Nach Assad: Syrien warnt den Iran – „Wir machen Sie für die Folgen verantwortlich“
VonErkan Pehlivan
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Der spirituelle Führer des Iran ruft in einer Ansprache die syrische Jugend dazu auf, die neuen Herrscher in Syrien zu stürzen. Diese Nachricht löst in Damaskus große Empörung aus.
Damaskus/Teheran – Der Sturz des Assad-Regimes führte auch zum Bruch der Beziehungen zwischen Syrien und dem Iran. Diese werden sich offenbar noch weiter verschlechtern. Grund dafür ist eine Rede des geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei. Der schiitische Geistliche rechnet nach dem Machtwechsel in Syrien mit einem erneuten Widerstandskampf von Syrern gegen die neuen Strukturen im Land. „Wir gehen davon aus, dass sich in Syrien wieder eine starke (Widerstands-) Gruppe bilden wird“, sagte Chamenei bei einer religiösen Zeremonie in Teheran.
Nach Sturz von Assad: Chamenei fordert Jugend in Syrien zum Widerstand auf
Vor allem die syrische Jugend werde erneut Widerstand gegen diejenigen leisten, die ihr Land und ihre Zukunft wiederholt unsicher gemacht hätten, so der Kleriker laut Nachrichtenagentur Isna. Der Sturz des langjährigen syrischen Machthabers Baschar al-Assad war ein schwerer Schlag für den Iran, der dadurch seine gesamte Nahostpolitik geschwächt sah.
Reaktion auf Aussagen aus Teheran: Damaskus warnt Iran nach Assad-Sturz
Bei den neuen Machthabern in Syrien sorgen die Worte des schiitischen Geistlichen für Verärgerung. Der Außenminister der syrischen Übergangsregierung, Asaad Hassan al-Shibani, warnte den Iran am Dienstag vor einer Ausbreitung des Chaos in seinem Land. „Der Iran muss den Willen des syrischen Volkes sowie die Souveränität und Sicherheit des Landes respektieren. Wir warnen sie davor, Chaos in Syrien zu verbreiten und machen sie auch für die Folgen der jüngsten Äußerungen verantwortlich“, zitiert der persische TV-Kanal den Minister.
Nach Assad-Sturz in Syrien: Chamenei greift USA, Israel und Türkei an
Chamenei machte in seiner Rede für den Sturz des Assad-Regimes vor allem ausländische Mächte verantwortlich. „Es darf keinen Zweifel geben, dass das, was in Syrien geschehen ist, das Ergebnis eines gemeinsamen amerikanisch-zionistischen Plans ist“, sagte der Religionsführer laut dem staatlichen Rundfunk in Teheran. Dafür habe der Iran auch Beweise. Auch eine „Nachbarregierung“ spiele eine Rolle, sagte er wohl in Anspielung auf die Türkei.
Doch nicht nur auf politischer Ebene brodelt es aktuell: Auch wird es zwischen dem Iran und Syrien vorerst kein Flugverkehr geben. Grund ist nach iranischen Angaben, dass die neue syrische Führung dafür keine Genehmigungen erteilt hat. „Daher wurden alle Flüge bis mindestens zum 22. Januar ausgesetzt“, sagte der Chef der zivilen iranischen Luftfahrtbehörde, Hussein Purfarzaneh, nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Isna.
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