Nach langem Streit

Union und SPD einigen sich auf neuen Wehrdienst: Details fix – Musterung, Sold und eine Hintertür

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  • Peter Sieben
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Nach langem Hin und Her hat sich die Bundesregierung auf ein neues Wehrdienst-Modell geeinigt. Die Details etwa zur Musterung sind klar.

Update, 15:34 Uhr: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach angesichts der Einigung von SPD und Union zum Wehrdienstgesetz von einer „guten Nachricht“ aus Berlin. Der CDU-Politiker traf am Donnerstagnachmittag Nato-Generalsekretär Mark Rütte auf der Nato Airbase in Geilenkirchen bei Aachen. Der Standort in Nordrhein-Westfalen spielt eine wichtige Rolle bei der Luftraumüberwachung an der Nato-Ostflanke, Rütte war auf Inspektionsbesuch.

Fliegerjacken als Geschenk: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Nato-Generalsekretär Mark Rutte auf der Nato Air Base in Geilenkirchen.

„Es ist jetzt wichtig, dass die Bundeswehr wieder attraktiver werden muss“, sagte Wüst. Er nehme wahr, dass sich immer mehr junge Menschen für das Thema Sicherheit interessierten und sich für einen freiwilligen Dienst bei der Bundeswehr entschieden. Der Plan, dass alle junge Männer eines Jahrgangs potenziell zur Musterung müssen, sei eine „faire Lösung“, so Wüst. Mark Rütte lobte den Standort in NRW, als „das Auge der Nato“. Von Geilenkirchen aus fliegen die Nato-Einsatzkräfte auch Aufklärungsflüge mit sogenannten AWACS-Maschinen.

Update, 13:40 Uhr: Von der Opposition kommt kategorischer Widerspruch zum neuen Wehrdienst: „Wir sind gegen jede Form von Zwangsdienst“, sagte Linken-Parteichef Jan van Aken der Funke Mediengruppe. Er wandte sich auch gegen die Einbeziehung von Frauen in eine mögliche künftige Wehrpflicht. „Eine schlechte Sache wird ja nicht besser, nur weil sie alle Menschen betrifft.“ Linken-Fraktionschef Sören Pellmann erklärte, bei dem Kompromiss komme die junge Generation unter die Räder. „Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Wehrpflicht kommen wird“, meinte Pellmann.

Taugliche Männer – und nach freiwilliger Musterung auch Frauen – sollen nach den Plänen den Wehrdienst ableisten können, aber nicht müssen. Sollten sich nicht genug Freiwillige für die Truppe finden, könnte der Bundestag demnach über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden. Dabei könnte dann auch ein Zufallsverfahren zur Auswahl genutzt werden.

Neuer Wehrdienst: Schüler enttäuscht – „Staat übernimmt für uns keine Verantwortung“

Update, 13:04 Uhr: Der Wehrdienstkompromiss der schwarz-roten Koalition ist auf ein gemischtes Echo gestoßen. Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Quentin Gärtner, kritisierte die Vereinbarung als unzureichend. Er forderte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), das Wehrdienstgesetz „mit einer Offensive für Bildung und mentale Gesundheit junger Menschen“ im Umfang von 100 Milliarden Euro zu flankieren.

Schwarz-Rot führt ein neues Wehrdienst-Modell ein. (Symbolfoto)

„Es gibt noch nicht einmal das kleinste Signal, dass der Staat auch bereit ist, für uns Verantwortung zu übernehmen“, sagte Gärtner. „So kann man nicht verteidigungsfähig werden.“ Die vorgesehene Freiwilligkeit für den Dienst bei der Bundeswehr werde „absehbar scheitern“.

