Fragebogen, Bedarfspflicht, Losverfahren

Musterung für den Wehrdienst: Diese Pflichten kommen auf unsere Söhne und Töchter zu

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Wie wirkt sich die Wehrdienst-Einigung auf junge Männer und Frauen in Deutschland aus? Fragebogen, Musterung, Bedarfspflicht: Die Maßnahmen im Detail.

Frankfurt – Weißer Rauch über dem Bundestag: Verhandler von Union und SPD haben sich nach monatelangem Ringen auf das neue Wehrdienstgesetz verständigt. Streitpunkte bei der Musterung und möglichen Zielmarken für den Aufwuchs der Truppe wurden ausgeräumt. Sollte das Gesetz wie geplant durch den Bundestag verabschiedet werden, können die ersten Maßnahmen für junge Männer bereits zum Jahreswechsel greifen. Welche jungen Männer von den Maßnahmen betroffen sind und was die Einigung für junge Frauen bedeutet, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Rekruten bei der Schießausbildung im Rahmen eines Medientages zur Basisausbildung bei der Bundeswehr

Der erste Schritt des neuen Wehrdienstes beinhaltet das Ausfüllen eines Online-Fragebogens. In diesem müssen die Teilnehmenden unter anderem Fragen zu Gesundheitszustand, Fitness, Ausbildung oder Bereitschaft zum Wehrdienst ausfüllen. Die Bearbeitung des Fragenbogens ist für junge Männer verpflichtend; junge Frauen können freiwillig an der Befragung teilnehmen. Die Maßnahme soll Informationen von Reuters zufolge bereits Anfang 2026 starten und bildet wohl den ersten Teil der Musterung.

Neuer Wehrdienst: Alle 18-jährigen Männer müssen künftig zur Musterung

Einer der Kernpunkte der Einigung betrifft jedoch den weiteren Verlauf der Musterung im neuen Wehrdienstgesetz. Künftig sollen nach Plänen von Union und SPD alle 18-jährigen Männer flächendeckend gemustert werden – unabhängig von den Antworten im Fragebogen. Verhandler hatten zuvor vorgeschlagen, per Losverfahren nur so viele Männer zur Musterung zu verpflichten, wie in dem jeweiligen Jahrgang benötigt werden. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte sich jedoch vehement gegen ein Losverfahren bei der Musterung ausgesprochen. Wie der Spiegel berichtet, plant das Verteidigungsministerium von Juli 2027 an die Musterung ganzer Jahrgänge abzuhalten. Beginnen soll der Vorgang mit dem Jahrgang 2008.

Im Kern will die Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit dem neuen Wehrdienstgesetz zunächst auf Freiwilligkeit setzen. Auf Basis der Musterung sollen genügend Freiwillige aus einem Jahrgang für den Bedarf der Bundeswehr zum Wehrdienst gewonnen werden. Sollte der Personalbedarf der Bundeswehr jedoch nicht alleine durch Freiwillige gedeckt werden können, ist eine Wiedereinführung einer sogenannten Bedarfswehrpflicht geplant.

Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr

Reservisten-Kompanie der Bundeswerh in Sachsen
Wie beim Militär üblich, gibt es auch bei der Bundeswehr eine klare Hierarchie in der Truppe. Jeder Soldat und jede Soldatin erhält einen Dienstgrad, über den neben der Position in der Befehlskette und dem Verantwortungsbereich auch die Besoldung geregelt wird. Welche Dienstgrade es in der Bundeswehr gibt und wer in der Hierarchie ganz oben steht, erfahren Sie in dieser Fotostrecke. © Matthias Hiekel/dpa
Freiwilliger Wehrdienst der Bundeswehr im Heimatschutz in Burg
Grundsätzlich lassen sich die Dienstgrade bei der Bundeswehr in drei Oberkategorien einteilen. Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere. Auf der niedrigsten Hierarchieebene in der Bundeswehr stehen zunächst die Mannschaften. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Öffentliches Gelöbnis von Rekruten der Bundeswehr vor dem Abgeordnetenhaus.
Der niedrigste Dienstgrad von Rekruten in der Bundeswehr richtet sich in der Regel nach der Truppengattung. Mögliche Bezeichnungen für die Rekruten lauten Schütze, Flieger oder Matrose. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Gefreiter und ein Obergefreiter der Bundeswehr.
Die verschiedenen Dienstgrade der Bundeswehr lassen sich zur schnellen Erkennung an den Schulterklappen der Soldaten ablesen. Auf der untersten Ebene in den Mannschaften nach dem einfachen Soldaten steht der Gefreite (r) gefolgt vom Obergefreiten (l). Die Schulterklappen zeigen einen bzw. zwei schräge Streifen. Soldaten können frühestens nach drei bzw. sechs Monaten zum Gefreiten oder Obergefreiten ernannt werden.  © Mathias Ernert/dpa
Ein Hauptgefreiter der deutschen Bundeswehr bei einer Übung auf dem Truppenübungsgelände Bergen in der Lüneburger Heide.
Als Nächstes in der Rangordnung folgt der Hauptgefreite, der Schulterklappen mit drei schrägen Streifen trägt. Im Soldatenjargon werden die Querstreifen auch „Pommes“ oder „Fritte“ bezeichnet. Die Mindestdienstzeit für die Ernennung zum Hauptgefreiten liegt bei 12 Monaten. © Chris Emil Janssen/imago-images
Ein Stabsgefreiter der Bundeswehr berät einen Interessenten
Nach drei Jahren im Dienst können Soldaten in den Rang einen Stabsgefreiten aufsteigen. Stabsgefreite steigen auch eine Besoldungsgruppe auf und tragen Schulterklappen mit vier Streifen. © Michael Gottschalk/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr bei einr Militaeruebung.
Nach einem weiteren Jahr im Dienst – also nach vier Jahren – ist die Beförderung zum Oberstabsgefreiten möglich. Bis 2021 bildete der Dienstgrad – zu erkennen an den fünf Querstreifen an den Schulterklappen – den höchsten Dienstgrad in der Laufbahn der Mannschaftssoldaten. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Korporal der Bundeswehr.
2021 schuf die Bundeswehr im Rahmen der „Modernisierung der Laufbahnen“ zwei neue Dienstgrade für Mannschaftssoldaten. Soldaten erhielten nach sieben Jahren im Dienst die Möglichkeit, zum Korporal aufzusteigen. Der mit der Beförderung verbundene Aufstieg in eine höhere Soldgruppe sollte auch die Laufbahn der Mannschaften attraktiver machen. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen breiten Querstreifen. © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr wird zum Korporal befördert.
Der zweite neu eingeführte Dienstgrad war der des Stabskorporal, der künftig als neuer Spitzendienstgrad in den Mannschaften agiert. Soldaten können diesen frühestens nach zehn Jahren im Dienst, davon ein Jahr als Korporal, erhalten.  © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Feierliche Vereidigung von Feldwebel und Unteroffiziersanwärtern der Bundeswehr Aufklärungsbataillon.
Die zweite Hauptgruppe der Bundeswehr sind die Unteroffiziere. „Unteroffiziere sind Spezialisten, aber auch Führer, Ausbilder und Erzieher der ihnen unterstellten Soldatinnen und Soldaten. Sie leiten und schulen das ihnen unterstellte Personal, beraten aber auch ihre eigenen Vorgesetzten“, schreibt die Bundeswehr auf ihrer eigenen Website. © imago-images
Unteroffiziere der Bundeswehr bei einer Übung.
Die Unteroffiziere gliedern sich wiederum in zwei Untergruppen. Unteroffiziere mit und ohne Portepee. Letztere vereint die ersten Dienstgrade der Laufbahn unter sich. Den Anfang macht der Unteroffizier. Dieser wird in die gleiche Besoldungsgruppe eingeteilt wie ein Stabsgefreiter. Die Schulterklappen zeigen eine nach unten offenen goldenen Bandstreifen genannt „Tresse“. Wer die Laufbahn eines Unteroffiziers ohne Portepee durchlaufen will, braucht mindestens einen Hauptschulabschluss. Das Pendant der Marine ist der Maat. © Swen Pförtner/dpa
