VonJana Stäbenerschließen
Wer vom Pretty Privilege profitiert, bekommt, weil er oder sie hübsch ist, eher was er will. Bei Menschen mit Migrationshintergrund sieht das anders aus.
Attraktive Personen mit Migrationshintergrund haben weniger wahrscheinlich Vorteile auf dem deutschen Arbeitsmarkt als ihre attraktiven Kolleg:innen ohne Migrationshintergrund. Zu diesem Schluss kommen Forscher:innen der Bergischen Universität Wuppertal. Migrant:innen profitieren weniger stark vom Pretty Privilege, also davon, dass ihnen aufgrund ihres schönen Aussehens andere positive Eigenschaften zugeschrieben werden.
„Vorteile im Laufe des Lebens, wozu natürlich auch ein höherer Verdienst zählt, können sich zu erheblichen Ungleichheiten in einer Vielzahl von Bereichen summieren“, erklärt Soziologe Reinhard Schunck, der an der Bergischen Universität Wuppertal zu den Themen Migration und Familie forscht.
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Menschen mit Migrationshintergrund: Ungleich auf dem deutschen Arbeitsmarkt
Aktuell diskutieren Politiker:innen viel über das Thema Migration, bei dem eigentlich nur acht Dinge wirklich helfen. Markus Söder (CSU) spricht von „Obergrenzen“ und CDU-Chef Friedrich Merz davon, abgelehnten Asylbewerber:innen erst nach drei Jahren Sozialleistungen zu zahlen. Immer wieder ist die Rede davon, dass Deutschland zwar 1,5 Millionen Fachkräfte brauche, aber eben nur die „Fleißigen“, so Christian Lindner (FDP).
Wer sich als „fleißige“ Fachkraft qualifiziert, soll dann leichter Deutscher oder Deutsche werden, findet Nancy Faeser (SPD). Und das, obwohl Fachkräfte echt vieles dringender brauchen, als die deutsche Staatsbürgerschaft, findet unsere Autorin. Zum Beispiel, dass die Gesellschaft sie richtig integriert und gleich behandelt. Auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Dies ist laut den Forschenden der Bergischen Universität Wuppertal zumindest bei körperlicher Attraktivität nicht der Fall:
Während attraktive Personen ohne Migrationshintergrund mehr verdienen als ihre weniger attraktiv wahrgenommenen Kolleg:innen, lässt sich bei Menschen mit Migrationshintergrund kein statistisch relevanter Zusammengang zwischen Schönheit und Job-Erfolg feststellen. Dass „Pretty Privilege“ existiere und unfair ist, sei schon lange klar, so Reinhard Schunck. Nun müsse man herausfinden, warum er nicht für alle „Bevölkerungsgruppen gleichermaßen“ wirke.
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