Arbeitsmarkt unter Druck

Bürgergeld auf gleichem Niveau: Bas forciert strengere Sanktionen

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2026 fehlt die Bürgergeld-Erhöhung: Trotz angespannter Arbeitsmarktsituation folgen härtere Sanktionen – die Regierung hält an strikten Maßnahmen fest.

Berlin – Stillstand beim Bürgergeld: Zum zweiten Mal in Folge bleibt die Erhöhung der Regelsätze aus – trotz steigender Arbeitslosigkeit und weniger offener Stellen.

Während Kanzler Merz von unverhältnismäßigen Sozialausgaben spricht und Arbeitsministerin Bas härtere Sanktionen ankündigt, wächst die Sorge, dass die Nullrunde die Falschen trifft.

2026 bleibt der Bürgergeldsatz unverändert. Bärbel Bas (SPD) droht mit strengeren Sanktionen. (montage)

„So kann es nicht bleiben“: Merz fordert Bürgergeld-Reform

Bürgergeldempfänger müssen sich im kommenden Jahr erneut auf eine Nullrunde einstellen. „Der gesetzlich festgelegte Fortschreibungsmechanismus führt zum 1. Januar 2026 zu keiner Veränderung der Regelbedarfshöhen“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Bestätigung des Kabinetts steht noch aus.

Die sogenannten Regelbedarfe für Bürgergeldempfänger bleiben damit bei 563 Euro im Monat für Alleinstehende. Kinder erhalten weiterhin je nach Alter 357 bis 471 Euro. In den Jahren 2023 und 2024 waren die Regelsätze als Inflationsausgleich deutlich erhöht worden. In diesem Jahr folgte bereits eine Nullrunde. Das war auch für 2026 bereits erwartet worden. 

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Die Forderung nach tiefgreifeenden Reformen und Einschnitten im Sozialsystem wurde kürzlich von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigt. „Wir können uns dieses System, das wir heute so haben, einfach nicht mehr leisten“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP Merz. „Wir leben seit Jahren über unsere Verhältnisse“, kritisierte Merz. Konkret nannte er das Bürgergeld, denn „so wie es ist, kann es nicht bleiben“.

Merz kritisiert Bürgergeld – und erntet auch deutlichen Widerspruch

Der Vorwurf, das Bürgergeld belaste den Staatshaushalt immer stärker, hält auch deutlichen Widerspruch. Wie der Blog Geld für die Welt darlegt, steigen die Ausgaben zwar nominal, im Verhältnis zu Wirtschaftsleistung und Bundeshaushalt sinken sie aber sogar.

2015 flossen 42 Milliarden Euro in die Grundsicherung – das entsprach 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 14 Prozent des Haushalts. Für 2025 sind 52 Milliarden Euro veranschlagt, was nur noch 1,1 Prozent des BIP und 10,3 Prozent des Haushalts ausmacht. Um das Niveau von 2015 zu halten, müssten die Mittel angesichts von rund 29 Prozent Inflation inzwischen bei etwa 54 Milliarden Euro liegen.

Bärbel Bas plant Sanktionen im Bürgergeld: „Ich sorge für mehr Zug in der Betreuung“

Zudem kündigte SPD-Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas härtere Sanktionen für Bürgergeldempfänger an. Beispielsweise bei Terminversäumnissen erklärte sie der Bild-Zeitung: „Ich sorge für mehr Zug in der Betreuung. Wer ohne Grund nicht zum Termin kommt, dem wird jetzt deutlich mehr gestrichen.“

Die wolle ein klares Signal setzen: „Wir helfen auf dem Weg in Arbeit, aber dafür muss man mitmachen. Alles andere ist unfair gegenüber denjenigen, die jeden Morgen aufstehen“.

Linke mit Kritik: „Wer soziale Sicherheit kürzt, kürzt am Fundament unserer Demokratie.“

Heftige Kritik für den Entwurf übt besonders die Linke. Die ausbleibende Erhöhung des Bürgergelds „ist eine zutiefst ungerechte Entscheidung und ein unverantwortlicher Angriff auf das Existenzminimum“, zitiert das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) die sozialpolitische Bundessprecherin der Linken im Bundestag, Cansin Köktürk.

Köktürk führt weiter aus, statt mit Nullrunden das Existenzminimum weiter zu untergraben, brauche es eine Anhebung der Regelsätze. „Wer soziale Sicherheit kürzt, kürzt am Fundament unserer Demokratie.“

Arbeitsmarkt unter Druck: Mehr Arbeitslose, weniger Stellen

Das Konjunkturdashboard des Statistischen Bundesamts weist auf eine problematische Entwicklung am Arbeitsmarkt hin: Während die Zahl der Arbeitslosen steigt, sinkt zugleich die Zahl der offenen Stellen. Im August 2022 standen rund 2,49 Millionen Arbeitslose rund 855.000 gemeldeten Stellen gegenüber. Zwei Jahre später liegt die Arbeitslosenzahl bei knapp 2,96 Millionen – doch es gibt nur noch rund 614.000 offene Jobs.

Konkret hieß das im August 2022: Auf drei Arbeitslose kam rechnerisch eine offene Stelle. Heute stehen hingegen fünf Arbeitslose um eine Stelle in Konkurrenz.

August 2022August 2025
Arbeitslose2.491.8582.956.930
offene Stellen855.844613.932
Verhältnis in Prozent (gerundet)34,3520,76

Die Bundesregierung ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Bürgergeld-Höhe jedes Jahr anhand bestimmter Kriterien zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Die Regelsätze waren 2023 und 2024 stark gestiegen, weil sie die Inflation berücksichtigten. Aufgrund der gesunkenen Inflation folgt 2025 und 2026 also nun eine Nullrunde. (kox/ dpa)

Rubriklistenbild: © Revierfoto/Imago/ IMAGO / Bihlmayerfotografie (montage)

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