Eine Stabsunteroffizierin der Bundeswehr mit einem Diensthund.
Stabsunteroffiziere bilden den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Unteroffiziere ohne Portepee. Das Dienstgradabzeichen zeigt eine geschlossene Tresse. Beim Sold liegen die Stabsunteroffiziere in der Gruppe A6 oder A7. Erstere ist auf dem Niveau der Korporale und Stabskorporale. Das Pendant der Marine ist der Obermaat. © Lars Heidrich/dpa
Eine Feldwebel der Bundeswehr hilft bei einer Teststation im Kampf gegen das Coronavirus.
Unteroffiziere mit Portepee bilden die nächsthöhere Untergruppe. Um diese Laufbahn anzustreben, brauchen Anwärter neben einem Hauptschulabschluss auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach Angaben der Bundeswehr muss sich ein Feldwebel in der Regel für acht bis 13 Jahre verpflichten. Das Dienstgradabzeichen des Feldwebels ist ein Winkel mit der Spitze nach oben in einer geschlossenen Tresse. Bei der Marine trägt der vergleichbare Dienstgrad die Bezeichnung Bootsmann. © Nicolas Armer/dpa
Ein Oberfeldwebel der Bundeswehr bei einer Gefechtsübung.
Das Dienstgradabzeichen mit zwei nach oben zeigenden Winkeln weist den Oberfeldwebel aus. Oberfeldwebel werden unter anderem als stellvertretende Zugführer oder Gruppenführer eingesetzt. In der Marine wird die Bezeichnung Oberbootsmann verwendet. © Jochen Lübke/dpa
Eine Oberfeldwebel der Bundeswehr beim Girls' Day im Bundesverteidigungsministerium.
Eine Besoldungsgruppe über dem Oberfeldwebel ist in der Bundeswehr der Hauptfeldwebel angesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen Kopfwinkel mit der Spitze nach oben. Das Pendant der Marine ist der Hauptbootsmann. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Stabsfeldwebel der Bundeswehr
Der Stabsfeldwebel zählt zu den Spitzenverdienern unter den Unteroffizieren mit Portepee (Besoldungsgruppe A9). Stabsfeldwebel werden neben ihren Aufgaben als Zugführer auch als Kompaniefeldwebel – auch „Spieß“ genannt – eingesetzt. Als solcher agiert er als Führer des Unteroffizierkorps einer Einheit und leitet den Innendienst. In der Marine lautet die Bezeichnung für den Dienstgrad Stabsbootsmann. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Oberstabdsfeldwebel der Bundeswehr in einem Büro.
Den höchsten Dienstgrad der Unteroffiziere mit Portepee bildet der Oberstabsfeldwebel. Er kommt vor allem in höheren Stäben und Ämtern zum Einsatz, dient aber ebenso wie der Stabsfeldwebel auch als „Spieß“ oder Zugführer. Das Dienstgradabzeichen für Oberstabsfeldwebel zeigt einen Kopfwinkel, darunter zwei Winkel. Das Pendant in der Marine heißt Oberstabsbootsmann. © Rolf Vennenbernd/dpa
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer.
Die dritte und letzte Obergruppe bei der Bundeswehr sind die Offiziere. Die Bundeswehr bezeichnet sie auf ihrer Website als „Manager in Uniform“. Sie führen Kompanien und Bataillone, arbeiten in Stäben und dem Verteidigungsministerium. Neben einer praktischen militärischen Ausbildung absolvieren Offiziersanwärter auch ein akademisches Studium bei der Bundeswehr. Für fast alle Laufbahnen wird deswegen mindestens eine Fachhochschulreife vorausgesetzt. © Jacob Schröter/imago-images
Ein Leutnant der Bundeswehr steht vor einem Militärflugzeug.
Den Anfang in der Offizierslaufbahn macht der Leutnant. Durch seine Stellung kann er sowohl Soldaten aus der Gruppe der Mannschaften, als auch der Unteroffiziere Befehle erteilen. Der Leutnant ist in der Besoldungsgruppe A9 – auf dem Level eines Stabsfeldwebels – eingeordnet. Das Dienstgradabzeichen des Leutnants zeigt einen Stern.  © Lars Klemmer/dpa
Ein Oberleutnant der Bundeswehr bei der Nato-Großübung in Norwegen.
Eine Besoldungsgruppe weiter oben (A10) ist der Oberleutnant angesetzt. In der Regel erfolgt die Beförderung frühestens zwei Jahren nach der Ernennung zum Offizier. Das Dienstgradabzeichen zeigt zwei Sterne. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Ein Hauptmann der Bundeswehr auf einem Flugplatz.
