Ernährung

Millionen sind zu arm für gesundes Essen: Özdemirs vergeblicher Kampf

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Drei Millionen Menschen in Deutschland können sich Obst und Gemüse oft nicht leisten. Der grüne Ernährungsminister Cem Özdemir will das nicht hinnehmen und das Bürgergeld erhöhen – doch er scheitert an Bundessozialminister Hubertus Heil.

Es war kurz vor Weihnachten 2022, als Bundesernährungsminister Cem Özdemir in einem Gastbeitrag für die „Welt“ schrieb: „Auch in einem reichen Land wie Deutschland gibt es Ernährungsarmut.“ Es war das erste Mal, dass ein Mitglied der Bundesregierung dieses Problem politisch anerkannte, das wissenschaftlich schon lange beschrieben ist.

In einkommensschwächeren Haushalten werde an Obst und Gemüse gespart, um mit anderen Lebensmitteln schneller satt zu werden, führte der Grünen-Politiker aus. Später kündigte er an, soziale Aspekte zu einem Schwerpunkt der bereits im Koalitionsvertrag geplanten Ernährungsstrategie der Bundesregierung zu machen. Gesundes Essen müsse für alle bezahlbar sein, so Özdemirs Versprechen.

Grüne wollen Wort halten – „Gutes Essen für Deutschland“, aber keine konkreten Maßnahmen

Inzwischen liegt die Ernährungsstrategie vor, mit dem Titel „Gutes Essen für Deutschland“ im Januar dieses Jahres vom Kabinett beschlossen. Das Thema Ernährungsarmut erwähnt sie zwar. Nach konkreten Maßnahmen aber sucht man auf den 54 Seiten vergeblich.

Interne Unterlagen aus dem Bundesernährungsministerium (BMEL), die der FR vorliegen, zeigen: Özdemir wollte durchaus Wort halten. Er ließ tatsächlich einen umfassenden Maßnahmenplan gegen Ernährungsarmut entwickeln – dieser scheiterte jedoch am Widerstand des Bundessozialministeriums (BMAS) von Hubertus Heil (SPD).

Özdemir such den Austausch – Drei Millionen Menschen „durch materielle Ernährungsarmut gefährdet“

Dass eine schlechte Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen eine gesunde Entwicklung von Kindern behindern und lebenslange Folgen haben kann, ist bekannt. In den vergangenen Jahren zeigten mehr und mehr Studien auf, dass dies ein Problem in Deutschland darstellt – und zwar nachweislich auch aus finanziellen Gründen. Der politisch unabhängige Wissenschaftliche Beirat des BMEL (WBAE) bezifferte die Zahl der „durch materielle Ernährungsarmut gefährdeten“ Menschen in Deutschland im Jahr 2023 mit drei Millionen.

„Leckeres, gesundes und nachhaltiges Essen darf nicht vom Geldbeutel abhängen“, sagt Cem Özdemir.

Mit diesen Fakten konfrontieren Özdemirs Fachleute früh auch die Kolleg:innen des BMAS. Offenbar ahnen sie bereits, dass es schwierig werden könnte. Denn lange bevor das BMEL die meisten anderen Ministerien zur Abstimmung der gemeinsamen Ernährungsstrategie konsultiert und Entwürfe verteilt, sucht es den Austausch mit dem Sozialressort. So geht es aus den Unterlagen zur Ressortabstimmung hervor, die das BMEL nach einem Informationsfreiheitsantrag herausgeben musste.

Cem Özdemirs Plan gegen Ernährungsarmut – Grünes Pilotprojekt verteilt Gutscheine

„Auch das Thema Ernährungsarmut soll in der Strategie behandelt und mit Maßnahmen unterfüttert werden“, schreiben Beamte aus Özdemirs Referat 724 – zuständig für Sozialpolitik – demnach am 7. Juni 2023 an das BMAS. Beigefügt: Ein Textdokument mit Zielen und Maßnahmen, „die aus Sicht des BMEL (…) in die Ernährungsstrategie aufgenommen werden sollten“.

