Bundesparteitag in Berlin

Die CDU rüstet sich für die Merz-Show – eine Frage schwebt über dem Treffen

+
Parteichef Friedrich Merz (Archivbild) hat den Startschuss für ein neues CDU-Grundsatzprogramm gegeben.
  • schließen

Der Ärger über die Ampel hält die Union stabil bei 30 Prozent. Doch über dem CDU-Parteitag schwebt – einmal mehr – die K-Frage.

München/Berlin – Es gibt prominentere CDU-Politiker als Manuel Hagel. Aber als der Landesvorsitzende von Baden-Württemberg am Freitagmittag mit Markus Söder in Lindau auftritt, beweist er einigen Mut. Eben hat Söder erklärt, dass „normalerweise“ beide Vorsitzenden von CDU und CSU für die Kanzlerkandidatur „denkbar geeignet“ seien. Und außerdem werde das ohnehin erst nach den Landtagswahlen im Osten entschieden.

Da fährt ihm der 36-jährige Hagel in die Parade. „Friedrich Merz ist der richtige Kandidat“, sagt Hagel unmittelbar vor dem CDU-Parteitag, der am Montag in Berlin beginnt. „Er passt in die Zeit, er hat eine Idee fürs Land, er packt zu. Und daher ist er der richtige Mann.“

Parteitag: Auf Deutschland wartet die geballte CDU-Show

Auf Deutschland wartet in den nächsten Tagen die geballte CDU-Show: Am Sonntag treffen sich die Spitzengremien, ab Montag (6. Mai) beginnt der dreitägige Parteitag mit 1001 Delegierten. Merz spricht am Vormittag, seine erstmalige Wiederwahl als Parteichef ist für 14 Uhr angesetzt. In sein Ergebnis dürfte viel hineininterpretiert werden, auch wenn die Veranstaltungen kaum zu vergleichen sind. Der Parteitag 2022 wurde – man hat es schon verdrängt – Corona-bedingt nur digital abgehalten.

Damals kam Merz laut CDU-Zählung auf 94,62 Prozent. Anders als andere Parteien rechnet die CDU Enthaltungen als ungültige Stimmen. Enthaltungen mitgerechnet, betrug das Ergebnis für Merz 93,08 Prozent. Doch wie man auch rechnet: Ein dickes Plus wird schwierig. Trotzdem dürfte das Merz-Lager alles über 90 als Bestätigung werten.

Fürs rhetorisch Grobe ist jetzt General Linnemann zuständig

Denn natürlich wird die K-Frage in Berlin über allem schweben, obwohl man nach mühevoller Kleinarbeit seit 17 Jahren ein neues Grundsatzprogramm verabschiedet. Es ist der endgültige Abschied von der Merkel-Zeit. Da kann Generalsekretär Carsten Linnemann noch so oft beteuern, man werde „keinen Bruch mit einer Person machen“. Der Ton des Programms ist jedenfalls deutlich konservativer. Angela Merkel bleibt dem Parteitag fern, lieber spricht sie in einigen Tagen bei der Verabschiedung von Jürgen Trittin.

Angela Merkel: Die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel (CDU) im Scheinwerferlicht
Die Kanzlerin im Scheinwerferlicht: Angela Merkel (CDU) hat eine beeindruckende Karriere vorzuweisen. © Ina Fassbender/dpa
Helmut Kohl und Angela Merkel beim Parteitag der CDU
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und seine damals neu gewählte Stellvertreterin, Frauenministerin Angela Merkel (CDU) bei einem Parteitag. (1991) © Michael Jung/dpa
Gerhard Schröder und Angela Merkel geben sich die Hand
Der bisherige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übergibt das Bundeskanzleramt an die neue Kanzlerin Angela Merkel (CDU). (2005) © Peer Grimm/dpa
Angela Merkel (CDU) trifft europäische Staatsmänner beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris
Angela Merkel (CDU) spricht mit dem niederländischen Minister Jan Peter Balkenende and dem belgischen Prime Minister Yves Leterme beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris. (2008) © Dolega/dpa
2009 wird Angela Merkel (CDU) zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt
Angela Merkel (CDU) wird in Berlin zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt. (2009) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London. (2009) © dpa
Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama mit der Freiheitsmedaille in Washington
Angela Merkel (CDU) erhält die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA, von US-Präsident Barack Obama in Washington. (2011) © Rainer Jensen/dpa
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg. (2011) © Michael Kappeler/dpa
Shinzo Abe, Angela Merkel (CDU), Wladimir Putin, David Cameron und Barack Obama beim G8 Gipfeltreffen
Die Teilnehmer des G8 Gipfeltreffens, der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe (l-r), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der russische Präsident Wladimir Putin, der britische Ministerpräsident David Cameron und US-Präsident Barack Obama. (2013) © Tim Brakemeier/dpa
Angela Merkel (CDU) legt im Bundestag in Berlin den Amtseid ab.
Angela Merkel (CDU) legt am im Bundestag in Berlin beim Parlamentspräsidenten Norbert Lammert (CDU) zum dritten Mal den Amtseid ab. (2013) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Joachim Gauck (parteilos) mit der deutschen Nationalmannschaft beim Gewinn des Weltmeistertitels
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundespräsident Joachim Gauck (parteilos) jubeln nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels in der Kabine des Maracana-Stadions mit den deutschen Nationalspielern. (2014) © Guido Bergmann/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht ein Selfie mit einem Migranten
Angela Merkel (CDU) besucht eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und macht ein Selfie mit einem Migranten. Ihr Satz „Wir schaffen das“ bleibt eng mit ihrer Kanzlerschaft verbunden. (2015) © Bernd von Jutrczenka/dpa
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo. (2016) © Christian Charisius/dpa
Angela Merkel (CDU) bei einer Privataudienz mit Papst Franziskus
Angela Merkel (CDU) schüttelt die Hand von Papst Franziskus bei einer Privataudienz im Vatikan. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Siegen
Angela Merkel (CDU) spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Bundestagswahl in Siegen. Der Name ist Programm: „Mutti“ wird zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt. (2017) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) steckt eine Kerze an der Berliner Mauer in den Sand.
Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls steckt Angela Merkel (CDU) eine Kerze an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße in den Sand. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) und Donald Trump beim Nato Gipfel in London
Angela Merkel (CDU) und der damalige US-Präsident Donald Trump sind sich beim Nato Gipfel nicht ganz einig. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) mit Maske bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die Corona-Maßnahmen
Angela Merkel (CDU) mit einem Mund-Nasenschutz bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die weiteren Corona-Maßnahmen. (2020) © Kay Nietfeld/dpa
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete und reden mit den Anwohnern eines betroffenen Dorfs. (2021) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen.
Sympathische Kanzlerin: Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen. (2021) © Georg Wendt/dpa

