Erdrutschsieg bei Midterms

Republikaner DeSantis will „politische Karte umgeschrieben“ haben – warum Trump bereits zur Drohung greift

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Der Republikaner Ron DeSantis zählt zu den großen Gewinnern der Midterms. Nun könnte der Gouverneur von Florida Donald Trump die Kandidatur streitig machen.

Tampa/München — Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat eine „sehr große Mitteilung“ für den 15. November angekündigt. Nun wird spekuliert: Er könnte bei der Präsidentschaftswahl 2024 erneut kandidieren. Doch eine Person aus seiner eigenen Partei könnte seinen Hoffnungen für eine neue Amtszeit als Präsident einen Strich durch die Rechnung machen: Ron DeSantis.

Der als möglicher künftiger Präsidentschaftskandidat gehandelte Gouverneur von Florida ist bei den US-Midterms für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Der 44-jährige Republikaner setzte sich klar gegen seinen demokratischen Herausforderer Charlie Crist durch und sammelte so kräftigen politischen Rückenwind.

Der Republikaner Ron DeSantis gewinnt das Rennen um den Gouverneursposten in Florida.

Midterms: DeSantis gewinnt Wahl in Florida — republikanischer Hardliner

DeSantis steht seit 2019 an der Spitze des Bundesstaates im Südosten der USA. Der rechte Hardliner gilt als aufstrebender Star der Republikaner - und vor den Präsidentschaftswahlen 2024 als potenzieller innerparteilicher Konkurrent von Trump. Der Gouverneur wurde unter anderem während der Corona-Pandemie für seine Ablehnung strikter Schutzmaßnahmen bekannt und damit für viele Republikaner zum Idol.

Er ist auch ein entschiedener Verfechter der Kulturkämpfe des konservativen Lagers gegen linksliberale Politik, unter anderem im Umgang mit der LGBTQ-Gemeinschaft und beim Abtreibungsrecht. Für Schlagzeilen sorgte DeSantis zuletzt, als er dutzende Migranten auf die schicke Urlaubsinsel Martha‘s Vineyard vor der Küste des Bundesstaates Massachusetts fliegen ließ. Der Umgang mit Migranten und Flüchtlingen aus Süd- und Mittelamerika ist ein zentrales Streitthema zwischen Republikanern und Demokraten.

Midterms: Florida-Gouverneur DeSantis will „politische Karte umgeschrieben“ haben

Nach seiner Wiederwahl sprach DeSantis von einem „Erdrutschsieg“ und nutzte seine Siegesrede für eine Attacke gegen die „Woke-Agenda“ liberaler Politiker. „Florida ist, wo woke sterben wird.“ Der Begriff „woke“ beschreibt das „wach sein“ gegenüber rassistischen und diskriminierenden Tendenzen in einer Gesellschaft. DeSantis gab laut der Zeitung The Hill zudem an, man habe nicht nur eine Wahl gewonnen, sondern die „politische Karte umgeschrieben“. Alle Informationen finden Sie in unserem News-Ticker zu den Zwischenwahlen.

„Wir haben gesehen, wie Freiheit und unsere Lebensweise in vielen anderen Gesetzgebungen dieses Landes ausgetrocknet sind, doch Florida hat standgehalten“, so DeSantis. Man habe „Fakten über Furcht“ und „Bildung über Indoktrination“ gewählt, erklärte der Wahlsieger. Auf der Party, wo seine Unterstützer die Wahl verfolgten, habe man „Noch zwei Jahre“ gerufen, erzählte er zudem. Dies wurde als eine Referenz zu DeSantis‘ möglicher Kandidatur bei der Wahl 2024 verstanden.

