Fachkräftemangel

9 Ideen, wie Deutschland es schafft, dass 1,5 Millionen Menschen zu uns kommen

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Für den Arbeitsmarkt in Deutschland brauche es viel mehr Zuwanderung, sagt eine Wirtschaftsweise. Wie kann das gelingen?

„Deutschland braucht 1,5 Millionen Zuwanderer im Jahr, wenn wir abzüglich der beträchtlichen Abwanderung jedes Jahr 400.000 neue Bürger haben und so die Zahl der Arbeitskräfte halten wollen“, sagt die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer der Süddeutschen Zeitung (SZ). Das neue Fachkräftegesetz gehe in die richtige Richtung.

„Wir brauchen dringend eine Willkommenskultur. Wenn Intel eine Fabrik in Magdeburg baut und dafür auch ausländische Fachkräfte gewinnen will, müssen die sich dort willkommen fühlen“, sagt sie in Bezug auf den Fachkräftemangel, den aus ihrer Sicht mehr Zuwanderung lösen würde. Auch unsere BuzzFeed-Autorin findet, dass es sich Nancy Faeser nicht leisten kann, mehr Leute abzuschieben.

Doch wie schaffen wir es, dass 1,5 Millionen Menschen im Jahr einwandern? BuzzFeed News Deutschland sammelt neun Ideen, wie das gelingen kann.

1. Mehr Englisch in Behörden

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer (rechts) hat als Maßnahme gegen den Fachkräftemangel mehr Zuwanderung vorgeschlagen.

Das sieht auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer so. Es brauche Ausländerämter, die Einwanderer:innen nicht abschrecken, sondern Service bieten. „Wir sollten nicht für jeden Job fordern, dass die ausländischen Fachkräfte Deutsch können. Sondern dafür sorgen, dass die Mitarbeiter der Ausländerbehörde Englisch können“, sagt Schnitzer der SZ.

Eine weitere Option wäre sicherlich weniger Behördendeutsch, denn bei dem Thema pennt Deutschland immer noch. Und das, obwohl es schon längst eine Vorschrift gibt, verständlich zu schreiben, sagt eine Sprachwissenschaftlerin zu BuzzFeed News. Für sie sei das Thema eine „Frage der gesellschaftlichen Gerechtigkeit“ geworden.

2. Legale Fluchtrouten über das Mittelmeer

Flüchtende Menschen auf dem Mittelmeer.

Immer wieder ertrinken Menschen auf dem Weg nach Europa auf dem Mittelmeer. Anstatt legale Fluchtrouten für diese Menschen zur Verfügung zu stellen, überlege die EU, „wie man Leute davon abhalten kann, nach Europa zu kommen“, findet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und fordert eine „robuste, staatliche Seenotrettungs-Organisation“. Es könne nicht so weitergehen wie bisher, wo die Seenotrettung den NGOs nicht nur überlassen werde, sondern diese von der EU und Ländern wie Italien auch noch kriminalisiert und in ihrer Arbeit behindert würden.

3. Seenotrettung statt neuer Schiffsverkehrsverordnung

Flüchtlinge an Bord des deutschen Seenotrettungsschiffes „Humanity 1“.

Sichtbar werde diese Behinderung auch an einem Referentenentwurf des Bundesverkehrsministeriums (BMDV) zu einer neuen Schiffsverkehrsverordnung, kritisieren im März 2023 verschiedene Seenotretter:innen. In dem steht, dass die Bundesregierung in der Seenotrettung höhere Sicherheitsstandards vorschreiben wolle, die auch kleinere Schiffe ab 24 Metern Länge betreffe.

So sehe man sich mit einer „massiven Erhöhung finanzieller Anforderungen, durch unnötige Anpassungen und einer aktiven Behinderung unserer Arbeit konfrontiert“. Das würde es „unmöglich“ machen, Zuwanderer:innen zu retten, die über die Mittelmeerroute kommen, schreibt Sea Watch zur damals geplanten Änderung von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). Statt mehr

4. Einbürgerung leichter machen

Eine Einbürgerungsurkunde der Bundesrepublik Deutschland und ein deutscher Reisepass liegen auf einem Tisch.

