Militärgüterbewegung auf der Krim: Plant Russland eine neue Offensive?
VonSimon Schröder
schließen
Die Verlagerung von russischen Militärgütern auf der Krim könnte darauf hindeuten, dass eine neue Offensive an der südlichen Ukraine-Front von Russland geplant wird.
Update vom 13. Dezember: Russland wird im Ukraine-Krieg wieder stark aktiv. Während im Süden eine riesige Panzer-Kolonne entdeckt wurde (siehe Erstmeldung) hat Putins Militär in der Nacht erneut massiv mit Drohnen und Raketen angegriffen. Das teilte die ukrainische Luftwaffe mit. Das russische Militär habe auch mehrere MiG-31-Kampfflugzeuge gestartet, die mit Hyperschallraketen des Typs Kinschal ausgestattet waren. Militärbeobachtern zufolge wurden Kinschal auf Ziele in der Westukraine im Bereich des Wärmekraftwerks Burschtyn und den Militärflughafen Starokostjantyniw abgeschossen. Mehrere Einschläge von Marschflugkörpern habe es im südukrainischen Gebiet Odessa gegeben. Offizielle Bestätigungen gab es zunächst nicht.
Putins Panzer-Kolonne entdeckt: Ukraine alarmiert – Russland holt zu finalem Schlag aus
Erstmeldung vom 13. Dezember:Russlands Armee mobilisiert Militärgerät auf der ukrainischen Halbinsel Krim. Die pro-ukrainische Partisanengruppe Atesh dokumentierte, wie sich ein russischer Konvoi mit zahlreichen Fahrzeugen – darunter auch Panzer, Schützenpanzer und Mannschaftstransporter – auf den Weg in Richtung Saporischschja an die Ukraine-Front machte. Die Truppenbewegung könnte dabei auf eine neue Offensive der russischen Armee in der Region Saporischschja andeuten, wie die Partisanen weiter schreiben.
Auf Telegram verkündete die Gruppe: „Alle gesammelten Informationen sind bereits weitergegeben worden. Wir wissen, wo und wie wir verhindern können, dass diese Ausrüstung das ukrainische Festland erreicht!“ Dabei spioniert die ukrainische Gruppe schon lange die russischen Truppen in der von Russland 2014 annektierten Halbinsel-Krim aus. In Russland ist die Organisation als Terrorgruppe gebrandmarkt. Vor allem die Truppenbewegungen der russischen Armee werden von den Atesh-Partisanen regelmäßig aufgezeichnet und an die entsprechenden Stellen der ukrainischen Behörden weitergeleitet.
Atesh-Partisanen auf der Krim-Halbinsel: Der Kampf gegen Putin auf feindlichem Gebiet
Anfang 2024 sprachen einige der Widerständler mit der britischen BBC und beschrieben ihre Arbeit auf der Halbinsel. Sollte die russische Armee die Partisanen bei einer Spionage- oder Sabotageaktion entdecken, droht eine lange Gefängnisstrafe – im schlimmsten Fall gar der Tod. „Ich habe wahrscheinlich zwei Wochen lang in meinem Kopf geplant, wie und was ich tun würde“, sagte ein Partisan gegenüber der BBC. „Ich plante die Route, die Hauptsicherung, was ich sagen sollte, falls ich bemerkt würde.“
❗️#ATESH tracks 🇷🇺 military equipment moving from Crimea to Zaporizhzhia. A convoy with tanks, IFVs, APCs, and trucks was spotted heading north. The intel has been shared, and we know how to stop it.#RussianUkrainianWarpic.twitter.com/vNpxh4VF3o
In den ukrainischen Gebieten, die von Russland besetzt sind, soll es zahlreiche weitere kleinere Graswurzel-Bewegungen geben, die aktiv gegen den völkerrechtswidrigen Krieg vorgehen – im kleinen wie im großen. Dabei ist die Krim-Halbinsel für Russland im Ukraine-Krieg von großer Bedeutung. Zum einen hält die Krim für Wladimir Putin eine große symbolische Wirkkraft. Zum anderen ist sie militärisch für den Ukraine-Krieg wichtig. Sewastopol ist gewissermaßen der Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte, außerdem starten von hier oft russische Bomber, um die ukrainischen Stellungen anzugreifen.
Die Bedeutung der Krim für Russland – Verluste Putins mit Rekord im November
Für die russische Armee im Süden der Ukraine ist die Krim auch ein wichtiger Knotenpunkt zur Versorgung. Seit mindestens einem Monat intensivieren sich die Kämpfe in an der südlichen Ukraine-Front in der Saporischschja Region. Der Truppen und Fahrzeug Nachschub, wie von den Atesh-Partisanen dokumentiert, könnte nun auf eine weitere Offensive in der Region hindeuten. Vor allem die Gebiete um Wremiwka, Huljajpole und Robotyne stehen unter großem Druck, der angreifenden russischen Armee standzuhalten, wie der britische Guardian berichtet.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Mitte November äußerte sich Vladyslav Voloshyn, Sprecher der ukrainischen Armee, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: „Die Russen bereiten sich seit einiger Zeit, seit mehreren Wochen, auf Angriffsoperationen in mehreren Richtungen vor, insbesondere in Richtung Saporischschja.“ In den vergangenen Wochen hatte Russland seine Angriffe auf die ukrainischen Stellungen an der Front intensiviert und Land gut machen können. Doch der Fortschritt kommt mit einem hohen Preis. Im November verzeichneten die Russen ihre schwersten Verluste jemals. Allein im November sollen sich laut ukrainischen Angaben die russischen Verluste auf 45.720 belaufen. (sischr)