Merz plant für Sieg nach Bundestagswahlen: Neues Ministerium soll her
VonSimon Schröder
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Merz und die CDU beabsichtigen, sich von internen Auseinandersetzungen mit Söder nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Nach der Bundestagswahl soll ein neues Ministerium her.
Berlin – Die CDU bereitet sich bereits auf eine potenzielle Übernahme der Regierung vor. Laut Berichten des Spiegels hat CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann in einer digitalen Diskussionsrunde für CDU-Mitglieder die Gründung eines neuen Ministeriums vorgeschlagen. Sollte die Union die Wahl gewinnen, was derzeit wahrscheinlich erscheint, wäre die Errichtung eines Digitalministeriums geplant.
Friedrich Merz, Vorsitzende der CDU und Kanzlerkandidat, hat sich laut Anwesenden ebenfalls für ein Digitalministerium ausgesprochen. Bislang ist das Ministerium für Digitales und Verkehr, unter der Leitung von Volker Wissing, für die digitale Infrastruktur und Modernisierung Deutschlands zuständig. Allerdings gibt es massive interne Kritik am mangelnden Fortschritt.
Friedrich Merz (l.) Kanzlerkandidat der Union ist sich nicht immer eins mit seinem bayerischen Kollegen. Für Markus Söder (r.) kommt Robert Habeck als nächster Wirtschaftsminister jedenfalls nicht infrage. (Archivbild)
Nach Bundestagswahl 2025 soll nach CDU und Merz ein Digitalministerium entstehen
Staatssekretär Stefan Schnorr äußerte am Mittwoch in Berlin seine Unzufriedenheit über die aktuelle Aufgabenverteilung im Ministerium. Er erklärte: „Ich bin überzeugt davon, dass wir ein absolut eigenständiges Ministerium für Digitales und Innovation brauchen.“ Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert Schnorr, dass ein eigenes Budget sicherstellen soll, dass die Mittel ausschließlich für digitale Themen verwendet werden.
Die Forderung nach einem Digitalministerium ist nicht neu. Seit Jahren wird diskutiert, ob ein solches Ministerium auf Bundesebene notwendig ist. Um das neue Ministerium zu gründen, müssten andere Ministerien neu ausgerichtet werden. Das Digitalministerium könnte dann beispielsweise neben der digitalen Infrastruktur auch die Digitalisierung der Verwaltung übernehmen.
Unter der letzten Regierung von Angela Merkel leiteten Dorothee Bär (CSU) und Frank Thelen, ein Vertreter aus der Wirtschaft, den „Innovation Council“ der Bundesregierung. Zwischen 2018 und 2021 fanden jährlich zwei Treffen mit „ausgewählten Akteuren aus dem Bereich der Start-ups und etablierter Unternehmen“ statt, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen.
Ein Digitalministerium „nach bayrischem Vorbild“ nach der Bundestagswahl?
Die Ampel-Regierung wollte die Digitalisierung neu angehen und die Prioritäten anders setzen. Aus dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur unter Merkel wurde das Bundesministerium für Digitales und Verkehr. Die Namensänderung sollte signalisieren, dass das Digitale auch politisch an erster Stelle steht. Im Ministerium selbst ist man jedoch nach über drei Jahren unzufrieden, wie Staatssekretär Schnorr erklärt.
In Bayern gibt es bereits ein Digitalministerium. Fabian Mehring (Freie Wähler), der jüngste Minister in Markus Söders (CSU) Kabinett, kümmert sich um die digitalen Belange des Freistaats. Er forderte die Einführung eines Digitalministeriums auf Bundesebene „nach bayrischem Vorbild“. Nach der Bundestagswahl könnte seine Forderung mit Merz als Kanzler Realität werden.
Krise in der Union: Merz flirtet mit Robert Habeck – Söder ist sauer
Es gibt jedoch Spannungen im Dream-Team Söder und Merz. Für Söder ist klar: Eine Koalition mit Robert Habeck (die Grünen) ist ausgeschlossen. Merz hat sich jedoch wiederholt zu Kompromissen mit den Grünen bereit erklärt. In der ARD-Sendung „Maischberger“ ließ Merz die Frage nach einer möglichen Koalition mit den Grünen nach der Bundestagswahl offen – auch einen Habeck als Wirtschaftsminister schloss der CDU-Chef nicht aus. Dies gefiel dem bayerischen Ministerpräsidenten und Unionspartner Söder überhaupt nicht.
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Söder äußerte sich in einem Videostatement auf Instagram klar: „Mit der CSU gibt es kein Schwarz-Grün.“ Nach Söder sollten die Grünen in die Opposition gehen. Dann kritisierte er Habeck weiter: „Robert Habeck kann keine Wirtschaftspolitik.“ Die Einigkeit in der Union hielt also nicht lange an. Nachdem die K-Frage zwischen Merz und Söder geklärt war, unterstützte der Ministerpräsident den neuen Kanzlerkandidaten der Union voll und ganz. Nun zeichnet sich jedoch erneut ein Streit zwischen den beiden ab. (sischr)