Auch AfD verliert

Neue Umfrage: Selbst Ampel-Wähler watschen Ampel ab - FDP rückt Richtung Abgrund

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Aktuelle Umfragen bieten der Ampel-Koalition wenig Anlass zur Freude - besonderen Schmerz bereitet nun der Vergleich mit den Merkel-Jahren.

Berlin - Vor ziemlich genau 20 Jahren erregte sich Rudi Völler auf erinnerungswürdige Weise im Live-TV: Nach einem trostlosen 0:0 in Island und kritischen Worten im Studio echauffierte sich der Bundestrainer, die Medien konstruierten immer noch einen „tieferen Tiefpunkt“. Die Steilvorlage hatte freilich die Nationalmannschaft selbst gegeben.

Ähnlich wie Völler mag sich dieser Tage Kanzler Olaf Scholz (SPD) als Kopf der Ampel-Koalition fühlen. Seit Wochen bringt fast jede neue Umfrage einen neuen Tiefpunkt. Und tatsächlich: Auch eine am Montag (2. Oktober) veröffentlichten Forsa-Befragung im Auftrag der Sender RTL und n-tv lieferte peinliche Details zum demoskopisch messbaren Unmut der Wahlberechtigten über die Bundesregierung. Frappierend fiel im „Trendbarometer“ der beiden Kanäle vor allem der Direktvergleich mit Angela Merkels Vorgänger-GroKo aus.

Umfrage zur Bundestagswahl: Sogar Ampel-Wähler gehen hart mit der Ampel ins Gericht

Denn kurz vor der Halbzeit der Ampel-Koalition attestierten 46 Prozent der Befragten der Regierung Scholz, eine schlechtere Arbeit zu leisten als zuvor Merkels schwarz-rotes Bündnis. Ein knappes Drittel erkannte keine größeren Unterschiede - was eine Drei-Viertel-Mehrheit von 78 Prozent der Befragten ergibt, die seit Ende 2021 zumindest keine Verbesserung im Regierungshandeln sehen. Nur 19 Prozent taten das.

Robert Habeck und Olaf Scholz Ende September in einer Kabinettssitzung.

Womöglich noch schmerzhafter: Selbst unter den erklärten Anhängern der drei Ampel-Parteien sah nur eine Minderheit Fortschritte zur letzten Merkel-Legislatur. Unter den Grünen-Wählern zeigten sich in der Forsa-Umfrage immerhin noch 47 Prozent zufrieden. Bei den SPD-Anhängern waren es nur 38 Prozent - im FDP-Lager erkannten nur 13 Prozent der Befragten eine Verbesserung. Und das, obwohl die Liberalen bekanntermaßen in der letzten Regierung Merkel nicht vertreten waren. „Besser nicht regieren als schlecht regieren“, das Bonmot von FDP-Chef Christian Lindner, könnte an dieser Stelle eine neue Bedeutung bekommen.

Ampel-Parteien straucheln in Umfrage: FDP sinkt weiter - SPD verbessert sich auf niedrigem Niveau

In der aktuellen „Trendbarometer“-Sonntagsfrage ist die FDP zugleich die Verliererin unter den drei Ampel-Parteien. Die Liberalen büßen im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkt ein - und stehen nun bei nur noch 5 Prozent. Damit würde ihnen hypothetisch das Verfehlen der Fünfprozenthürde drohen. Auch der Unterschied zum Wahlergebnis 2021 (11,5 Prozent) ist frappierend. Aktuelle Umfragen kurz vor der Wahl in Bayern sehen auch dort die FDP in Gefahr, den Sprung ins neue Parlament zu verpassen. Die Erhebungen sind freilich angesichts schwindender Parteibindungen und kurzfristiger Wahlentscheidungen nur ein sehr vager Fingerzeig auf die Stimmung im Land.

ParteiWert SonntagsfrageVeränderung Vorwoche
CDU/CSU28 Prozent+1
AfD20 Prozent-1
SPD18 Prozent+1
Die Grünen14 Prozent+/- 0
FDP5 Prozent-1
Linke4 Prozent+/- 0
Sonstige11 Prozent+/-0

Die Grünen bleiben den Forsa-Daten zufolge bei 14 Prozent. Dieser Wert liegt auch nahe am 2021er-Wahlergebnis von 14,8 Prozent. Scholz‘ SPD wiederum gewinnt im Vergleich zur Woche einen Prozentpunkt - ist mit 18 Prozent in der RTL/n-tv-Sonntagsfrage aber immer noch weit vom einstigen Kanzlerniveau entfernt. Im September 2021 waren die Sozialdemokraten auf 25,7 Prozent gekommen.

Anders als in den Umfragen des Sommers gibt es für die AfD diesmal keinen noch höheren Höhepunkt: Die Rechtspopulisten fallen in der RTL-ntv-Sonntagsfrage die zweite Woche nacheinander um einen Prozentpunkt. Aktuell stehen der Forsa-Erhebung zufolge noch 20 Prozent zu Buche. Noch vor zwei Wochen hatte das „Trendbarometer“ einen Rekordwert für die AfD präsentiert. Die Union steigt unterdessen auf 28 Prozent. Die Linke stagniert bei nicht bundestagstauglichen 4 Prozent.

