„Unite the Kingdom“ in London: Rechtsextreme Kundgebung zieht über 100.000 Menschen auf die Straße
VonJekaterina Jalunina
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Einer der bekanntesten Rechtsextremisten Großbritanniens hat in London Zehntausende Anhänger mobilisiert. Die Kundgebung ist hochumstritten.
London – Am Samstag versammelten sich Zehntausende Menschen in London zu einer der größten rechtsextremen Kundgebungen der vergangenen Jahrzehnte, organisiert von dem Einwanderungskritiker und rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson. Die Veranstaltung „Unite the Kingdom“ fand vor dem Hintergrund wachsender nationalistischer Strömungen in Großbritannien, der steigenden Popularität einer rechtsextremen Partei und der Ermordung des US-konservativen Aktivisten Charlie Kirk statt. Beobachter zufolge nutzte Robinson das Attentat gezielt, um Unterstützer für die Kundgebung zu mobilisieren.
Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter
Nach Schätzungen der Polizei sind in London mehr als 100.000 Menschen auf die Straße gegangen. Das teilte die Polizei auf dpa-Anfrage mit. Angeführt und organisiert wurde der Aufzug von dem bekannten britischen Rechtsextremisten Tommy Robinson.
Konfrontationen in London: Polizei setzt bei rechtsextremer Kundgebung Gewalt gegen Demonstranten ein
Die Teilnehmer bei einer Gegendemonstration schätzte die Polizei auf etwa 5.000. Genaue Zahlen seien bei solchen Großveranstaltungen allerdings schwer zu bestimmen, hieß es. Die Polizei verwende Aufnahmen von Überwachungskameras und Polizeihubschraubern. Bereits am Mittag füllten sich die Straßen im Londoner Zentrum mit Demonstrierenden, viele von ihnen trugen Union-Jack- und England-Flaggen. Nach Angaben des Senders Sky waren dabei auch lautstarke Sprechchöre gegen Premierminister Keir Starmer zu hören.
Die Metropolitan Police berichtete auf X, dass eine Gruppe im Regierungsviertel versucht habe, in einen abgesperrten Bereich vorzudringen und dabei Polizisten mit Wurfgeschossen angriff. Um ein Durchbrechen der Absperrung zu verhindern, habe die Polizei Gewalt einsetzen müssen. Die Absperrung sei errichtet worden, um die Demonstrierenden von Teilnehmern einer Gegendemo zu trennen.
Kundgebung in Westminster: Rechtsextreme Aktivisten fordern härtere Asylpolitik
Für den Nachmittag war im Regierungsviertel in Westminster eine Kundgebung geplant. Zu den angekündigten Rednern zählte laut der Nachrichtenagentur PA auch Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege von US-Präsident Donald Trump. Auf den Plakaten und Fahnen der Demonstrierenden waren Parolen für eine restriktivere Asylpolitik zu sehen, darunter etwa „Stoppt die Boote“ oder „Schickt sie nach Hause“, berichtete unter anderem der Sender Sky. Nach Angaben der BBC beteiligten sich zudem auch Anti-Transgender-Aktivisten an der Kundgebung.
Elon Musk ruft beim rechtsextremen „Unite the Kingdom“-Marsch zu Regierungswechsel auf
Elon Musk hat per Videolink zu Teilnehmern des rechtsextremen „Unite the Kingdom“-Marsches in Großbritannien gesprochen. Dabei trat er in direkten Austausch mit dem Anführer der Demonstration, Tommy Robinson, berichtete The Guardian. Musk forderte einen politischen Umbruch in Großbritannien. „Ich bin überzeugt, dass es in Großbritannien einen Regierungswechsel geben muss. Das geht nicht – wir haben keine weiteren vier Jahre Zeit, oder wann auch immer die nächsten Wahlen stattfinden, das ist zu lang. Es muss etwas getan werden.“ Laut dem Tesla-Chef müsse das Parlament aufgelöst und eine Neuwahl abgehalten werden.
Mit Blick auf die politische Lage appellierte Musk nach eigenen Worten an den „gesunden Menschenverstand“ der Briten. Sie sollten sich fragen, in welcher Welt sie künftig leben wollten, wenn die Entwicklung so weitergehe. Der X-Eigentümer nahm zudem Bezug auf den Mord an Charlie Kirk. Er warf der politischen Linken vor, für Gewalt verantwortlich zu sein, und sagte, Kirk sei kaltblütig ermordet worden, während Linke diesen Tod offen gefeiert hätten. Die Linke sei, so Musk, „die Partei des Mordes und der Feier des Mordes“. Darüber hinaus erhob Musk Vorwürfe gegen die BBC, die er als „mitschuldig an der Zerstörung Großbritanniens“ bezeichnete. Zugleich sprach er davon, dass die britische Öffentlichkeit Angst habe, ihre freie Meinung zu äußern.
Tommy Robinson: Umstrittener Rechtsextremist mobilisiert Anhänger bei Londoner Protesten
Der britische Rechtsextremist Tommy Robinson, bürgerlich Stephen Yaxley-Lennon, ist seit Jahren eine der umstrittensten Figuren der britischen rechten Szene. Bekannt wurde er als Mitbegründer und langjähriger Anführer der islamfeindlichen „English Defence League“. Immer wieder geriet Robinson mit der Justiz in Konflikt. So musste er im Oktober 2024 eine Haftstrafe antreten, weil er trotz gerichtlicher Verfügung falsche Behauptungen über einen syrischen Flüchtling verbreitet hatte. Wenige Monate später wurde er wieder entlassen. (Quellen: dpa, Sky, PA, Metropolitan Police, BBC, The Guardian) (jal)