BuzzFeed News Deutschland sprach im November 2022 mit zwei jungen Frauen über ihre Einbürgerung. Sie erzählten uns von ihrem langen Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft. Eine der beiden sagte uns damals, sie sei „nicht einverstanden, wie das alles läuft“ mit der Einbürgerung. Es sei wahnsinnig „kompliziert“. Sie habe einen Job und studiere nebenbei. „Ich lebe nicht vom Staat und kann für mich sorgen. Ich zahle Steuern und verstehe nicht, was dagegen spricht, mich einzubürgern.“

5. Mehr Psycholog:innen, die Englisch sprechen

@paulisingermany Replying to @Adon Nokin be kind ♥️ #munich #germany #mentalhealth ♬ To Build A Home - The Cinematic Orchestra

Die TikTokerin Paula (@paulisingermany) stammt aus Costa Rica und lebt mittlerweile in München. Immer wieder spricht sie auf ihrem Account darüber, wie man sich als Ausländerin in Deutschland so fühlt. Sie übt Kritik daran, dass so wenige Psycholog:innen Behandlungen auf Englisch anbieten. „Ich denke, es ist fair, dass Einwanderer Ärzte und Psychologen fordern dürfen, die Englisch können. Migranten haben dieselben Rechte wie ihr, vergesst das nicht“, sagt sie in ihrem Video.

6. Kein „abscheulicher Automatismus“ nach Taten wie in Illerkirchberg

Alice Weidel (AfD) twitterte zur Tat in Illerkirchberg, dass einige Männer, die als „Flüchtlinge“ nach Deutschland kommen, ein Problem seien.

Den Taten wie in Brokstedt, oder Illerkirchberg, wo ein 27-jähriger Mann zwei Mädchen angriff, bekommen immer wieder eine politische Dimension, wenn ein Asylbewerber oder ein Migrant der Täter ist. Rechte und AfD-Politiker:innen hetzen dann auf Twitter, „dass wir ein Problem mit einigen Männern haben, die als ‚Flüchtlinge‘ nach Deutschland kamen“.

Für den Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje ist das keine Überraschung. „In sozialen Netzwerken wie Twitter gibt es nach solchen Taten einen abscheulichen Automatismus: Noch bevor die Hintergründe bekannt sind, wird die Tat von der AfD und anderen extrem rechten Akteuren instrumentalisiert“, sagt er BuzzFeed News Deutschland.

7. Weniger Muslim:innen-Feindlichkeit

Weil sie ihre Lehrerin dabei aufnahm, wie sie ihr aufgrund ihrer Verschleierung ins Gewissen redete, wird gegen eine Schülerin aus Baden-Württemberg nun ermittelt. (Symbolbild)

In Deutschland, aber auch anderen europäischen Ländern diskutieren wir oft darüber diskutiert, wo und ob Toleranz ihre Grenzen hat. Vor allem beim Thema Islam. Dürfen Frauen einen Nikab (Vollverschleierung) tragen? Das wurde einer Schülerin aus Baden-Württemberg nämlich verboten. Die TikTokerin filmt den brisanten Disput mit ihrer Lehrerin und spürt die Folgen prompt.

Oder ist selbst ein Kopftuch als religiöses Symbol problematisch, weil es nicht neutral genug ist? Nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes werden gerade muslimische Frauen mit Kopftuch überdurchschnittlich häufig im Arbeitsleben diskriminiert. Schon bei ihrer Bewerbung werden Frauen mit Kopftuch benachteiligt. In Berlin soll die Aufhebung des Neutralitätsgesetzes helfen. Sie sei zwar „nicht ausreichend, aber ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt die Bundesvorsitzende Ayten Kılıçarslan des Sozialdiensts muslimischer Frauen (SmF) gegenüber BuzzFeed News Deutschland.

8. Kein Racial-Profiling mehr

Über das beklagte sich der Comedian und Podcaster Aurel Mertz und warf der Polizei Bayern vor, Racial Profiling betrieben zu haben. „Fahre gerade für mein Stand-Up-Programm auf der Autobahn nach München. Dann umkreist uns ein Polizeiauto, bis es uns herauswinkt“, erzählt Mertz und nennt Bayern und die Polizei dort einen „Racial Profiling State“ (siehe oben). Es habe sich bei der Durchsuchung um eine sogenannte „Schleierfahndungskontrolle“ gehandelt, schreibt er.

Um ihn herum seien lauter Autos gewesen, die zu schnell fuhren, aber man habe trotzdem ihn angehalten. „Dann schön ohne Einwilligung durch unsere Koffer und Klamotten wühlen, weil Schleierfahndung einfach Freifahrtschein, um Schwarze, Indigene und People of Color (BIPOC) zu schikanieren.“

9. Am besten Sachsen-Anhalt und Thüringen verkaufen

Björn Höcke (l), Vorsitzender der AfD Thüringen und Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender (r) gratulieren dem Wahlsieger Robert Sesselmann (AfD) im thüringischen Sonneberg. Er ist der erste Landrat der Partei.

Nur ein Scherz natürlich. Aber dass diese Bundesländer den ersten AfD-Landrat Robert Sesselmann und den ersten AfD-Bürgermeister Hannes Loth gewählt haben, lässt die so sehr benötigten Zuwanderer:innen sicher nicht mit besserem Gefühl nach Deutschland kommen.

(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa, Michael Kappeler/dpa/Collage

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