VonStefan Schollschließen
Um das Weiße Haus auf seine Seite zu ziehen, bearbeitet Russland den US-Präsidenten vor allem mit wirtschaftlichen Offerten.
Ganz oben, dort wo die hundertste Etage des Trump-Towers sich in die Wolken über Moskau bohren sollte, war ein mehrstöckiges Penthouse im Wert von 50 Millionen Dollar geplant. Das US-Magazin „Forbes“ schreibt, dieses Penthouse sollte ein Geschenk für Wladimir Putin werden. Ein Geschenk, das nach Bestechung roch, Kremlsprecher Dmitri Peskow behauptete später, Donald Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen habe so ein Geschenk in keinem seiner Briefe bezüglich des Projekts erwähnt. Und Trumps Projektmanager Felix Sater versicherte, von Korruption könne keine Rede sein – jemand wie Putin sei nicht mit einem Penthouse zu kaufen …
Das war vor Trumps erstem Wahlsieg 2016. Damals wollte er nicht nur Präsident werden, sondern auch ein Rekordhochhaus in Moskau bauen. „Trump Tower Moscow comes next“, twitterte er 2013, nachdem er in Moskau Miss-Universe-Wahlen veranstaltet hatte.
Wolkenkratzer in Moskau: Pläne wie schon 2013
Geplant war ein Glas-Obelisk mit 100 Stockwerken, das höchste Gebäude Europas. Ein kühnes, ja windiges Geschäft, in das die Brüder Arkadi und Boris Rotenberg, beide alte Putin-Kumpel, einige Hundert Millionen Dollar stecken sollten. Aber die stiegen nicht ein. Und Trump zog es vor, seine Chancen als Präsidentschaftskandidat nicht für ein unfinanziertes Wolkenkratzerprojekt in Moskau zu riskieren.
Jetzt ist Trumps Moskauer Tower als Thema wieder da. Diesmal aber will nicht Trump Putins Gunst gewinnen. Sondern umgekehrt: „Der Kreml sucht jetzt nach Anreizen, von denen er glaubt, dass sie die Aufmerksamkeit von Donald Trump auf sich ziehen und bewahren können“, ist in der „Moscow Times“ zu lesen unter Berufung auf Quellen in der russischen Regierung, der Präsidialverwaltung und drei Staatskonzernen. Im Gespräch sei jetzt sogar ein 150 Etagen hoher Trump Tower in Moskwa City. Das Projekt könne schnell gestartet werden, Trump selbst an der Grundsteinlegung teilnehmen. Denn „Tempo, Effekt und Show sind Dinge, die Trump intuitiv schätzt“, wird in der „Moscow Times“ eine kremlnahe Quelle zitiert. Und im Moskauer Rathaus hieß es, die Stadt werde sich dem Projekt mit Freude widmen.
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In der Staatsduma wird der Tower offen besprochen. Wladimir Koschelew, Vizechef des Komitees für Bauwesen, sagte der Zeitung „Wetschernaja Moskwa“, in Moskwa City gäbe es keine freien Bauplätze mehr, aber man könne ein Trump-Zentrum im Südwesten der Hauptstadt errichten.
Unklar ist, ob das dann höchste Gebäude Europas als Riesenschmeichelei für Trump gedacht ist, oder ob man vorhat, ihm insgeheim auch geschäftliche Anteile anzubieten. Jedenfalls scheint man im Kreml zu hoffen, dass der US-Präsident Putin nicht nur als Autokrat, sondern auch als Multimilliardär bewundert. Und dass man am leichtesten wirtschaftlich mit Trump ins Geschäft kommen kann. Moskau schlägt gemeinsame Rohstoffförderung, Logistikprojekte oder Ölpreisgestaltung vor, will mit den USA und Saudi-Arabien zum Mars fliegen. Und die Ostseepipeline Nord Stream 2 möchte man mit Hilfe US-amerikanischer Investoren wieder in Betrieb nehmen.
Was Gasröhren angeht, hat der Kreml hinter den Kulissen schon ganz andere westliche Politiker auf seine Seite gebracht. Etwa Gerhard Schröder, der 2005 erst Nord Stream 1 absegnete, dann zwei Wochen nach dem Ende seiner Kanzlerschaft Aufsichtsrat der russischen Betreibergesellschaft wurde.
Effekt wie Nord Stream
Aber auch Angela Merkel war betroffen. Ihre Regierung setzte nach der Annexion der Krim durch Russland 2014 den gemeinsamen Bau von Nord Stream 2 fort und führte damit alle Sanktionen gegen Moskau und seinen hybriden Angriff auf die Ukraine ad absurdum.
Auch jetzt trägt Russlands Werben um Trump erste Früchte im Kampf mit der Ukraine. Der hat Kiew jede kostenlose Waffenhilfe gestrichen, ihren Beitritt zur Nato ausgeschlossen. Und nach sich verdichtenden Medienberichten sieht der Waffenstillstandsplan vor, dass die USA ihre Sanktionen gegen Russland zumindest teilweise aufheben, außerdem die Krim juristisch als russisch anerkennen. Die Sicherheit der Ukraine aber will Trump in keiner Weise garantieren.
Kiew sträubt sich gegen die Bedingungen, weshalb US-Außenminister Mark Rubio am Mittwoch nicht zu den geplanten Verhandlungen mit den Ukrainern nach London kam. Trump gibt sich erst gar keine Mühe zu vermitteln. Er macht Außenpolitik, als hoffe er noch auf einen ganz großen Immobiliendeal in Moskwa City.