SPD-Generalsekretär Klüssendorf: Neues Wehrdienst-Modell „sehr gutes Signal“

Update, 10:34 Uhr: SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat die Verständigung der Koalition auf ein Modell für den neuen Wehrdienst begrüßt. In den Sendern RTL und ntv lobte Klüssendorf am Donnerstag, dass das Modell vor allem auf Freiwilligkeit setze und das umstrittene Losverfahren vor der Musterung vom Tisch sei. „Grundsätzlich ist es für uns ein sehr gutes Signal und auch ein gutes Ergebnis der letzten Tage und Wochen.“

Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr

Reservisten-Kompanie der Bundeswerh in Sachsen
Wie beim Militär üblich, gibt es auch bei der Bundeswehr eine klare Hierarchie in der Truppe. Jeder Soldat und jede Soldatin erhält einen Dienstgrad, über den neben der Position in der Befehlskette und dem Verantwortungsbereich auch die Besoldung geregelt wird. Welche Dienstgrade es in der Bundeswehr gibt und wer in der Hierarchie ganz oben steht, erfahren Sie in dieser Fotostrecke. © Matthias Hiekel/dpa
Freiwilliger Wehrdienst der Bundeswehr im Heimatschutz in Burg
Grundsätzlich lassen sich die Dienstgrade bei der Bundeswehr in drei Oberkategorien einteilen. Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere. Auf der niedrigsten Hierarchieebene in der Bundeswehr stehen zunächst die Mannschaften. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Öffentliches Gelöbnis von Rekruten der Bundeswehr vor dem Abgeordnetenhaus.
Der niedrigste Dienstgrad von Rekruten in der Bundeswehr richtet sich in der Regel nach der Truppengattung. Mögliche Bezeichnungen für die Rekruten lauten Schütze, Flieger oder Matrose. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Gefreiter und ein Obergefreiter der Bundeswehr.
Die verschiedenen Dienstgrade der Bundeswehr lassen sich zur schnellen Erkennung an den Schulterklappen der Soldaten ablesen. Auf der untersten Ebene in den Mannschaften nach dem einfachen Soldaten steht der Gefreite (r) gefolgt vom Obergefreiten (l). Die Schulterklappen zeigen einen bzw. zwei schräge Streifen. Soldaten können frühestens nach drei bzw. sechs Monaten zum Gefreiten oder Obergefreiten ernannt werden.  © Mathias Ernert/dpa
Ein Hauptgefreiter der deutschen Bundeswehr bei einer Übung auf dem Truppenübungsgelände Bergen in der Lüneburger Heide.
Als Nächstes in der Rangordnung folgt der Hauptgefreite, der Schulterklappen mit drei schrägen Streifen trägt. Im Soldatenjargon werden die Querstreifen auch „Pommes“ oder „Fritte“ bezeichnet. Die Mindestdienstzeit für die Ernennung zum Hauptgefreiten liegt bei 12 Monaten. © Chris Emil Janssen/imago-images
Ein Stabsgefreiter der Bundeswehr berät einen Interessenten
Nach drei Jahren im Dienst können Soldaten in den Rang einen Stabsgefreiten aufsteigen. Stabsgefreite steigen auch eine Besoldungsgruppe auf und tragen Schulterklappen mit vier Streifen. © Michael Gottschalk/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr bei einr Militaeruebung.
Nach einem weiteren Jahr im Dienst – also nach vier Jahren – ist die Beförderung zum Oberstabsgefreiten möglich. Bis 2021 bildete der Dienstgrad – zu erkennen an den fünf Querstreifen an den Schulterklappen – den höchsten Dienstgrad in der Laufbahn der Mannschaftssoldaten. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Korporal der Bundeswehr.
2021 schuf die Bundeswehr im Rahmen der „Modernisierung der Laufbahnen“ zwei neue Dienstgrade für Mannschaftssoldaten. Soldaten erhielten nach sieben Jahren im Dienst die Möglichkeit, zum Korporal aufzusteigen. Der mit der Beförderung verbundene Aufstieg in eine höhere Soldgruppe sollte auch die Laufbahn der Mannschaften attraktiver machen. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen breiten Querstreifen. © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr wird zum Korporal befördert.
Der zweite neu eingeführte Dienstgrad war der des Stabskorporal, der künftig als neuer Spitzendienstgrad in den Mannschaften agiert. Soldaten können diesen frühestens nach zehn Jahren im Dienst, davon ein Jahr als Korporal, erhalten.  © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Feierliche Vereidigung von Feldwebel und Unteroffiziersanwärtern der Bundeswehr Aufklärungsbataillon.
Die zweite Hauptgruppe der Bundeswehr sind die Unteroffiziere. „Unteroffiziere sind Spezialisten, aber auch Führer, Ausbilder und Erzieher der ihnen unterstellten Soldatinnen und Soldaten. Sie leiten und schulen das ihnen unterstellte Personal, beraten aber auch ihre eigenen Vorgesetzten“, schreibt die Bundeswehr auf ihrer eigenen Website. © imago-images
