VonFelicitas Breschendorfschließen
Auch Jugendliche strengen sich im Fastenmonat an. Bei der Organisation helfen Kalender, ein Ramadan-Tagebuch und Islam-Kreuzworträtsel.
Jeden Tag ein Türchen, darin Süßigkeiten und kleine Geschenke: Nein, ich spreche nicht vom Adventskalender. Es ist noch Zeit, bis Christ:innen sich damit auf das Weihnachtsfest vorbereiten. Stattdessen beginnt am 10. März 2024 der Fastenmonat Ramadan: Junge Muslim:innen verwenden dafür einen ähnlichen Kalender. Jeden Abend zum Fastenbrechen öffnet sie ein Türchen. Statt 24 gibt es 30 davon – so lange, wie der Ramadan dauert.
Ramadan
Der Fastenmonat Ramadan beginnt 2024 am 10. März und dauert bis zum 9. April. Muslim:innen verzichten bis Sonnenuntergang auf Nahrung, Getränke und Sex. Kranke Menschen, Schwangere, stillende Mütter, Kinder unter zwölf Jahre, sowie menstruierende Personen sind vom Fastengebot ausgenommen. Am letzten Tag findet das Zuckerfest, das Eid al-Fitr statt. Hier sind neun weitere Dinge, die du über Ramadan wissen musst.
TikToker:innen machen Ramadan zu einer coolen Sache
Wo ich von dem Ramadan-Kalender erfahren habe? Natürlich auf TikTok, wo auch aus der muslimischen Community viele junge Menschen Videos posten. Die TikTokerin @_meryem06_ zeigt stolz ihren Ramadan-Kalender, den sie für ihre beste Freundin gebastelt habe. „Als Highlight habe ich diese wunderschöne Abaya gekauft“, sagt sie am Ende und hält ein weites, langes Kleid in die Kamera. Abayas sind traditionelle muslimische Gewänder für Frauen, die in mehreren arabischen Ländern getragen werden.
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Auf TikTok wirkt Ramadan wie eigentlich alles auf der Plattform: wie eine coole Sache für junge Menschen. Bei gefährlichen TikTok-Trends mag das problematisch sein. Wenn es darum geht, Ramadan zu feiern, bieten die Videos hauptsächlich harmlose Tipps für den Ramadan. Türkische und arabische TikToker:innen zeigen zum Beispiel Rezepte für das abendliche Fastenbrechen, von süßen Desserts bis hin zu Fleischspießen.
Doch nicht nur über Essen machen sich die TikToker:innen Gedanken. @idylleed zeigt die Outfits, die sie an Ramadan tragen möchte – spätestens an Eid al-Fitr, dem Zuckerfest, an dem die Fastenzeit enden wird.
TikTokerin Jennah Schott hilft mit einem Ramadanjournal durch die Fastenzeit
Ramadan bedeutet nicht nur, bis Sonnenuntergang nichts zu essen oder auf Sex zu verzichten. Muslim:innen versuchen generell nichts moralisch Verwerfliches zu tun, zum Beispiel schlecht über andere zu reden. Viele widmen sich intensiver ihrem Glauben und ihrer Beziehung zu Allah. Sie gehen zum Beispiel vermehrt zu gemeinsamen Gebeten, hören sich Koranlesungen oder religiöse Vorträge an.
Wer sich im Ramadan an alle Regeln halten möchte, hat viel zu tun. Wer noch zur Schule geht oder einen eher westlichen Freundeskreis hat, kann ohnehin Schwierigkeiten mit Verzicht haben. „Wir Muslim:innen sollten diese Zeit nutzen, um eine bessere Version von uns selbst zu werden. Doch der eine Monat geht leider so schnell vorbei und man verliert oft den Überblick“, sagt die 20-jährige Jennah Schott. Bei BuzzFeed News Deutschland hat die TikTokerin von ihren Rassismuserfahrungen erzählt.
Um jungen Muslim:innen die Fastenzeit einfacher zu machen, hat Schott einen Ramadanjournal entworfen. Mit dem farbenfrohen Cover sieht es eher nach einem Tagebuch eines Teenagers aus, statt wie ein religiöses Buch. In Wahrheit ist es eine Mischung aus beidem. „Du kannst darin deinen Prozess im Ramadan dokumentieren – seien es Gebete oder gute Taten, die du in der Zeit vollbracht hast“, so Schott. Neben einem kleinen Arabisch-Wörterbuch, sind auch Islam-Quizze und -Kreuzworträtsel darin zu finden. Auf TikTok ist der Ramadanjournal ein beliebtes Accessoire für den Ramadan 2024. Schott plant schon jetzt, ihn in den nächsten Jahren neu aufzulegen.
@jennahschott ICH MUSS WEINEN
♬ Originalton - Jennah
Rubriklistenbild: © TikTok Screenshots Jennah Schott/ Meryem06