Eine Stufe über dem Oberleutnant steht in der Rangordnung der Bundeswehr die Gruppe der Hauptleute. Diese beinhaltet die Dienstgrade Hauptmann und Stabshauptmann. Hauptleute werden häufig als militärische Führer in den Verbänden ihre Truppengattungen eingesetzt. Der Dienstgrad des Stabshauptmanns ist Offizieren des militärfachlichen Diensts vorbehalten. Die Schulterklappen zeigen drei (Hauptmann) oder vier (Stabshauptmann) Sterne. In der Marine lautet die Bezeichnung des Dienstgrads Kapitänleutnant bzw. Stabskapitänleutnant. © Achille Abboud/imago-images
Ein Major der Bundeswehr im Gespräch mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.
Auf die Hauptleute folgt die Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere, die in der Regel auf Stabsposten und als militärische Führer eingesetzt werden. Der erste Dienstgrad in der Gruppe ist der Major. Majore werden auch als Hörsaalleiter in Lehreinrichtungen der Bundeswehr oder in Referaten und Ministerien eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und einen Stern. Das Pendant der Marine ist der Korvettenkapitän. © Bernhard Herrmann/imago-images
Ein Oberstleutnant der Bundeswehr im Gespräch mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Der mittlere Dienstgrad der Stabsoffiziere bildet der Oberstleutnant. Diese werden neben den anderen Anwendungsfeldern der Stabsoffiziere auch als Dezernenten oder Referenten in Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und zwei Sterne. Das Pendant der Marine ist der Fregattenkapitän. © Revierfoto/imago-images
Ein Oberst der Bundeswehr im Gespräch mit Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Der Oberst stellt den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Stabsoffiziere dar. In der Regel wird er in leitenden Positionen in Kommandobehörden, Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub mit drei Sternen. Das Pendant der Marine ist der Kapitän zur See. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Ein Brigadegeneral der Bundeswehr.
Die Speerspitze in der Hierarchie der Bundeswehr bilden die Generäle. Sie stehen in der Hierarchie ganz oben und dienen vor allem auf Stabsposten und in der Regel nicht in der kämpfenden Truppe. Der rangniedrigste General ist der Brigadegeneral. Eine Beförderung vom Oberst zum Brigadegeneral erfolgt in der Regel aufgrund der Eignung und Leistung des Offiziers und ist nicht an andere Voraussetzungen gebunden. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit einem goldenen Stern. In der Marine heißt der vergleichbare Dienstgrad Flottillen­admiral. © IMAGO/Björn Trotzki
Christian Freuding, Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung.
Auf den Brigadegeneral folgt in der Rangordnung der Bundeswehr der Generalmajor. In der Praxis erfolgt die Beförderung erst nach mehreren Jahren als Brigadegeneral. Generalmajore übernehmen leitende Funktionen in Kommandobehörden, dem Verteidigungsministerium oder Einrichtungen der Nato. So dient Generalmajor Christian Freuding (Bild) als Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung. Das Dienstgradabzeichen des Generalmajors zeigt ein goldenes Eichenlaub und zwei goldene Sterne. Das Pendant der Marine ist der Konteradmiral. © IMAGO/M. Popow
Der Inspekteur der Luftwaffe: Generalleutnant Holger Neumann.
Der zweithöchste Dienstgrad der Bundeswehr ist der Generalleutnant. Bei Luftwaffe und Heer gibt es weniger als zwei Dutzend Offiziere mit diesem Rang, die in wichtigen leitenden Positionen eingesetzt werden. So ist der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr immer ein Generalleutnant. Auch der Inspekteur der Luftwaffe, Holger Neumann (Stand Mai 2025, Bild), ist im Rang eines Generalleutnants. Sein Dienstabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit drei goldenen Sternen. Das Pendant der Marine ist der Vizeadmiral. © Björn Trotzki/imago-images
Der Generalinspekteur der Bundeswehr: General Carsten Breuer.
Ganz oben in der Hierarchie der Bundeswehr steht der General. Der Dienstgrad ist nur wenigen Soldaten in absoluten Führungspositionen vorbehalten. Der Generalinspekteur der Bundeswehr – höchster militärischer Repräsentant der Bundeswehr – ist General Carsten Breuer (Stand Mai 2025, Bild). Deutsche Generäle dienen auch in Führungspositionen der Nato. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub und vier goldene Sterne. Zur besseren Unterscheidung von der Dienstgruppe der Generäle wird er deswegen umgangssprachlich als Vier-Sterne-General bezeichnet. Das Pendant der Marine ist der Admiral. © IMAGO/Klaus W. Schmidt