Unteroffiziere der Bundeswehr bei einer Übung.
Die Unteroffiziere gliedern sich wiederum in zwei Untergruppen. Unteroffiziere mit und ohne Portepee. Letztere vereint die ersten Dienstgrade der Laufbahn unter sich. Den Anfang macht der Unteroffizier. Dieser wird in die gleiche Besoldungsgruppe eingeteilt wie ein Stabsgefreiter. Die Schulterklappen zeigen eine nach unten offenen goldenen Bandstreifen genannt „Tresse“. Wer die Laufbahn eines Unteroffiziers ohne Portepee durchlaufen will, braucht mindestens einen Hauptschulabschluss. Das Pendant der Marine ist der Maat. © Swen Pförtner/dpa
Eine Stabsunteroffizierin der Bundeswehr mit einem Diensthund.
Stabsunteroffiziere bilden den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Unteroffiziere ohne Portepee. Das Dienstgradabzeichen zeigt eine geschlossene Tresse. Beim Sold liegen die Stabsunteroffiziere in der Gruppe A6 oder A7. Erstere ist auf dem Niveau der Korporale und Stabskorporale. Das Pendant der Marine ist der Obermaat. © Lars Heidrich/dpa
Eine Feldwebel der Bundeswehr hilft bei einer Teststation im Kampf gegen das Coronavirus.
Unteroffiziere mit Portepee bilden die nächsthöhere Untergruppe. Um diese Laufbahn anzustreben, brauchen Anwärter neben einem Hauptschulabschluss auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach Angaben der Bundeswehr muss sich ein Feldwebel in der Regel für acht bis 13 Jahre verpflichten. Das Dienstgradabzeichen des Feldwebels ist ein Winkel mit der Spitze nach oben in einer geschlossenen Tresse. Bei der Marine trägt der vergleichbare Dienstgrad die Bezeichnung Bootsmann. © Nicolas Armer/dpa
Ein Oberfeldwebel der Bundeswehr bei einer Gefechtsübung.
Das Dienstgradabzeichen mit zwei nach oben zeigenden Winkeln weist den Oberfeldwebel aus. Oberfeldwebel werden unter anderem als stellvertretende Zugführer oder Gruppenführer eingesetzt. In der Marine wird die Bezeichnung Oberbootsmann verwendet. © Jochen Lübke/dpa
Eine Oberfeldwebel der Bundeswehr beim Girls' Day im Bundesverteidigungsministerium.
Eine Besoldungsgruppe über dem Oberfeldwebel ist in der Bundeswehr der Hauptfeldwebel angesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen Kopfwinkel mit der Spitze nach oben. Das Pendant der Marine ist der Hauptbootsmann. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Stabsfeldwebel der Bundeswehr
Der Stabsfeldwebel zählt zu den Spitzenverdienern unter den Unteroffizieren mit Portepee (Besoldungsgruppe A9). Stabsfeldwebel werden neben ihren Aufgaben als Zugführer auch als Kompaniefeldwebel – auch „Spieß“ genannt – eingesetzt. Als solcher agiert er als Führer des Unteroffizierkorps einer Einheit und leitet den Innendienst. In der Marine lautet die Bezeichnung für den Dienstgrad Stabsbootsmann. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Oberstabdsfeldwebel der Bundeswehr in einem Büro.
Den höchsten Dienstgrad der Unteroffiziere mit Portepee bildet der Oberstabsfeldwebel. Er kommt vor allem in höheren Stäben und Ämtern zum Einsatz, dient aber ebenso wie der Stabsfeldwebel auch als „Spieß“ oder Zugführer. Das Dienstgradabzeichen für Oberstabsfeldwebel zeigt einen Kopfwinkel, darunter zwei Winkel. Das Pendant in der Marine heißt Oberstabsbootsmann. © Rolf Vennenbernd/dpa
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer.
Die dritte und letzte Obergruppe bei der Bundeswehr sind die Offiziere. Die Bundeswehr bezeichnet sie auf ihrer Website als „Manager in Uniform“. Sie führen Kompanien und Bataillone, arbeiten in Stäben und dem Verteidigungsministerium. Neben einer praktischen militärischen Ausbildung absolvieren Offiziersanwärter auch ein akademisches Studium bei der Bundeswehr. Für fast alle Laufbahnen wird deswegen mindestens eine Fachhochschulreife vorausgesetzt. © Jacob Schröter/imago-images
Ein Leutnant der Bundeswehr steht vor einem Militärflugzeug.
Den Anfang in der Offizierslaufbahn macht der Leutnant. Durch seine Stellung kann er sowohl Soldaten aus der Gruppe der Mannschaften, als auch der Unteroffiziere Befehle erteilen. Der Leutnant ist in der Besoldungsgruppe A9 – auf dem Level eines Stabsfeldwebels – eingeordnet. Das Dienstgradabzeichen des Leutnants zeigt einen Stern.  © Lars Klemmer/dpa
Ein Oberleutnant der Bundeswehr bei der Nato-Großübung in Norwegen.
Eine Besoldungsgruppe weiter oben (A10) ist der Oberleutnant angesetzt. In der Regel erfolgt die Beförderung frühestens zwei Jahren nach der Ernennung zum Offizier. Das Dienstgradabzeichen zeigt zwei Sterne. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Ein Hauptmann der Bundeswehr auf einem Flugplatz.