AfD verliert in neuer Umfrage - Migration auf Platz vier der wichtigsten Themen

Offen bleibt, was diese Umfrage-Entwicklungen mit Blick auf die zuletzt sehr lautstarken Migrations-Debatten zu sagen haben. Mitten in diesem Streit haben Union und SPD je einen Prozentpunkt bei der Einschätzung ihrer politischen Kompetenz gewinnen können: 15 Prozent der Befragten halten nun CDU und CSU für die kompetenteste Partei, 9 Prozent die SPD - nur noch 7 Prozent attestieren das der AfD; zwei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Satte 56 Prozent der Befragten schrieben keiner Bundestags-Partei Kompetenz zu. Dieser Wert lag 2022 allerdings auch schon einmal wesentlich höher.

Durchaus bemerkenswert zugleich: Die Zuwanderung liegt in dieser Umfrage nur auf Rang vier der für die Deutschen wichtigsten Themen. 22 Prozent nannte sie auf die Frage nach dem drängendsten Problem. Ganz vorne steht hingegen der Ukraine-Krieg (35 Prozent), gefolgt von der wirtschaftlichen Lage (25 Prozent) und dem Zustand der Bundesregierung (24 Prozent). CDU-Chef Friedrich Merz liegt in der Kanzlerpräferenz derweil weiterhin hinter Scholz - trotz Unzufriedenheit mit der Ampel und Sorgen um die Wirtschaft. Die galt als einst als Kernthema von Merz und den Unions-Parteien.

Während der Klimawandel nur auf Rang sechs landet, ist ein weiterer tiefster Tiefpunkt also durchaus denkbar: Der Moment, an dem der Zustand der Bundesregierung den Deutschen als wichtigstes Problem erscheint. Angesichts der großen Konkurrenz unter den Krisen wäre das wohl wirklich ein alarmierendes Zeichen. (fn)

Angela Merkel: Die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel (CDU) im Scheinwerferlicht
Die Kanzlerin im Scheinwerferlicht: Angela Merkel (CDU) hat eine beeindruckende Karriere vorzuweisen. © Ina Fassbender/dpa
Helmut Kohl und Angela Merkel beim Parteitag der CDU
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und seine damals neu gewählte Stellvertreterin, Frauenministerin Angela Merkel (CDU) bei einem Parteitag. (1991) © Michael Jung/dpa
Gerhard Schröder und Angela Merkel geben sich die Hand
Der bisherige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übergibt das Bundeskanzleramt an die neue Kanzlerin Angela Merkel (CDU). (2005) © Peer Grimm/dpa
Angela Merkel (CDU) trifft europäische Staatsmänner beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris
Angela Merkel (CDU) spricht mit dem niederländischen Minister Jan Peter Balkenende and dem belgischen Prime Minister Yves Leterme beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris. (2008) © Dolega/dpa
2009 wird Angela Merkel (CDU) zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt
Angela Merkel (CDU) wird in Berlin zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt. (2009) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London. (2009) © dpa
Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama mit der Freiheitsmedaille in Washington
Angela Merkel (CDU) erhält die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA, von US-Präsident Barack Obama in Washington. (2011) © Rainer Jensen/dpa
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg. (2011) © Michael Kappeler/dpa
Shinzo Abe, Angela Merkel (CDU), Wladimir Putin, David Cameron und Barack Obama beim G8 Gipfeltreffen
Die Teilnehmer des G8 Gipfeltreffens, der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe (l-r), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der russische Präsident Wladimir Putin, der britische Ministerpräsident David Cameron und US-Präsident Barack Obama. (2013) © Tim Brakemeier/dpa
Angela Merkel (CDU) legt im Bundestag in Berlin den Amtseid ab.
Angela Merkel (CDU) legt am im Bundestag in Berlin beim Parlamentspräsidenten Norbert Lammert (CDU) zum dritten Mal den Amtseid ab. (2013) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Joachim Gauck (parteilos) mit der deutschen Nationalmannschaft beim Gewinn des Weltmeistertitels
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundespräsident Joachim Gauck (parteilos) jubeln nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels in der Kabine des Maracana-Stadions mit den deutschen Nationalspielern. (2014) © Guido Bergmann/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht ein Selfie mit einem Migranten
Angela Merkel (CDU) besucht eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und macht ein Selfie mit einem Migranten. Ihr Satz „Wir schaffen das“ bleibt eng mit ihrer Kanzlerschaft verbunden. (2015) © Bernd von Jutrczenka/dpa
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo. (2016) © Christian Charisius/dpa
Angela Merkel (CDU) bei einer Privataudienz mit Papst Franziskus
Angela Merkel (CDU) schüttelt die Hand von Papst Franziskus bei einer Privataudienz im Vatikan. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Siegen
Angela Merkel (CDU) spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Bundestagswahl in Siegen. Der Name ist Programm: „Mutti“ wird zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt. (2017) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) steckt eine Kerze an der Berliner Mauer in den Sand.
Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls steckt Angela Merkel (CDU) eine Kerze an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße in den Sand. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) und Donald Trump beim Nato Gipfel in London
Angela Merkel (CDU) und der damalige US-Präsident Donald Trump sind sich beim Nato Gipfel nicht ganz einig. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) mit Maske bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die Corona-Maßnahmen
Angela Merkel (CDU) mit einem Mund-Nasenschutz bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die weiteren Corona-Maßnahmen. (2020) © Kay Nietfeld/dpa
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete und reden mit den Anwohnern eines betroffenen Dorfs. (2021) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen.
Sympathische Kanzlerin: Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen. (2021) © Georg Wendt/dpa

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