Neuer Wehrdienst im Überblick: Diese Maßnahmen sollen eingeführt werden

MaßnahmeMännerFrauen
Kontaktaufnahme der Bundeswehr mit Informationen zum Wehrdienstalle in einem Jahrgangalle in einem Jahrgang
Ausfüllen eines Fragebogens mit Infos zu Gesundheit, Fitness, MotivationVerpflichtend für alle Angehörige eines JahrgangsFreiwillig
MusterungVerpflichtend für alle Angehörige eines JahrgangsFreiwillig
Ableistung des WehrdienstesZunächst freiwilligFreiwillig
Verpflichtung zum WehrdienstBei mangelnden Freiwilligen wohl via LosverfahrenFreiwillig
KriegsdienstverweigerungAus Gewissensgründen möglich (Grundgesetz Artikel 4)

Bundesregierung setzt bei Wehrdienst auf Freiwilligkeit – Union setzt Zielkorridor für Aufwuchs fest

Für genügend Freiwillige setzt Schwarz-Rot zunächst auf eine attraktive Vergütung für Wehrdienstleistende. Wie aus einem Unions-Papier hervorgeht, sollen Freiwillige zunächst 2600 Euro brutto erhalten. Ab einer Verpflichtungszeit von einem Jahr wird auch ein Führerscheinzuschuss gewährt. Anders als von Pistorius vorgesehen erhalten Wehrdienstleistende nicht direkt den Status Soldat auf Zeit. Dieser soll erst ab zwölf Monaten Verpflichtungsdauer gewährt werden.

Die Frage, wie viele Freiwillige die Bundeswehr in den kommenden Jahren benötigt, war ein zweiter großer Konfliktpunkt in den Verhandlungen zwischen Union und SPD. CDU und CSU hatten klare Zielmarken für den Aufwuchs der Truppe gefordert – mit Erfolg. Wie die Koalitionäre am Donnerstag bekannt gaben, soll ein Korridor bis zum Jahr 2035 festgelegt werden, der sich auch an den Verpflichtungen gegenüber der NATO orientieren soll. Diese sehen eine Truppenstärke von 260.000 aktiven Soldaten und 200.000 Reservisten vor. Das Verteidigungsministerium muss die Einhaltung des Zielkorridors halbjährlich prüfen.

Neuer Wehrdienst buhlt um Freiwillige – Bedarfspflicht mit Losverfahren könnten drohen

Wird dieser Zielkorridor verlassen, soll eine sogenannte Bedarfswehrpflicht eingesetzt werden. Dann käme wohl ein Losverfahren zum Einsatz, um zu entscheiden, wer der Gemusterten zum Dienst beim Bund verpflichtet werden kann. Den genauen Ablauf der Bedarfswehrpflicht muss allerdings noch vom Bundestag in einem neuen Gesetz festgelegt werden. Eine allgemeine Wehrpflicht wie vor 2011, bei der jeder Mann zum Wehrdienst verpflichtet werden könnte, gäbe es jedoch nicht.

Pistorius beharrte auch auf die flächendeckende Musterung von Jahrgängen, um einen Überblick über die personellen Möglichkeiten der Bundeswehr für den möglichen Eintritt eines Spannungs- oder Verteidigungsfalls zu haben. Sollte ein solcher Fall durch einen Mehrheitsbeschluss des Bundestags festgestellt werden, würde eine allgemeine Wehrpflicht unabhängig von dem neuen Wehrdienstgesetz wieder eingeführt werden. Denn die in Artikel 12 des Grundgesetzes festgelegte Wehrpflicht wurde 2011 lediglich ausgesetzt und nicht abgeschafft. Dann wären wiederum alle Männer zum Dienst verpflichtet.

Koalition einigt sich auf neuen Wehrdienst: Kann ich den Kriegsdienst verweigern?

Ebenfalls im Grundgesetz festgeschrieben ist jedoch auch, dass niemand „gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werde“ darf. Wie bereits vor 2011 können Einzelpersonen also weiterhin aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigern. Ein Antrag dafür muss schriftlich und mit Begründung an das Karrierecenter der Bundeswehr gestellt werden. Kriegsdienstverweigerer können jedoch zu einem zivilen Ersatzdienst verpflichtet werden. Die Strukturen dafür müssen in den kommenden Jahren jedoch erst wieder aufgebaut werden. (Quellen: Spiegel, Reuters, dpa, eigene Recherchen) (fdu)

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