„Wehrt euch oder sterbt“: Musk ruft bei rechter Großdemo explizit zu Gewalt auf
VonSebastian Richter
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Tesla-Chef Musk schaltete sich per Video zur Londoner Demo des Rechtsextremisten Robinson zu. Seine Botschaft: Gewalt sei unvermeidlich.
London – Bei der größten rechtsextremen Demonstration in der Geschichte Großbritanniens hat Elon Musk per Videoschalte zu Gewalt aufgerufen. Der Tesla-Chef und X-Besitzer warnte am Samstag die geschätzt 110.000 bis 150.000 Teilnehmer der „Unite the Kingdom“-Demo in London eindringlich: „Ob ihr euch für Gewalt entscheidet oder nicht, die Gewalt wird euch einholen. Entweder ihr wehrt euch oder ihr sterbt. Das ist die Wahrheit.“
Die von dem bekannten britischen Rechtsextremisten Tommy Robinson (bürgerlich Stephen Yaxley-Lennon) organisierte Demonstration richtete sich gegen die Asylpolitik der Labour-Regierung. Auf Plakaten und Fahnen forderten die Teilnehmer eine verschärfte Asylpolitik mit Slogans wie „Stoppt die Boote“ oder „Schickt sie nach Hause“, wie Mediaite berichtet.
Musk zeigt Fäuste bei Gewaltaufruf an rechtsextreme Demo-Teilnehmer
Robinson, der frühere Chef der rechtsextremen Vereinigung English Defence League, soll während der Live-Übertragung zu Musk gesagt haben: „Heute, Elon, denke ich, teilt die britische Öffentlichkeit der Welt mit, dass sie bereit ist, sich zu wehren.“ Daraufhin Musk „Gut!“ – und er hob seine Fäuste in die Luft, während die Menge jubelte.
Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?
Der reichste Mann der Welt richtete seine Botschaft nach eigenen Worten an die „vernünftige Mitte“, an Menschen, „die sich normalerweise nicht in die Politik einmischen, die einfach nur ihr Leben leben wollen“, wie Netzpolitik zitiert. Seine Warnung: „Wenn das so weitergeht, wird die Gewalt auch euch erreichen, ihr werdet keine Wahl haben.“
Gewalt-Eskalation in London bei Großdemo der Rechtsextremen
Bewusst oder unbewusst: Elon Musk sollte damit zumindest an diesem Tag Recht behalten. Die Lage auf der Demonstration eskalierte. Laut BBC wurden 26 Polizeibeamte bei Zusammenstößen mit Demonstranten verletzt, vier davon schwer. Die Teilnehmer warfen Flaschen und andere Gegenstände auf die Beamten, berichtet Mediaite. Die Polizei nahm 25 Personen fest. Insgesamt waren nach Zahlen von BBC rund 1500 Kräfte der Polizei im Einsatz.
Musk nutzte die Gelegenheit auch, um seine umstrittenen Äußerungen zum Tod des US-Aktivisten Charlie Kirk zu wiederholen. „Ihr seht, wie viel Gewalt es auf der Linken gibt, mit unserem Freund Charlie Kirk, der diese Woche kaltblütig ermordet wurde, und Menschen auf der Linken feiern es offen“, sagte Musk laut Mediaite. „Die Linke ist die Partei des Mordes und des Feierns von Mord.“
Musks Auftritt schürt Forderungen zu Abkehr deutscher Institutionen von X
Der Vorfall führt zu scharfer Kritik an deutschen Institutionen, die weiterhin auf Musks Plattform X aktiv sind. „Was muss eigentlich noch passieren, damit die Bundesregierung, der Bundeskanzler, das Außenministerium, die Tagesschau, die ZEIT, der Spiegel oder der Zentralrat der Juden dieser Plattform eines zu allem entschlossenen gewaltbereiten Rechtsradikalen den Rücken kehren?“, fragt Markus Reuter von Netzpolitik. Musk sorgte erst wenige Tage zuvor für Aufsehen, als er seine Plattform X mit Posts gegen Migration flutete.
Robinson, einer der bekanntesten Rechtsextremen Großbritanniens, ist bekannt für seine islamfeindlichen Aktivitäten. Der 42-Jährige wurde bereits mehrfach verurteilt und saß 2018 und 2024 zeitweise im Gefängnis, wie die Zeit berichtet. Erst im Oktober 2024 musste Robinson in Haft, weil er trotz einer gerichtlichen Unterlassungsverfügung falsche Behauptungen über einen syrischen Flüchtling verbreitet hatte.
Die Demonstration war ein internationales Ereignis der extremen Rechten: Zu der Demo reisten mehrere rechte Politiker und Aktivisten aus Europa an, darunter auch der AfD-Europaabgeordnete Petr Bystron. Auch der ehemalige Stratege von US-Präsident Donald Trump, Steve Bannon, hielt eine Rede. (spr) (Verwendete Quellen: dpa, mediaite.com, bbc.com, zeit.de)