und Arbeitsplätze in Italien zu sichern“), geht auch einer der politischen Hauptrivalen umgehend auf Konfrontationskurs: Enrico Letta, Chef der Demokratischen Partei (PD), konterte Salvinis Aussage mit den Worten: „Ich glaube, Putin hätte es nicht besser sagen können.“
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