So steht Merz im Mittelpunkt. Schon im Vorfeld gab es ausführliche Porträts im Fernsehen und eine große Titelgeschichte im Spiegel, die allerdings nicht allzu schmeichelhaft ausfällt. Merz wird da als jähzornig dargestellt, auch wenn er in den vergangenen Monaten ruhiger geworden sei. Viele in der Union halten dem 68 Jahre alten Sauerländer zugute, dass er die Fraktion nach dem Machtkampf zwischen Armin Laschet und Söder 2021 wieder geeint habe. Das Verhältnis zu CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gilt als sehr gut. Merz unterlaufen auch weniger Patzer. Fürs rhetorisch Grobe ist jetzt General Linnemann zuständig.

Allerdings sind Merz‘ persönliche Werte in Umfragen weiter überschaubar. Im neuen „Deutschlandtrend“ erhält Söder 37 Prozent Zustimmung. Merz rangiert mit 27 Prozent sogar hinter NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (29).

Daniel Günther lobt neues CDU-Programm als „extrem gelungen“

Im Vorfeld des Parteitags hat nun der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther in der FAZ ein Interview gegeben. Sofort muss man an Hendrick Wüst denken, der in NRW mit den Grünen regiert und im Juni 2023 ebenfalls vor einem Parteitag einen Gastbeitrag in der gleichen Zeitung schrieb. Titel: „Das Herz der CDU schlägt in der Mitte“. Wüst warnte seine Partei davor, „billige Punkte“ zu machen und „Populisten hinterherzurennen“. Es war das Aufbäumen der Merkel-CDU gegen den konservativeren Merz-Kurs. Der Spiegel erzählt nun, wie Merz danach gewütet haben soll. „Ich schmeiß alles hin“, soll er getobt haben. „Ich hab‘ die Schnauze voll.“

Nun also Daniel Günther, den sie in der CSU als „Genosse Günther“ verspotten. Der behauptet im Gespräch zwar ganz konservativ: „Mit dem Begriff Leitkultur hatte ich noch nie Probleme“ und fordert eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht. Er lobt Merz ausdrücklich („Er ist ein starker Partei- und Fraktionsvorsitzender“) und findet das neue Grundsatzprogramm „extrem gelungen“. Doch die Schlagzeilen dominieren andere Aussagen. Dass man „sehr gut“ mit den Grünen regieren könne. Und mit Blick auf die Landtagswahlen im Osten: „Linke und AfD kann man nicht miteinander gleichsetzen“, sagt Günther. Bodo Ramelow aus Thüringen sei „keine Gefahr für die Demokratie“. 

Daniel Günther stichelt gegen CSU-Chef Markus Söder

Für Markus Söder hat Günther übrigens noch eine Breitseite parat. Als er gefragt wird, was er von dessen Vorschlag einer neuen GroKo hält, antwortet er: „Markus Söder macht so viele Vorschläge, ich tue mich schwer damit, sie alle zu bewerten. Seine Positionierung kann ja morgen auch wieder eine völlig andere sein.“ Söder kommt übrigens auch zum Parteitag. Am Dienstag hält er ein Grußwort. Die CDU wird jedem seiner Worte genau lauschen. (Mike Schier)

Kommentare