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Nils Thomas Hinsberger
Nail Akkoyun
Christian Stör
Die Ampel trifft sich mit der Union zum Migrationsgipfel. Prompt folgt die Kritik an dem Vorhaben der Regierung. Der News-Ticker zum geplanten Gipfel.
Update vom 11. September, 5.25 Uhr: Nach dem Scheitern der Migrationsgespräche zwischen Ampel-Regierung und Union fordert FDP-Chef Christian Lindner einen neuen Anlauf auf höchster Ebene. Unionsfraktionschef Friedrich Merz sollte mit Kanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und ihm selbst persönlich verhandeln, schrieb Lindner auf der Plattform X. „Die Absage der Union an den Asylgipfel darf nicht das letzte Wort sein.“ Er fügte hinzu: „Wir werden gemeinsam das Problem lösen.“ Deutschland brauche Kontrolle und Konsequenz bei der Migration.
Update vom 10. September, 20.45 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat die CDU wegen des abgebrochenen Migrationsgipfels scharf kritisiert. „Ich kann nur sagen: Das Rausgehen aus dieser Runde, das stand schon vorher fest. Und das ist blamabel für diejenigen, die das zu verantworten haben“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Bundeskanzler bei einer Veranstaltung des sogenannten Seeheimer Kreises der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin.
Merz habe bereits im vergangenen Jahr ähnliche Gespräche mit Bund und Ländern abgebrochen. Vor den aktuellen Gesprächen habe er zunächst aus vertraulichen Gesprächen der Öffentlichkeit berichtet und die daraufhin angekündigten Gespräche nun wieder abgeblasen. „Führung sieht anders aus. Charakter, Ehrlichkeit und Festigkeit sind für dieses Land gefragt und nicht solche kleinen Taschenspielertricks und Provinz-Schauspielereien“, so Scholz.
Update vom 10. September, 19.20 Uhr: Der FDP-Generalsekretärs Bijan Djir-Sarai äußert heftige Kritik am Abbruch der Migrationsgespräche durch die Union. „Es ist vollkommen unverständlich, dass die Union die Verhandlungen verlassen hat“, so Djir-Sarai. Er betonte, es gebe keinen Grund für das Scheitern des Gipfels gebe. „Schließlich wurde ihr angeboten, dass ihre Vorschläge zur Zurückweisung von Asylbewerbern eins zu eins umgesetzt werden.“
Union bricht Migrationsgipfel ab – Ampel-Vorschläge sollen Herausforderungen nicht gerecht werden
Update vom 10. September, 17.49 Uhr: Im Spitzengespräch über eine bessere Steuerung und Kontrolle der Migration sind Union und Bundesregierung nicht vorangekommen. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, kritisierte, vorgelegte Vorschläge zielten nicht auf zusätzliche Zurückweisungen, sondern auf beschleunigte Verfahren im Land. Sie würden damit den Herausforderungen nicht gerecht. Die Union werde aber „alles unterstützen, was unserem Land hilft“.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit




Update vom 10. September, 17.27 Uhr: Der Union gehen die Pläne von Innenministerin Faeser offenbar nicht weit genug – und bricht die Gespräche ab. Dies berichten Medien übereinstimmend. So sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gegenüber der Bild-Zeitung: „Die Ampel ist Grün-blockiert! Die Ampel ist nicht zu wirksamen Maßnahmen zur Begrenzung der irregulären Migration in der Lage. Diese Handlungsunfähigkeit ist eine Gefährdung der Ordnung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland. Die Verweigerung der Ampel, wirksame Maßnahmen wie die umfassende Zurückweisung an den Grenzen umzusetzen, ist eine Kapitulation.“
Bei ihren Migrationsgesprächen hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) der Union und den Ländern ein Maßnahmenpapier vorgeschlagen, das unter anderem die vorübergehende Inhaftierung von bestimmten Geflüchteten an den Grenzen vorsieht. Dieses Verfahren solle, wie es aus Regierungskreisen gegenüber AFP hieß, für diejenigen Geflüchteten angewandt werden, die in Deutschland Asyl begehren, für deren Asylverfahren aber ein anderer EU-Mitgliedstaat zuständig ist. Die Bundespolizei soll demnach Haftkapazitäten prüfen und eine Unterbringung bei Gericht beantragen. Die Union hatte sich jedoch gegen eine aufwendige Prüfung im eigenen Land und für konsequente Abweisungen an der Bundesgrenze ausgesprochen.