Eine Stufe über dem Oberleutnant steht in der Rangordnung der Bundeswehr die Gruppe der Hauptleute. Diese beinhaltet die Dienstgrade Hauptmann und Stabshauptmann. Hauptleute werden häufig als militärische Führer in den Verbänden ihre Truppengattungen eingesetzt. Der Dienstgrad des Stabshauptmanns ist Offizieren des militärfachlichen Diensts vorbehalten. Die Schulterklappen zeigen drei (Hauptmann) oder vier (Stabshauptmann) Sterne. In der Marine lautet die Bezeichnung des Dienstgrads Kapitänleutnant bzw. Stabskapitänleutnant. © Achille Abboud/imago-images
Ein Major der Bundeswehr im Gespräch mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.
Auf die Hauptleute folgt die Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere, die in der Regel auf Stabsposten und als militärische Führer eingesetzt werden. Der erste Dienstgrad in der Gruppe ist der Major. Majore werden auch als Hörsaalleiter in Lehreinrichtungen der Bundeswehr oder in Referaten und Ministerien eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und einen Stern. Das Pendant der Marine ist der Korvettenkapitän. © Bernhard Herrmann/imago-images
Ein Oberstleutnant der Bundeswehr im Gespräch mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Der mittlere Dienstgrad der Stabsoffiziere bildet der Oberstleutnant. Diese werden neben den anderen Anwendungsfeldern der Stabsoffiziere auch als Dezernenten oder Referenten in Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und zwei Sterne. Das Pendant der Marine ist der Fregattenkapitän. © Revierfoto/imago-images
Ein Oberst der Bundeswehr im Gespräch mit Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Der Oberst stellt den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Stabsoffiziere dar. In der Regel wird er in leitenden Positionen in Kommandobehörden, Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub mit drei Sternen. Das Pendant der Marine ist der Kapitän zur See. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Ein Brigadegeneral der Bundeswehr.
Die Speerspitze in der Hierarchie der Bundeswehr bilden die Generäle. Sie stehen in der Hierarchie ganz oben und dienen vor allem auf Stabsposten und in der Regel nicht in der kämpfenden Truppe. Der rangniedrigste General ist der Brigadegeneral. Eine Beförderung vom Oberst zum Brigadegeneral erfolgt in der Regel aufgrund der Eignung und Leistung des Offiziers und ist nicht an andere Voraussetzungen gebunden. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit einem goldenen Stern. In der Marine heißt der vergleichbare Dienstgrad Flottillen­admiral. © IMAGO/Björn Trotzki
Christian Freuding, Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung.
Auf den Brigadegeneral folgt in der Rangordnung der Bundeswehr der Generalmajor. In der Praxis erfolgt die Beförderung erst nach mehreren Jahren als Brigadegeneral. Generalmajore übernehmen leitende Funktionen in Kommandobehörden, dem Verteidigungsministerium oder Einrichtungen der Nato. So dient Generalmajor Christian Freuding (Bild) als Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung. Das Dienstgradabzeichen des Generalmajors zeigt ein goldenes Eichenlaub und zwei goldene Sterne. Das Pendant der Marine ist der Konteradmiral. © IMAGO/M. Popow
Der Inspekteur der Luftwaffe: Generalleutnant Holger Neumann.
Der zweithöchste Dienstgrad der Bundeswehr ist der Generalleutnant. Bei Luftwaffe und Heer gibt es weniger als zwei Dutzend Offiziere mit diesem Rang, die in wichtigen leitenden Positionen eingesetzt werden. So ist der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr immer ein Generalleutnant. Auch der Inspekteur der Luftwaffe, Holger Neumann (Stand Mai 2025, Bild), ist im Rang eines Generalleutnants. Sein Dienstabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit drei goldenen Sternen. Das Pendant der Marine ist der Vizeadmiral. © Björn Trotzki/imago-images
Der Generalinspekteur der Bundeswehr: General Carsten Breuer.
Ganz oben in der Hierarchie der Bundeswehr steht der General. Der Dienstgrad ist nur wenigen Soldaten in absoluten Führungspositionen vorbehalten. Der Generalinspekteur der Bundeswehr – höchster militärischer Repräsentant der Bundeswehr – ist General Carsten Breuer (Stand Mai 2025, Bild). Deutsche Generäle dienen auch in Führungspositionen der Nato. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub und vier goldene Sterne. Zur besseren Unterscheidung von der Dienstgruppe der Generäle wird er deswegen umgangssprachlich als Vier-Sterne-General bezeichnet. Das Pendant der Marine ist der Admiral. © IMAGO/Klaus W. Schmidt