Was der E-Mail anhängt, wäre nicht weniger als der erste umfassende Plan gegen Ernährungsarmut in Deutschland gewesen. Das BMAS solle ein Monitoring errichten, um „eine valide Datenlage“ über die von Ernährungsarmut betroffenen Menschen und ihren Gesundheitszustand zu schaffen, schlägt das BMEL vor. In einem Pilotprojekt will es Gutscheine für Obst und Gemüse an Einkommensschwache verteilen und die Erfahrungen damit auswerten. Vor allem eine Forderung hat es in sich: Das BMEL will die staatlichen Grundsicherungsleistungen – das Bürgergeld und die Grundsicherung im Alter – bis 2030 erhöhen, um „künftig eine gesundheitsförderliche und nachhaltige Ernährung für alle Menschen zu ermöglichen“.

Grüne wollen mehr Sozialleistungen prüfen – Bundesregierung soll Lebensmittelbudget betrachten

Özdemirs Ministerium bringt dafür eine ganz neue Berechnungsmethode für den Höhe der Sozialleistungen ins Gespräch: Demnach müsste die Bundesregierung in Zukunft erst prüfen, welches Budget ein gesunder Lebensmitteleinkauf nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfordert. So viel Geld für Essen müsste den Leistungsbeziehenden dann garantiert werden.

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Bürgergeld: Reichen 6,42 Euro pro Tag für gesunde Ernährung?

Auch die „soziale Teilhabe im Ernährungsbereich“ sollen Transferleistungen künftig ermöglichen. Was genau das bedeutet – ob das Bürgergeld beispielsweise auch eine bestimmte Anzahl an Restaurantbesuchen abdecken soll – führt das BMEL nicht aus. Doch der Plan ist weitaus mehr als eine lose Ideensammlung: Das ausformulierte, messbare „Ziel“ offenbart, wie ernst es Özdemir ist: „Die Bundesregierung will die Zahl der Menschen, die von Ernährungsarmut betroffen sind, bis 2035 halbieren und bis 2050 um 95 Prozent reduzieren“, heißt es in dem Vorschlag an das BMAS.

Özdemirs Leute blitzen im Sozialministerium ab – keine „effektiven Maßnahmen“ gegen Ernährungsarmut

Noch für den 15. Juni 2023 verabreden sich die Fachleute beider Ministerien den Unterlagen zufolge zu einer Videokonferenz. Nach Angaben des BMEL existiert zu diesem Gespräch kein Protokoll. Fest steht jedoch: Von Özdemirs Vorschlägen bleibt nichts übrig – seine Leute blitzen bei Hubertus Heils Beamt:innen ab. Als das BMEL schließlich den Entwurf seiner Ernährungsstrategie im November 2023 zur Ressortabstimmung an die anderen Ministerien verschickt, fehlen beim Thema Ernährungsarmut sowohl das ehrgeizige Ziel wie auch die konkreten Maßnahmen.

Ausgestanden ist der Streit damit noch lange nicht. Denn das BMEL unternimmt in seinem Entwurf einen letzten Versuch, wenigstens einen kleinen Teil von Özdemirs politischem Versprechen zu retten. Eine interministerielle Projektgruppe soll „effektive Maßnahmen“ gegen Ernährungsarmut erarbeiten, heißt es in dem Entwurf. Das ist nicht mehr als ein Arbeitskreis, doch selbst dieser Vorschlag findet nicht den Segen des BMAS.

„Mindestsicherungsleistungen, die Armut verhindern“ – Grüne Strategie vorerst gescheitert

Das Sozialministerium fordert in seinen Kommentaren zunächst sogar, das Wort „Ernährungsarmut“ gänzlich aus der Strategie zu streichen. Man lehne die Definition des BMEL „ausdrücklich ab“, teilt das Referat G a 2, zuständig für Armuts- und Reichtumsfragen, am 30. November 2023 mit. Wenn überhaupt, gebe es nur Armut, aber keine Unterkategorien von Armut, schreibt ein BMAS-Beamter in die Kommentarspalte neben dem Entwurfstext. Aber selbst das will man im Sozialministerium eigentlich nicht erkennen: „Es gibt Mindestsicherungsleistungen, die Armut verhindern“ – basta.