Zwischenwahlen USA: Die zehn spannendsten Duelle im Senat

John Fetterman von den Demokraten
Der linke Demokrat John Fetterman ist amtierender Vizegouverneur von Pennsylvania und tritt dort gegen den republikanischen Trump-Schützling Mehmet Oz an. Kurz vor den demokratischen Vorwahlen im Mai erlitt Fetterman einen Schlaganfall, von dem er sich noch immer erholt.  © Kriston Jae Bethel/afp
Mehemt Oz aus Pennsylvania
Der Republikaner Mehmet Oz wird im Wahlkampf in Pennsylvania um den Sitz im US-Senat von Ex-Präsident Donald Trump unterstützt. Der Kardiologe und ehemalige TV-Arzt geriet in die Kritik, weil er in seiner Sendung, „The Dr. Oz Show“, pseudowissenschaftliche und alternativmedizinische Ansichten verbreitete. © Ed Jones/AFP
Mandela Barnes
Der progressive Demokrat Mandela Barnes ist Vizegouverneur von Wisconsin und will den amtierenden republikanischen Senator, Ron Johnson, ablösen. Barnes setzt sich insbesondere für Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte ein. Seine Kandidatur wird von den prominenten US-Linken Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez und Elizabeth Warren offiziell unterstützt. © Scott Olson/AFP
Ron Johnson von den Republikanern
Der MAGA-Republikaner Ron Johnson ist der amtierende Senator von Wisconsin und rechtsextrem. Er will die staatliche Kranken- und Rentenversicherung privatisieren. Den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 bezeichnete er als „überwiegend friedlich“, es sei kein bewaffneter Aufstand gewesen. © Mark Hertzberg/Imago
Raphael Warnock von den Demokraten
Raphael Warnock ist Senator des Swing States Georgia. Er wird herausgefordert von dem Trump-Protegé Herschel Walker. Warnock ist Pastor der Ebenezer Baptist Church in Atlanta, in der einst der bekannte Bürgerrechtsaktivist Martin Luther King Jr. predigte. Warnock ist der erste Schwarze, der den Südstaat Georgia im US-Senat vertritt. © Anna Moneymaker/AFP
Herschel Walker von den Republikanern
Der Ex-American-Football-Spieler und Republikaner Herschel Walker tritt in Georgia gegen den demokratischen Senator Raphael Warnock an. Seine Kandidatur wird von Donald Trump unterstützt. Walker fällt immer wieder durch vergangene Skandale auf. Der erklärte Abtreibungsgegner soll eine Ex-Freundin zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt und dafür bezahlt haben. © Megan Varner/AFP
Catherine Cortez Masto von den Demokraten
In Nevada wackelt der Senatssitz der demokratischen Amtsinhaberin Catherine Cortez Masto. Ihr Herausforderer ist der von Donald Trump unterstütze Republikaner und Wahlleugner Adam Laxalt. Cortez Masto macht sich im Wahlkampf insbesondere für das Recht auf Abtreibung stark. Bevor sie Senatorin wurde, war sie Navadas Generalstaatsanwältin. © Kevin Dietsch/AFP
Republikaner Adam Laxalt, Kandidat für den Senat
Der Republikaner Adam Laxalt fordert in Nevada die demokratische Amtsinhaberin Catherine Cortez Masto heraus. Laxalt wird von Donald Trump unterstützt und ist demzufolge Wahlleugner. Der ehemalige Generalstaatsanwalt von Nevada konzentriert sich auf die Themen Inflation und „Law and Order“. © Bridget Bennett/AFP
Tim Ryan aus Ohio
Demokrat Tim Ryan kämpft in Ohio mit dem Republikaner J. D. Vance um den frei werdenden Senatssitz. Ryan ist Abgeordneter im Repräsentantenhaus und war 2019 Präsidentschaftskandidat der Demokraten, doch schied vorzeitig aus dem Rennen aus. © Jerry Mennenga/Imago
JD Vance kandidiert für die Republikaner
J. D. Vance kandidiert auf republikanischer Seite in Ohio gegen den Demokraten Tim Ryan für den Senat. Vance ist Risikokapitalgeber und Autor des autobiografischen Bestsellers „Hillbilly Elegie“. Er sicherte sich die republikanische Nominierung im Vorwahlkampf durch rechtsextreme Positionen und die Unterstützung von Donald Trump. © Jeff Swensen/AFP
Marco Rubio kandidiert für die Republikaner
In Florida sieht sich der amtierende republikanische Senator Marco Rubio seiner demokratischen Herausforderin Val Demings gegenüber. Donald Trump verpasste Rubio, der 2016 als dessen Kontrahent in den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen antrat, den hämischen Spitznamen „little Marco“ (kleiner Marco). © Anna Moneymaker/AFP