Faeser stellt Ampel-Pläne bei Migrationsgipfel vor: Abschiebemaßnahmen sollen verstärkt werden
Update vom 10. September, 16.55 Uhr: Die Bundesregierung will Asylbewerber künftig rascher in für sie zuständige europäische Staaten bringen. Ein Modell dazu habe man in den aktuellen Gesprächen mit Vertretern von Ländern und Union vorgeschlagen, verlautete aus Regierungskreisen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) soll demnach das sogenannte Dublin-Verfahren künftig schneller betreiben. Dabei wird festgestellt, welches europäische Land für ein Asylverfahren zuständig ist. In vielen Fällen ist das jener Staat, auf dessen Gebiet Schutzsuchende zuerst europäischen Boden betreten haben.
Die Bundespolizei soll derweil prüfen, ob es freie Haftplätze gibt und gegebenenfalls beim zuständigen Gericht Haft beantragen, damit Betroffene nicht untertauchen. „Hier ist ein schnelles Handeln der Justiz der Länder erforderlich. Auch müssen die Haftplätze der Länder in ausreichender Anzahl, möglichst in Grenznähe entlang der Migrationsrouten, vorhanden sein“, hieß es. Es gibt in Deutschland 800 Abschiebehaftplätze, nach bisheriger Einschätzung von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ist das zu wenig. „Alternativ soll eine feste Zuweisung und Wohnsitzauflage vorgesehen werden, wenn Haft nicht in Betracht kommt“, hieß es weiter aus Regierungskreisen.
Migrationsgipfel der Ampel: Regierung geht offenbar auch auf Unions-Forderungen ein
Update vom 10. September, 13.40 Uhr: Der Migrations-Gipfel mit der Ampel-Regierung und der Union rückt näher. Um 15 Uhr hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser zur Runde geladen. Nun sickern vorab erste Informationen zu kritischen Punkten durch – und die könnten besonders die CDU um Friedrich Merz freuen.
Wie die Bild berichtet, soll SPD-Ministerin Faeser bereit sein, die Forderungen der Opposition nahezu komplett zu erfüllen. Demnach will die Innenministerin – wie besonders von Merz öffentlich erwünscht – auch an allen Außengrenzen Deutschlands zu Nachbarstaaten Migranten abweisen lassen. Dies solle für Menschen, für deren Asyl-Verfahren andere EU-Staaten oder Schengen-Staaten zuständig sind, gelten wie auch für Migranten, die keinen Pass haben.
FDP-Generalsekretär fordert deutliche Verschärfung der Migrationspolitik
Update vom 10. September, 12.20 Uhr: FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai hat eine rasche überparteiliche Verständigung zur Verschärfung der Migrationspolitik gefordert. „Es braucht jetzt eine nationale Kraftanstrengung und keine Bedenkenträger, die uns ständig nur sagen, weshalb etwas nicht geht“, so Djir-Sarai am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Bund, Länder und Kommunen müssen jetzt an einem Strang ziehen, um das Vertrauen der Bürger in die staatlichen Institutionen langfristig zu sichern.“
Dies sei „die klare Erwartungshaltung aus der Bevölkerung“, sagte Djir-Sarai. Der FDP-Politiker äußerte sich vor dem Treffen von Bundesregierung, Union und Ländern am Nachmittag, bei dem es um ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen die irreguläre Migration gehen sollte. Der FDP-Generalsekretär drängte auf ein rasches Vorgehen. „Die Politik sollte erkannt haben, dass die Probleme bei den Themen Asyl und Migration ohne Verzug gelöst werden müssen“, sagte er. Die am Montag angekündigten Grenzkontrollen an allen deutschen Landesgrenzen sowie die von der Union geforderte „effektive Zurückweisung“ von Geflüchteten an der Grenze seien dabei „wichtige Elemente“.
Union vor Migrationsgipfel: „Es muss ein großer Wurf sein“
Update vom 10. September, 10.41 Uhr: „Wir werden das Gespräch heute Mittag führen“, sagte der Parlamentsgeschäftsführer der Fraktion, Thorsten Frei (CDU), mit Blick auf den Migrationsgipfel. „Wir werden sehen, ob wir die gleiche Sichtweise haben und gemeinsam vorgehen können.“ Frei sagt, er habe seit gestern zwei Gespräche geführt. Schriftlich habe die Bundesregierung noch nichts vorgelegt zum Zurückweisungsmodell. „Die Frage der Zurückweisung ist eine zentrale Frage“, betonte der CDU-Politiker. Sollte es hier bei den Gesprächen mit der Bundesregierung keine Übereinstimmung geben, „dann würde das Format so keinen Sinn mehr machen“.
