„Nur eine Frage der Zeit“

Angriffe auf Krim häufen sich: Russland Machtposition im Schwarzen Meer bröckelt

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Angriff der Schwarzmeer-Flotte. Russland attackiert die Ukraine vom Wasser aus. (Archivfoto)
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Seit Wochen greift die Ukraine verstärkt die russisch besetzte Krim an, auch in den vergangenen Tagen. Der Druck auf Russland im Schwarzen Meer wächst.

Kiew – Russland meldete in den vergangenen Tagen erneut Angriffsversuche der Ukraine auf die russisch besetzte Halbinsel Krim. Die Angriffe konnten zwar erfolgreich abgewehrt werden. Doch wie es scheint, steht Russlands ehemalige Übermacht inzwischen auf wackligen Beinen. Denn seit Wochen verschärfen sich die ukrainischen Attacken auf die Halbinsel, die einen wichtigen Ausgangspunkt für Russlands Schwarzmeerflotte darstellt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gab sich am in einer Rede bereits siegessicher und betonte, dass die „Illusion“ der russischen Vorherrschaft auf der Krim und im Schwarzen Meer zerschlagen worden sei.

Erhöhter Druck auf Krim durch Ukraine – Schwarzmeerflotte wehrt wohl „Angriff von Unterwasser-Sabotagekräften“ ab

Die Ukraine erhöht den Druck auf der Krim. Offenbar sollen ukrainische Kräfte kürzlich versucht haben, sich Sewastopol zu nähern, wo sich das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte befindet. Wie der russische Gouverneur Michail Raswoshajew am Montag auf seinem Telegram-Kanal mitteilte, habe man in der Nacht auf Montag (23. Oktober) „laute Geräusche“ aus dem Außenhafen der Schwarzmeerflotte bei Sewastopol hören können.

Diese sollen gezeigt haben, „dass die Schwarzmeerflotte einen Angriff von Unterwasser-Sabotagekräften und feindlichen Einheiten abwehrt“, sagte der Gouverneur. Zunächst hatte die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass über die Geschehnisse bei Sewastopol berichtet, unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Auch die Ukraine kommentierte die Behauptungen zunächst nicht.

Erneute Angriffsversuche der Ukraine auf die Halbinsel Krim: Die aktuelle Lage im Schwarzen Meer

Seit Wochen scheinen sich Angriffe auf die Krim zu häufen. Erst am Donnerstag (19. Oktober) meldete das russische Verteidigungsministerium die Abwehr von zwei ukrainischen Raketen vom Typ S-200, ebenfalls nahe der Hafenstadt Sewastopol. Es soll weder Verletzte noch Schäden gegeben haben. Auch diese Daten lassen sich jedoch nicht unabhängig verifizieren.

Wie es scheint, ist Russland nun auch an dieser Front zunehmend unter Druck. Das britische Verteidigungsministerium erklärte bereits im September, dass die Ukraine vor Ort vermehrt militärische Operationen durchführt. „Die russische Schwarzmeerflotte hat in den letzten Wochen eine Reihe schwerer Angriffe erlebt, deren Höhepunkt die Angriffe auf ihr Hauptquartier am 20. und 22. September 2023 waren“, hieß es in einer Analyse Ende September. „Diese Angriffe haben mehr Schaden angerichtet und waren besser koordiniert als die bisherigen Angriffe in diesem Krieg.“

Moskauer Schwarzmeerflotte durch Angriff der Ukraine „degradiert“ – „aber nicht als Seestreitkraft besiegt“

Laut dem britischen Verteidigungsministerium ist es seitdem wahrscheinlich, dass die Fähigkeit Russlands, weitergehende Sicherheitspatrouillen in der Region durchzuführen und seine De-facto-Blockade der ukrainischen Häfen durchzusetzen, eingeschränkt wird. Auch die US-Denkfabrik Institute for the Study of War schätzte in einer Analyse von Anfang Oktober ein, dass die Angriffe der Ukraine auf russische Militäreinrichtungen auf der Krim die Moskauer Schwarzmeerflotte „degradiert“ hätten: „Die Angriffe auf Einrichtungen der Schwarzmeerflotte beeinträchtigen ihre Rolle als Hauptquartier für kombinierte Waffen, haben sie aber nicht als Seestreitkraft besiegt.“

Erst Mitte September war ukrainischen Truppen die Rückeroberung einer wichtigen Öl- und Gasplattform im Schwarzen Meer gelungen, wodurch sie russische Radarsysteme entfernen konnten. Das habe laut ukrainischen Angaben ein großes Sicherheitsproblem für Russland bedeutet, da die Umgebung im Schwarzen Meer nicht mehr überwacht werden könne. Für Russland hat der erfolgreiche Angriff damit einen herben Kontrollverlust dargestellt, mit dem die russische Marine nun weitgehend „blind“ sei. Das schwächt wiederum die Verteidigung der Halbinsel Krim.

Angriffe auf Krim häufen sich: Inwiefern verliert Russland die Macht über das Schwarze Meer?

Die Ukraine will die Machtposition Russlands im Schwarzen Meer damit weiterhin schwächen. Das bestätigte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beim zweiten parlamentarischen Gipfeltreffen der internationalen Krim-Plattform. Er hatte via Videoschalte bei dem Treffen in Prag teilgenommen. Selenskyj hob erfolgreiche ukrainische Drohnen- und Raketenangriffe auf russische Stützpunkte auf der Halbinsel Krim hervor, wodurch die russische Flotte „schrittweise von der Krim flieht“.

Wir haben noch nicht die volle Feuerkontrolle über die Krim und die umliegenden Gewässer erlangt, aber wir werden. [...] Jetzt schmelzen die Illusionen“, betonte Selenskyj. Es sei demnach nur „eine Frage der Zeit“. Zu den von Russland gemeldeten Angriffsversuchen in der Nacht auf Montag äußerte er sich unterdessen nicht. (nz)

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