Val Demings kandidiert für die Demokraten
Die Demokratin Val Demings fordert in Florida den amtierenden republikanischen Senator Marco Rubio heraus. Sie ist die ehemalige Polizeichefin von Orlando und konnte bereits republikanische Attacken abwehren, die darauf abzielten, sie als zu lax in puncto Strafverfolgung darzustellen. © Joe Readle/AFP
Ted Budd kandidiert für die Republikaner
In North Carolina tritt der Republikaner Ted Budd gegen die Demokratin Cheri Beasley an. Der von Trump unterstützte rechtsextreme Abgeordnete Budd ist Wahlleugner und Inhaber eines Schusswaffengeschäfts. © Seth Herald/AFP
Cheri Beasly kandidiert für die Demokraten
Die Demokratin Cheri Beasley kämpft in North Carolina mit dem Trump-Republikaner Ted Budd um den Sitz im Senat. Beasley ist ehemalige Richterin am Supreme Court des Bundesstaates North Carolina und befürwortet das Recht auf Abtreibung. © Sean Rayford/AFP
Mark Kelly kandidiert für die Demokraten
In Arizona wird der demokratische Amtsinhaber Mark Kelly vom Trump-Schützling und rechtsextremen Republikaner Blake Masters herausgefordert. Kelly ist ehemaliger Astronaut und Ehemann der ehemaligen Abgeordneten Gabby Giffords, der bei einer Veranstaltung in den Kopf geschossen wurde und die überlebte. Demzufolge setzt sich Kelly für strengere Schusswaffengesetze ein. © Kevin Dietsch/AFP
Blake Masters kandidiert für die Republikaner
Der rechtsextreme Republikaner Blake Masters fordert in Arizona den demokratischen Amtsinhaber Mark Kelly heraus. Masters ist ein Schützling Donald Trumps und sprach sich im Vorwahlkampf nicht nur gegen Abtreibungen, sondern auch gegen Empfängnisverhütung aus. Er ist auch Anhänger des rechten, rassistischen Verschwörungsmythos vom „Großen Austausch“. © Brandon Bell/afp
Maggie Hassan kandidiert für die Demokraten
Die Demokratin Maggie Hassan ist die Amtsinhaberin des Senatssitzes für New Hampshire. Sie wird von dem Republikaner Don Bolduc herausgefordert. Hassan konzentriert sich im Wahlkampf auf den Schutz des Rechts auf Abtreibung. Sie war bereits Gouverneurin von New Hampshire. © Scott Eisen/AFP
Don Bolduc kandidiert für die Republikaner
Der Republikaner Don Bolduc fordert in New Hampshire die demokratische Amtsinhaberin Maggie Hassan heraus. Bolduc lobte die höchst umstrittene Anti-Abtreibungsentscheidung des Supreme Courts. Der pensionierte Brigadegeneral ist ein rechtsextremer Kandidat, doch er wird nicht von Donald Trump unterstützt. © Scott Eisen/AFP
Michael Bennet kandidiert für die Demokraten
In Colorado wird der demokratische Amtsinhaber Michael Bennet von dem Republikaner Joe O’Dea herausgefordert. Bennet hat sich während seiner Amtszeit auf die Ausweitung der Steuergutschrift für Kinder konzentriert. Er macht auch Wahlkampf mit den Mitteln aus dem Infrastrukturpaket, die seinem Bundesstaat zuerkannt wurden. © POOL

Midterms: DeSantis republikanischer Kandidat 2024? — Trump droht bereits

Der deutliche Wahlsieg stärkt DeSantis‘ Position bei den Republikanern. Viele Konservative wünschen sich DeSantis als Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2024. Er selbst hat noch nicht erklärt, ob er die Präsidentschaftskandidatur anstrebt, gilt aber als einer der wenigen Republikaner, die es bei den Vorwahlen mit Trump aufnehmen könnten. Das hat zu einer Rivalität der beiden Politiker geführt.

Im Sender Fox News warnte Trump DeSantis vor einer Präsidentschaftskandidatur. Der Gouverneur würde sich damit selbst „sehr schaden“: „Ich denke, er würde einen Fehler machen, ich denke, die Basis würde es nicht mögen.“ Trump warnte gar, er könne Dinge über DeSantis sagen, die „nicht sehr schmeichelhaft“ wären. „Ich weiß mehr über ihn als jeder andere - mit Ausnahme vielleicht von seiner Frau.“ Die Ergebnisse der US-Midterms finden Sie in unserem Ticker. (bb/dpa)

Rubriklistenbild: © Octavio Jones/Getty Images/AFP

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