Umfrage-Erfolg für Merz

Merz punktet mit Bürgergeld-Kritik? Union setzt AfD unter Umfrage-Druck

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Die Union gewinnt in den Umfragen: Trotz Kritik an der Nullrunde beim Bürgergeld bleibt die Unterstützung stark – die AfD bleibt knapp dahinter.

Berlin – Die letzte Woche dürfte für Friedrich Merz alles andere als angenehm gewesen sein: Zunächst zog die AfD in den Umfragen mit der Regierungspartei gleich, dann machte Robert Habeck seinem Ärger über Unions-Mitglieder öffentlich Luft, und schließlich flammte eine hitzige Debatte über die Nullrunde beim Bürgergeld auf. Doch wie es heißt: Widerstand stärkt das Profil – trotz der Turbulenzen legte die Union in den Umfragen zu – und setzte sich erneut vor die AfD.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

AfD und Union Kopf an Kopf – Merz bleibt standhaft

Die aktuellen Ergebnisse der Sonntagsfrage liegen vor, und halten Überraschungen bereit. Wie die Bild am Sonntag unter Berufung auf das Meinungsforschungsinstitut Insa berichtet, liegt die Union erneut vorne. Sie konnte einen Prozentpunkt dazugewinnen, und liegt insgesamt bei 26 Prozentpunkten. Knapp dahinter, zeigt die Umfrage, dass unverändert 25 Prozent die AfD wählen würden.

CDUAfDSPDGrüneLinkeBSWFDPSonstige
Prozentpunkte2625151111435
Veränderung in Prozent+1000000-1

Ebenfalls unverändert zur Vorwoche beziehen die dahinterstehenden Parteien Position: Die SPD kommt auf 15 Prozentpunkte – Grüne und Linke jeweils auf 11. Auch für Parteien außerhalb des Bundestags verändert sich nichts: Die FDP steht bei 3 Prozent und das BSW bei vier. Sonstige Parteien erhalten hingegen einen Dämpfer um einen Prozentpunkt.

Zu der Aussagekraft von Meinungsumfragen

Um die Daten zu erfassen, befragte das Meinungsforschungsinstitut vom 25. bis 29. August 1.202 Menschen. Die maximale Fehlertoleranz beziffert Insa auf 2,9 Prozent. 

Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf etwaige Wahlausgänge.

Bürgergeld-Debatte: Linke warnt vor sozialem Ungleichgewicht

Zuletzt ereignete sich eine Kontroverse um die ausbleibende Erhöhung des Bürgergelds. Wie ein Sprecher des Abreitsministeriums gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigte, komme es auch 2026 „zu keiner Veränderung der Regelbedarfshöhen“. Die Entscheridung siehn absehbar, nachdem Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas der Bild Zeitung erklärte, sie wolle ein klares Signal setzen: „Wir helfen auf dem Weg in Arbeit, aber dafür muss man mitmachen. Alles andere ist unfair gegenüber denjenigen, die jeden Morgen aufstehen“.

Insbesondere bei der Linken wächst die Sorge, dass die Nullrunde die Falschen trifft. Cansin Köktürk nannte die ausbleibende Erhöhung „eine zutiefst ungerechte Entscheidung und ein unverantwortlicher Angriff auf das Existenzminimum“. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zitiert die sozialpolitische Bundessprecherin der Linken weiter: „Wer soziale Sicherheit kürzt, kürzt am Fundament unserer Demokratie.“

Trotz aller Unruhen der vergangenen Woche schafft es Friedrich Merz erneut Abstand auf die AfD zu gewinnen. (Archivbild)

Nullrunde beim Bürgergeld: Ein umstrittenes Signal

Trotz aller Kritik scheint Bas bei ihrem Entschluss den Rückhalt der Union zu genießen: Bundeskanzler Friedrich Merz befeuerte zuletzt tiefgreifende Reformen und Einschnitte in das Sozialsystem. „Wir können uns dieses System, das wir heute so haben, einfach nicht mehr leisten“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP Merz. „Wir leben seit Jahren über unsere Verhältnisse“, kritisierte der Bundeskanzler. Konkret nannte er das Bürgergeld, denn „so wie es ist, kann es nicht bleiben“.

Auch CDU-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger begrüßte die Nullrunde als „richtiges Signal“. Er erklärte gegenüber der „Rheinischen Post“ weiter, Sanktionen seien bei jenen, die nicht arbeiten wollen, aber könnten, eine Frage der Fairness gegenüber jenen, welche arbeiten gingen und Steuern zahlten: „Zugleich wird es mehr Unterstützung geben bei der Arbeitsvermittlung. Und für neu ankommende ukrainische Flüchtlinge wird es kein Bürgergeld mehr geben.“

Auch über den Bundestag hinaus stößt die Nullrunde auf Widerstand: Der Sozialverband Deutschland warf Bas und Bundeskanzler vor, populistisch die Gesellschaft zu spalten. „Wer vor explodierenden Sozialausgaben warnt, Sanktionen verschärfen will und behauptet, Deutschland würde über seine Verhältnisse leben, während er gleichzeitig Bürgergeldempfänger in den Fokus rückt, schürt eine unsägliche Scheindebatte“, erklärte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier, gegenüber der dpa. Weiter sagt sie, es sei unverantwortlich, „das Existenzminimum infrage zu stellen, während große Vermögen und hohe Erbschaften kaum zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen“. (kox/dpa)

Rubriklistenbild: © Thomas Banneyer/dpa

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