Militärkonvois gesichtet

Neuer Plan in Putins Armee? Russland verlegt Truppen – „Größte Bewegungen seit Sommeranfang“

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Die Ukrainer registrieren große Truppenbewegungen der Russen im Süden ihres Landes. Weil die Streitkräfte Moskaus an einem Frontabschnitt einen Durchbruch erwarten?

Berdjansk – Traut Moskau den Ukrainern bei deren Offensive im Süden des Landes einen Durchbruch zu? Wie die Ukrainska Pravda schreibt, hat Russland angeblich von Mariupol aus größere Truppenkontingente in die Stadt Berdjansk am Asowschen Meer verlegt.

Ukraine-Offensive: Erwartet russische Armee Durchbruch in Richtung Berdjansk?

Die Online-Zeitung veröffentlichte Fotos zu dem Bericht, die zeigen sollen, wie zwei Militärkonvois aus je etwa 30 Fahrzeugen die Stadt verlassen und in Richtung Westen fahren. Die Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen, wie so oft im Ukraine-Krieg.

Berdjansk mit vormals 115.000 Einwohnern soll ein Ziel der ukrainischen Offensive sein, die (vorerst) vor Tokmak etwa 100 Kilometer nordwestlich der Stadt zum Stehen gekommen ist. Erwartet die russische Armee jetzt genau hier einen Durchbruchsversuch, während sie Odessa weiter westlich mit Luftangriffen überzieht?

Russland verlegt im Süden der Ukraine offenbar Truppen. (Symbolfoto)

„Mindestens zwei Konvois bestehend aus jeweils 30 Einheiten wurden im Laufe der Woche aus dem Gebiet Nowoasowsk (in der Oblast Donezk, d. Red.) in Richtung der Siedlung Manhush und Berdjansk gesichtet. Es waren Lastwagen mit Munition und abgeschleppten Rapira-Geschützen, Treibstofftanker und Busse mit Truppen“, wird ein Telegram-Beitrag von Petro Andriushchenko zitiert, der demnach der Berater des ursprünglichen ukrainischen Bürgermeisters von Mariupol sein soll. Seit Sommeranfang seien es die größten russischen Truppenbewegungen, die er gesehen habe, schilderte Andriushchenko demnach der Ukrainska Pravda.

Ukraine-Offensive: Russische Armee verlegt angeblich Truppen nach Berdjansk

Laut Kartenmaterial der US-Denkfabrik Institute for the Study of War und des AEI‘s Critical Threats Project, war Berdjansk bislang kaum befestigt, während die Stellungen, Schützengräben und Minenfelder rund um Tokmak sehr dicht und aufwändig sind, weswegen die Ukrainer dort unterschiedliche Minenräumer einsetzen - unter anderem aus Süddeutschland.

Folgt bald ein Großangriff? Ben Hodges, Generalleutnant a. D. der United States Army, geht konkret von einem Durchbruchsversuch der ukrainischen Armee mit 500 bis 750 gepanzerten Fahrzeugen auf einem schmalen Frontabschnitt aus, um hinter die russische Hauptverteidigungslinie zu kommen. „Wartet, bis die schweren Brigaden kommen“, schrieb der einstige Oberkommandierende der US-Landstreitkräfte in Europa Anfang Juni in einer Analyse für die US-Denkfabrik Zentrum für europäische Politikanalyse (Cepa)Der entscheidende Moment werde kommen, „wenn Hunderte gepanzerte Fahrzeuge auf die russischen Linien treffen“.

Ukraine-Offensive: Russische Armeen sollen wohl im Süden geteilt werden

Zuletzt war die ukrainische Offensive auf einem schmalen, rund fünf Kilometer breiten Frontabschnitt zwischen den Dörfern Robotyne und Werbowe nördlich von Tokmak zum Stehen gekommen, während die Ukrainer ihre Panzer vermehrt mit sogenannten Käfigpanzerungen schützen.

Und noch ein Umstand macht das Berdjansk-Szenario so interessant. So wollen die ukrainischen Streitkräfte offenbar die 49., die 58. sowie Teile der 68. russischen Armee, die im Süden der Ukraine operieren, zwischen Saporischschja sowie Melitopol und Berdjansk in zwei Teile trennen und somit den möglichen Rückzug in Richtung Russland abschneiden. Wollen die Truppen Moskaus ihrerseits das unbedingt verhindern, indem nach Tokmak auch Berdjansk zu einer regelrechten russischen Festung wird? (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergei Malgavko

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