VonLaura Mayschließen
Bayerns Parteichefs von Freien Wählern und CSU haben viel gestritten in letzter Zeit. Jetzt überrascht Aiwanger mit einer Aussage zu Koalitionspartner Söder.
München – Bleibt Markus Söder in Bayern oder versucht er doch noch einmal den Sprung nach Berlin? Bisher hat sich der CSU-Chef dazu nicht klar geäußert. Vor der letzten Bundestagswahl 2021 hatte Söder im internen Unions-Machtkampf gegen Armin Laschet verloren. Wen CDU und CSU für die Bundestagswahl 2025 als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken, ist bisher unklar.
Die Union will die Entscheidung im Herbst nach den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen treffen. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Unionsvorsitzender Friedrich Merz, und auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) werden Ambitionen nachgesagt. Und was macht Söder? Er bleibt bisher vage, stellt die rhetorischen Weichen allerdings eher gegen eine mögliche Kanzlerkandidatur.
Freie Wähler-Chef Aiwanger wünscht sich stärkere Unions-Abgrenzung von Grünen
Sein Platz sei eher in Bayern als im Bundestag, erklärte er zuletzt in ARD-Sendung „Caren Miosga“. Eine Kanzlerkandidatur probieren man „nur einmal im Leben“. Auch wenn seine Kandidatur eine theoretische Option sei, plane er die kommenden Jahre als Ministerpräsident in seiner Heimat. „Ich liebe Bayern“, sagt Söder und verweist auf CDU-Kandidaten, die für das Kanzleramt infrage kommen.
Überraschend hat sich nun aber Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger positive über eine mögliche Kanzlerkandidatur Söders geäußert, obwohl es in vergangener Zeit oft gekracht hat. Söder sei die stärkste Kandidatenoption für die Union, sagte der Bayerische Wirtschaftsminister laut Bild. Ob die Aussage eine Sympathiebekundung an Söder ist oder eher eine Kritik an Friedrich Merz? Aiwanger hat jedenfalls immer wieder Zweifel an Merz‘ politischem Kurs geäußert: „Wenn ich mit den Grünen kuschle, kann ich nicht erwarten, dass die Leute AfD nicht wählen. Die Union müsste sich deutlicher von den Grünen abgrenzen“, lautet etwa einer seiner Kritikpunkte.
Söder und Aiwanger vernachlässigen Bayerns Politik durch persönliche Streitereien
In Bezug auf die zahllosen Streits zwischen Aiwanger und Söder im vergangenen Jahr wirkt Aiwangers positive Bekundung zu Söders Kanzlerkandidatur fast suspekt. Immer wieder waren die Parteichefs aneinandergeraten. Sei es durch das Auftauchen eines antisemitischen Flugblatts, das Aiwanger verfasst haben soll; sein polemisches Auftreten bei den Bauernprotesten und damit einhergehende Vernachlässigung anderer politischer Arbeit und dem Verpassen von Sitzungen oder seine negativen Äußerungen über die Großdemonstrationen gegen Rechtsextremismus in ganz Deutschland.
Bei all den bayerninternen Streits litt das Tagesgeschäft. Das angespannte Verhältnis in der sogenannten Bayern-Koalition hatte zuletzt auch deren politische Handlungsfähigkeit gefährdet. Vielleicht ist Aiwangers positive Aussage bezüglich einer Söder-Kanzlerkandidatur ein Zeichen in Richtung bayerischen Frieden. Dann können Söder und Aiwanger harmonisch gemeinsam gegen Grüne und Ampel-Koalition poltern.
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