Frei sagte zu den Erwartungen an die Gespräche mit der Regierung, „es muss ein großer Wurf sein, der etwas Disruptives hat, der eine wirkliche Veränderung bringt“. Er machte zugleich seine Skepsis deutlich: „So restlos überzeugt bin ich von dem Ganzen noch nicht. Ich habe meine Zweifel.“
Nach langem Zögern: Union nimmt an Migrationsgipfel der Ampel teil
Update vom 10. September, 9.23 Uhr: Jetzt also doch: Die Union hat das lange Zögern beendet und die Teilnahme an dem Migrationsgipfel mit der Regierung zugesagt. Das teilte die Fraktion der Nachrichtenagentur AFP mit.
Erstmeldung: Berlin – Die Gespräche zum Thema Migration zwischen der Ampel-Koalition und der Union sollen heute (15 Uhr) fortgesetzt werden. Noch steht allerdings gar nicht fest, ob es auch dazu kommen wird. Die Union besteht weiter darauf, dass die Ampel umfangreiche Zurückweisungen an den Grenzen unterstützt. Die bisherigen Aussagen der Regierung zu diesem Thema sind nach Ansicht der Union widersprüchlich.
Union verlangt vor dem Migrationsgipfel weitere Details von der Ampel
Die Unionsfraktion erwarte weitere Details zur Rechtssicherheit von Zurückweisungen, sagte Thorsten Frei. Bundesinnenministerin Nancy Faeser habe ihm in einem Telefonat „bedauerlicherweise“ keine Details genannt, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer in den ARD-„Tagesthemen“. Die Union hatte weitere Gespräche von der Mitteilung der Rechtsposition der Regierung abhängig gemacht, die in der vergangenen Woche beim Migrationstreffen vereinbart worden war.
Am Montag (9. September) hatte Faeser vorübergehende Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen angeordnet, um die Zahl der unerlaubten Einreisen zu reduzieren. Diese Kontrollen sollen am 16. September beginnen und zunächst sechs Monate dauern. Das Ministerium teilte mit, dass die Regierung ein „Modell für europarechtskonforme und effektive Zurückweisungen entwickelt“ habe. Faeser gab an, sie habe dies der Unionsfraktion mitgeteilt und vertrauliche Gespräche dazu angeboten.
Esken warnt vor überzogenen Maßnahmen gegen Migration
Die SPD-Vorsitzende warnte unterdessen CDU und CSU vor übertriebenen Maßnahmen. „Die Begrenzung der irregulären Migration ist notwendig, aber sie muss auf rechtlich wasserdichten Grundlagen geschehen“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir können nicht einfach EU-Recht und Grundgesetz aushebeln.“
Wir können nicht einfach EU-Recht und Grundgesetz aushebeln.
Esken kritisierte, dass viele Forderungen im Bereich Migration „derzeit auch politisch ins Blaue hinein und überhitzen damit die Debatte“. Und weiter: „Um die Migration zu regeln, braucht es aber kein Ressentiment, sondern konkret wirksame Politik, wie die Bundesregierung sie vorgeschlagen hat“.
Die Grünen werfen der Union vor dem Migrationsgipfel „Erpressungsversuche“ vor
Die Grünen äußerten derweil scharfe Kritik an der Haltung der Union. „Friedrich Merz benimmt sich wie ein trotziges Kind“, sagte Irene Mihalic, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Diese Erpressungsversuche sind nur noch lächerlich.“
Mihalic warnte die Union ebenfalls davor, das Recht zu missachten. „Vorschläge, die Recht brechen, machen wir nicht mit“, sagte sie dem RND. Die Grünen streben an, die Vollzugsdefizite in der Sicherheitspolitik zu beheben. Mihalic hatte einen Vorstoß ihrer Fraktion initiiert, um die Sicherheits- und Verfolgungsbehörden nach dem Messerangriff von Solingen zu stärken.
Scholz bekräftigt vor dem Migrationsgipfel Angebot zu Kooperation
Kanzler Scholz betonte indes, dass die Regierung an gemeinsamen Lösungen interessiert sei. „Wir würden uns auch freuen, wenn wir da noch was gemeinsam machen können, auch mit der Opposition“, sagte der SPD-Politiker beim Sommerfest der Parteizeitung Vorwärts. „Im Rahmen klarer Prinzipien. Aber wir würden uns wirklich freuen.“ Er versicherte, dass das Angebot der SPD ernst gemeint sei. „An uns wird es nicht liegen, falls es nicht klappt“, fügte der Kanzler hinzu. (dpa/AFP/cs)
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