Koalitionsfraktionen: Wehrdienst-Einigung steht

Update, 9:40 Uhr: Schwarz-Rot hat sich auf ein neues Wehrdienst-Modell geeinigt. Die Pressekonferenz dazu in der Zusammenfassung:

Die schwarz-rote Koalition setzt beim Wehrdienst zunächst weiter auf Freiwilligkeit. Das machten die Fraktionschefs deutlich. Zwar betonte Spahn, es könne künftig auch eine Verpflichtung zum Dienst bei der Bundeswehr geben – dazu wäre dann aber ein neues Gesetzgebungsverfahren erforderlich.

Auch Miersch betonte den Vorrang der Freiwilligkeit, um den Personalbedarf der Bundeswehr zu decken. Sollte das nicht der Fall sein, werde sich der Bundestag dann neu mit dieser Situation auseinandersetzen müssen.

Info von IPPEN.MEDIA zu neuem Wehrdienst: Aufwuchspfad geht auf das Konto der Union

Update, 9:39 Uhr: Der Aufwuchspfad geht, so vernimmt man aus Teilnehmerkreisen, aufs Konto der Union. Demnach soll der Bundeswehr-Umfang ab 2026 zunächst auf 186.000 bis 190.000 Soldaten erweitert werden, bis 2035 auf 255.000 bis 270.000. Parallel dazu soll die Reserve ab 2026 schnell auf 70.000 bis 80.000 Frauen und Männer ansteigen, bis 2035 auf mindestens 200.000.

Spahn zu neuem Wehrdienst: „Verpflichtet zur Antwort sind nur die Männer“

Update, 9:35 Uhr: „Sind bei den erwähnten 700.000 Menschen auch Frauen eingepreist?“, lautet auf der Pressekonferenz eine Nachfrage an Spahn. „Verpflichten, laut Grundgesetz, können wir nur Männer”, stellt er seine vorherige Aussage klar, das Angebot gehe aber auch an Frauen. 700.000 seien ein Jahrgang, so Spahn. „Verpflichtet zur Antwort sind die Männer.”

„Können Sie Ängste nehmen?“, lautet eine weitere Nachfrage. „Es muss niemand Angst haben”, beschwichtigt Verteidigungsminister Pistorius.. Die „Bedarfswehrdienst” komme nur, wenn sich nicht genügend Menschen freiwillig melden. „Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen”, springt Spahn ein und macht damit Werbung für die angenommene Abschreckungswirkung eines Truppenaufwuchses.