Am Ende verzichtet das BMEL auf den Begriff „materielle Ernährungsarmut“ für die Situation von Menschen, denen „die finanziellen Mittel fehlen“, um sich gesund zu ernähren. Auch das Wort „Armut“ verschwindet an einigen Stellen aus dem Entwurf, und anstelle von Armutsbetroffenen ist von „Personen mit geringem Einkommen“ die Rede. Das Wort „Ernährungsarmut“ aber bleibt der Strategie erhalten – ein symbolischer Erfolg des BMEL, das ansonsten jedoch auch bei seinen letzten Maßnahmenideen nachgibt: Anstelle der Projektgruppe soll sich lediglich eine „Untergruppe“ der ohnehin geplanten interministeriellen Arbeitsgruppe („Imag“), die die Umsetzung der Ernährungsstrategie als Ganzes begleiten soll, mit dem Thema Ernährungsarmut befassen. Ein Arbeitskreis des Arbeitskreises also, noch dazu ohne klaren Auftrag.

Wissenschaftler:innen warnen – Stressfaktor „armutsbedingter Mangelernährung“

Ins Blickfeld der Kontroverse gerät auch der Wissenschaftliche Beirat des BMEL. Der WBAE hatte bereits 2020 auf Basis der damaligen Studienlage vor „armutsbedingter Mangelernährung und teils auch Hunger“ in Deutschland gewarnt und ein Entwicklungsrisiko für Kinder beschrieben. „Laut des WBAE reichen die derzeitigen staatlichen Grundsicherungsleistungen nicht für eine gesundheitsförderliche und nachhaltige Ernährung aus“, schrieb das BMEL sachlich zutreffend in den Entwurf der Ernährungsstrategie – und muss auf Drängen des BMAS auch diesen Satz löschen. Ja, ein „geringer finanzieller Spielraum“ sei ein „Stressfaktor“ – darüberhinausgehende Verweise auf den WBAE seien jedoch „nicht akzeptabel“.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
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Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Ganz anders die Rückmeldung aus dem Umwelt- und Verbraucherschutzministerium, das Özdemirs Parteifreundin Steffi Lemke untersteht. Im Zuge der Ressortabstimmung schlägt es vor, noch ein Fernziel in die Strategie aufzunehmen: „die Tafeln durch eine geeignete Ernährungs- und Sozialpolitik obsolet zu machen.“ Das BMEL kann sich dafür nicht erwärmen – mutmaßlich, weil die Fronten mit dem BMAS bereits derart verhärtet sind.

Özdemir will Strategie der Grünen als Erfolg verkaufen – Doch der Plan ist im Vorfeld gescheitert

Zwischen den beiden Häusern entwickelt sich im Dezember 2023, kurz vor Beschluss der Ernährungsstrategie, eine intensive E-Mail- und Telefon-Diplomatie, an deren Ende sich das BMAS weitgehend durchsetzt. In der Ernährungsstrategie heißt es schließlich nur noch vage, dass es auf Basis von Sozialleistungen „schwieriger“ sei, sich gesund zu ernähren, was auch mit den angeblich „mangelnden Ernährungskompetenzen“ der Betroffenen zu tun habe.

Cem Özdemir gibt sich später sich einige Mühe, die Ernährungsstrategie als Erfolg zu verkaufen. „Leckeres, gesundes und nachhaltiges Essen darf nicht vom Geldbeutel abhängen oder davon, aus welcher Familie man kommt“, lautet sein Statement, nachdem das Kabinett im Januar dieses Jahres das Papier beschlossen hatte.

Dass praktisch alle Ideen, um dieses Bekenntnis in die Realität zu überführen, bereits im Vorfeld gescheitert waren, das sagt er nicht.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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