Migration

Merz-Regierung schiebt trotz Taliban-Herrschaft nach Afghanistan ab – entsetzte Reaktionen

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Trotz der verheerenden Menschenrechtssituation in Afghanistan schiebt die Bundesregierung Dutzende Personen dorthin ab. Asyl-Organisationen schlagen Alarm.

Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will mit seiner neuen Regierung Härte zeigen. Vor allem in der Migrationspolitik sollen daher neue und deutlich strengere Maßnahmen getroffen werden. Eine davon sind die Abschiebungen von ausreisepflichtigen Personen nach Afghanistan. Innenminister Alexander Dobrindt hatte erst kürzlich betont, dass er dazu auch „mit denjenigen, die Verantwortung tragen, in Afghanistan die entsprechende Vereinbarung“ finden wolle, wie er gegenüber dem Sender Welt TV sagte. Die Verantwortlichen Personen in Afghanistan? Das wären die islamistischen Taliban.

Trotz Taliban-Herrschaft – Merz und Dobrindt schieben Straftäter nach Afghanistan ab

Die Herrschaft der Taliban in Afghanistan, die nach dem Abzug westlicher Streitkräfte im Sommer 2021 aufkam, scheint für die Regierung aus SPD und Union allerdings kein Hindernis für die Durchführung ihrer Migrationspläne zu sein. Wie der Spiegel nun veröffentlichte, ist am Freitag (18. Juli) ein Charterflugzeug mit rund 100 Ausreisepflichtigen von Leipzig in Richtung Kabul gestartet.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Unter den Personen, die in der Maschine des Flugunternehmens Qatar Airways in die afghanische Hauptstadt ausgeflogen werden, befänden sich laut Spiegel-Informationen viele Gewalt- und Sexualstraftäter.

Schwarz-Rot schiebt nach Afghanistan ab – So viel Geld erhalten die Ausreisepflichtigen

Der Flug von Leipzig nach Kabul soll rund sieben Stunden dauern. Um nach der Ankunft versorgt zu sein, soll jedem der Ausreisepflichtigen ein Handgeld von bis zu 1000 Euro ausgehändigt worden sein. Wie das niedersächsische Innenministerium gegenüber der ARD erklärte, soll damit ein „menschenwürdiges Existenzminimum für einen Übergangszeitraum“ gewährleistet werden.

Doch auch rechtliche Bedenken spielen bei den Zahlungen an abgeschobene Personen eine Rolle. Als bereits die Ampel-Regierung unter SPD-Kanzler Olaf Scholz Personen nach Afghanistan abgeschoben hatte, erklärte die damalige Innenministerin Nancy Faeser die Handgeld-Zahlungen als „übliches Verfahren“. Damit solle verhindert werden, dass Gerichte die Rückführung aufgrund „einer Verelendung der Abgeschobenen“ kippen. Im Netz sorgten die Zahlungen trotzdem für Aufregung.

Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern nach Afghanistan mit einem Sonderflug. (Archivbild)

Hofreiter kritisiert Abschiebungen nach Afghanistan – „In Afghanistan regieren islamistische Terroristen“

Im Zuge der nun stattfindenden Abschiebungen nach Afghanistan hat der Grünen-Politiker Anton Hofreiter daran erinnert, wer in dem Land regiert: „In Afghanistan regieren islamistische Terroristen“, sagte er im ARD-Morgenmagazin mit Blick auf die Taliban. Die Rückführung von Straftätern würde mit einer Zusammenarbeit der Machthaber in Kabul bedeuten. „Das ist eine massive Aufwertung von islamistischem Terror“, so Hofreiter.

Zudem sei zu befürchten, dass die Taliban die aus Deutschland abgeschobenen Personen einfach wieder einsetze. Würden die Straftäter in Deutschland bleiben, könne man sich zumindest sicher sein, dass diese im Gefängnis säßen.

Merz-Koalition schiebt nach Afghanistan ab – Asyl-Organisation schlägt Alarm

Bereits im Koalitionsvertrag hatten sich CDU, CSU und SPD auf Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien geeinigt. „Flugunternehmen werden wir zur Beförderung bei Rückführungen verpflichten. Nach Afghanistan und Syrien werden wir abschieben – beginnend mit Straftätern und Gefährdern“, heißt es dort.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat in einem Pressestatement die nun gestarteten Rückführungen nach Afghanistan scharf kritisiert. „Abschiebungen nach Afghanistan sind ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht, denn die Taliban herrschen dort mit brutaler Gewalt wie Auspeitschungen und Hinrichtungen für Verstöße gegen ihre Sittenregeln“, heißt es von der rechtspolitischen Sprecherin Wiebke Judith auf der Webseite. Die humanitäre Situation in dem Land sei „katastrophal“ und die Europäische Menschenrechtskonvention verbiete Abschiebungen, „wenn Folter oder unmenschliche Behandlung drohen. Das ist in Afghanistan der Fall“. (nhi)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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