Neuer Wehrdienst: Pressekonferenz mit Pistorius, Spahn und Miersch in Berlin

Update, 9:23 Uhr: Es gibt eine Einigung beim Wehrdienstgesetz. In der Pressekonferenz dazu in Berlin beginnt Unionsfraktionschef Spahn: „Der moderne Wehrdienst kommt“, das habe Symbolkraft. Geplant ist dazu eine halbjährliche Berichtspflicht an den Bundestag, um den Truppenaufwuchs im Blick behalten zu können, wenn nun jährlich 700.000 Menschen gemustert werden sollen. In den betroffenen Familien müsse dies diskutiert werden, unterstreicht Spahn.

Sollten sich nicht genug Freiwillige für den Wehrdienst finden, greife anschließend eine Verpflichtung, genannt „Bedarfswehrdienst”, die „so viele verpflichtet, wie wir zur Verteidigung brauchen”, schließt Spahn. Er teilt noch kurz gegen die AfD und die jüngsten Polen-Aussagen von Parteichef Chrupalla aus: „Was geht da in ihren Köpfen vor?“. Die Bundeswehr sei „unsere Freiheitsgarantie“, sagt er.

Es seien keine einfachen Verhandlungen gewesen, betont SPD-Fraktionschef Miersch anschließend, aber sie seien zu „einem guten Ende“ gebracht worden – aus seiner Sicht vor allem in zwei Punkten: In allen Familien mit Angehörigen der Jahrgänge 2008 gelte nun das Angebot. Und: Wir werden den Bundesfreiwilligendienst um 150.000 Stellen aufstocken, betont Miersch. 

Union und SPD einigen sich auf neuen Wehrdienst: Musterung, Sold und eine Hintertür

Update, 8:37 Uhr: Das neue Wehrdienst-Konzept liegt der Redaktion von IPPEN.MEDIA nun vor. Insgesamt beinhaltet es fünf Kernpunkte. Zum einen den Punkt „Transparenz durch Aufwuchspfad und Berichte“. Hier wird auch festgehalten, dass die Bundeswehr auf einen Gesamtumfang von 260.000 aktiven Soldaten und rund 200.000 Reservisten wachsen soll.

Wie bereits durchgesickert, steht auch im Papier, dass alle 18-Jährigen ab dem kommenden Jahr zur Musterung berufen werden. Ebenfalls ist der Punkt „Attraktivitätssteigerung“ enthalten: Wer freiwillig dient, soll rund 2600 Euro brutto monatlich erhalten. Ab einer Verpflichtungszeit von einem Jahr wird ein Führerscheinzuschuss für PKW oder LKW gewährt.

Ebenfalls festgehalten ist, dass der Wehrdienst als freiwillig erhalten bleibt. Ab zwölf Monaten Verpflichtungsdauer wird der Status Soldat auf Zeit eingeführt. Letzter Punkt ist die Bedarfswehrpflicht. Hier wird festgehalten, dass der Bundestag per Gesetz eine Bedarfswehrpflicht einsetzen kann, wenn „die verteidigungspolitische Lage oder die Personallage der Streitkräfte dies erforderlich macht“.

Update, 8:30 Uhr: Neben einer flächendeckenden Musterung hat sich Schwarz-Rot beim neuen Wehrdienst auch auf Zielmarken für den Aufwuchs der Truppe geeinigt. Bei einem Scheitern der Freiwilligkeit soll der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden können, bei der auch ein Zufallsverfahren zur Auswahl genutzt werden kann, wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr.

Einigung zu neuem Wehrdienst: Pistorius tagt mit Spahn und Miersch

Update, 8:10 Uhr: Die Einigung zum neuen Wehrdienst-Modell wurde nach AFP-Informationen bei Beratungen von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit Vertreterinnen und Vertretern der Koalitionsfraktionen erzielt. An dem Treffen nahmen Unionsfraktionschef Jens Spahn, SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, sowie Verteidigungsexperten aus beiden Fraktionen teil. Wie die Bild-Zeitung berichtet, sieht das nun vereinbarte Modell die Musterung des jeweils kompletten Jahrgangs junger Männer vor.

Neuer Wehrdienst: Wer in Deutschland bald zur Musterung bei der Bundeswehr muss

Update vom 13. November, 6:10 Uhr: Offenbar sickern die ersten Details zur Wehrdienst-Einigung durch. Die Bild berichtet etwa darüber, die Koalition aus SPD und Union habe sich darauf geeinigt, künftig alle 18-jährigen Männer zur Musterung zu rufen. Falls sich bei den „wehrtauglich“ gemusterten nicht genügend freiwillige finden würden, soll auf das Losverfahren zurückgegriffen werden. Ein doppeltes Losverfahren, wie es zunächst im Bundestag hieß, wäre damit vom Tisch.

Update, 13. November, 5:05 Uhr: In ihrem langwierigen Streit über das neue Wehrdienstgesetz haben Politiker von Union und SPD grundsätzliche Einigung erzielt. Über das Ergebnis eines abendlichen Gesprächs sollen heute Morgen zunächst die Koalitionsfraktionen informiert werden, wie unsere Redaktion am Mittwochabend erfuhr. Details zum Endstand der Verhandlungen und Absprachen zwischen den Parteien waren öffentlich zunächst nicht bekannt. Strittig waren zuletzt Zielmarken für den Aufwuchs der Truppe und das Auswahlverfahren – etwa per Los beziehungsweise Zufallsprinzip – für den Fall, dass sich nicht ausreichend Männer und Frauen für einen freiwilligen Dienst melden.

Fraktionsspitzen von Union und SPD einigen sich auf künftigen Wehrdienst

Erstmeldung: Berlin – Die Union und die SPD haben sich nach langem Streit auf ein Modell für einen neuen Wehrdienst geeinigt. Dies erfuhr unsere Redaktion aus Koalitionskreisen. Details wurden zunächst nicht genannt. Das Modell soll am Donnerstagmorgen in Sondersitzungen der Koalitionsfraktionen vorgestellt werden; dann soll auch die Öffentlichkeit über die Details informiert werden.

Im Oktober hatte die Unionsfraktion das schon vom Kabinett verabschiedete Gesetz zum neuen Wehrdienst wegen Bedenken gestoppt. Strittig waren zuletzt Zielmarken für den Aufwuchs der Truppe und das Auswahlverfahren für den Fall, dass sich nicht ausreichend Männer und Frauen für einen freiwilligen Dienst melden. Diskutiert wurde auch über den künftigen Status der Wehrdienstleistenden.

Langer Streit um ein Wehrdienst-Modell: Wichtiges Signal von Schwarz-Rot

Am Mittwochmorgen bereits war aus Koalitionskreisen zu vernehmen, dass man mit einer baldigen Einigung rechne. Dirk Wiese, erster parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, sagte am Morgen: „Ich würde den Prozess mit einem 800-Meter-Lauf vergleichen. Wir sind jetzt bei 750 Metern angelangt, und ich glaube, dass wir vielleicht noch vor der Bereinigungssitzung die Ziellinie erreichen.“

Die Einigung beim Wehrdienst ist für die Koalition nach zahlreichen Streitereien auch ein wichtiges Signal der Geschlossenheit nach außen. „Das beschäftigt viele Menschen, ich hatte in dieser Woche noch eine Schulklasse hier zu Besuch in Berlin, mit der ich intensiv über das Thema diskutiert habe“, so Wiese.

Neues Wehrdienst-Modell kommt passend zum 70. Bundeswehr-Jubiläum

Seit Wochen verhandelten die Beteiligten von CDU/CSU und SPD über einen neuen Kompromiss. Pistorius sowie Spitzenvertreter von Union und SPD im Bundestag zeigten sich zuletzt zuversichtlich, dass dies bis Ende der Woche gelingen werde. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass das Wehrdienstgesetz Anfang 2026 in Kraft tritt.

Der Zeitpunkt der Einigung hätte kaum passender sein können. Am Mittwoch wurde das 70-jährige Bestehen der Bundeswehr in Berlin mit einem Festakt und einem feierlichen Gelöbnis zwischen Paul-Löbe-Haus und Kanzleramt zelebriert.

Bedrohung durch Russland: Bundeswehr soll nach NATO-Plänen deutlich anwachsen

Wegen der Bedrohung durch Russland und der deswegen veränderten NATO-Planungen soll die Bundeswehr um rund 80.000 auf 260.000 Männer und Frauen in der stehenden Truppe wachsen. Zudem soll es 200.000 Reservisten geben, deren Zahl vor allem mit dem neuen Wehrdienst gesteigert werden soll. (Quellen: eigene Recherche, AFP, dpa) (nak)

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