IPPEN.MEDIA-Interview

Nach Eklat im Weißen Haus: „Viele Europäer haben Gefahr durch Putin nicht verstanden“

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Trotz des Eklats zwischen Trump und Selenskyj erkennen zu viele Menschen in Europa den Ernst der Lage nicht, sagt der EU-Abgeordnete Riho Terras.

Brüssel – Mit dem Eklat im Weißen Haus zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj hat sich die geopolitische Weltlage drastisch verändert. Die Ukraine erhält vorerst weder Waffen noch Geheimdienstinformationen von der US-Regierung. Viele westliche Politikerinnen und Politiker sprechen von einem Bruch der transatlantischen Beziehungen und sehen die USA nicht mehr als Verbündeten Europas.

So weit geht der EU-Abgeordnete Riho Terras im Gespräch mit IPPEN.MEDIA nicht. Der Vorsitzende des EU-Ausschusses für Verteidigung und Sicherheit war von 2011 bis 2018 der Befehlshaber der Verteidigungsstreitkräfte der Republik Estland.

Was haben Sie gedacht, als Sie den Eklat im Weißen Haus zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj sahen?
Ich habe mir das gesamte Gespräch angeschaut und nicht nur den Streit, der dann viral ging. Ich denke, dass es Missverständnisse bei der Übersetzung gab. Als Selenskyj darüber sprach, dass die Sicherheitslage in Europa auch wichtig für die USA ist, haben Trump und J.D. Vance einige Aspekte falsch verstanden. Deshalb lief die Debatte dann so aus dem Ruder. Daher lautet mein Rat an Selenskyj, dass er solche wichtigen Unterhaltungen – insbesondere vor laufenden Kameras vor der Weltöffentlichkeit – nicht ohne Dolmetscher führen sollte. Der ukrainische Präsident ist eben kein englischsprachiger Muttersprachler. Mit Dolmetschern sinkt die Wahrscheinlich für Missverständnisse enorm und die Geschwindigkeit der Gespräche wäre gebremst.
In Diplomatenkreisen ist bereits länger bekannt, dass Selenskyjs Englischkenntnisse nicht die besten sind. Glauben Sie, dass Trump und Vance diesen Eklat auch in diesem Wissen bewusst provoziert haben? Dafür spricht auch, dass diese Gespräche vor Journalistinnen und Journalisten meist viel kürzer dauern.
Ich glaube schon, dass der Dialog inszeniert war, insofern Trump als großzügiger Unterstützer der Ukraine dargestellt wird. Dass die US-Regierung einen Eklat dieser Art absichtlich provoziert hat, vermute ich nicht. Zu Beginn verlief das Gespräch ruhig und freundlich. Erst später artete die Unterhaltung so extrem aus. Allerdings kam es mir schon so vor, dass Vance diese Unstimmigkeiten für seine verbalen Angriffe auf Selenskyj missbrauchen wollte.

EU-Abgeordneter Terras sieht USA unter Trump weiterhin als Verbündeten

Denken Sie, dass Trump und Selenskyj das Verhältnis wieder normalisieren?
Das ist bereits passiert. Während seiner Rede vor dem Kongress hat Trump den Brief von Selenskyj zitiert. Das haben die ukrainische und die US-amerikanische Administration mit Sicherheit abgesprochen. Dennoch hat der Eklat gezeigt, wie sich eine Großmacht, in diesem Fall die USA, über die kleineren – wie die Ukraine – breitmacht. Daraus folgt eine klare Botschaft an uns Europäer: Wir müssen uns selbst ernst nehmen. Gemeinsam mit Großbritannien hat die EU knapp 500 Millionen Einwohner. Unsere Wirtschaft zählt zur absoluten Weltspitze. Wir können viel. Wenn wir denn wollen.

Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen

Donald Trump im Weißen Haus
Donald Trump ist am 20. Januar 2025 als neuer Präsident ins Weiße Haus zurückgekehrt. Die Posten in seinem Kabinett sind alle verteilt. Wir stellen vor, wer Trump in die Regierung folgt. © Evan Vucci/dpa
 J.D. Vance wird Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus folgen.
J.D. Vance ist Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus gefolgt. Der 40 Jahre alte ehemalige Senator aus Ohio ist einer der jüngsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten. Nach Washington DC hat Vance seine Ehefrau Usha Vance begleitet. Die 38 Jahre alte Anwältin ist die erste „Second Lady“ der USA mit indischen Wurzeln. Das Paar hat die für den Vizepräsidenten vorgesehenen Räumlichkeiten im „United States Naval Observatory“ nahe dem Weißen Haus bezogen. © Alex Brandon/dpa
Marco Rubio soll laut US-Medien in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernehmen.
Marco Rubio hat in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernommen. Der 53 Jahre alte Senator aus Florida ist der erste US-Außenminister mit lateinamerikanischen Wurzeln. Rubio trat 2016 gegen Trump bei den Vorwahlen der Republikaner an und musste sich von dem späteren US-Präsidenten als „totaler Witz“ mit einem Schweißproblem beschimpfen lassen. Doch statt sich zu wehren, schluckte der langjährige Senator die Beleidigungen und präsentierte sich als loyaler Anhänger Trumps. In der US-Außenpolitik stellte sich Rubio in der Vergangenheit an die Seite der Ukraine. © IMAGO/Michael Brochstein / SOPA Images
Scott Bessent soll unter Donald Trump den Job des Finanzministers übernehmen
Donald Trumps Nominierung für den Posten des Finanzministers wirkte geradezu langweilig. Scott Bessent übernahm den Job – gegen den Wunsch Elon Musks. Der hatte sich mehrfach gegen die Ernennung des Wall-Street-Experten ausgesprochen. Bessent gilt als international erfahrener Finanzexperte und soll Donald Trump bereits 2016 mehrere Millionen Dollar für den Wahlkampf gespendet haben. In seiner neuen Funktion wird Bessent zahlreiche Wahlversprechen Trumps umsetzen müssen, darunter unter anderem Steuersenkungen, neue Zölle gegen China und die Finanzierung von Projekten wie den geplanten Massenabschiebungen. © DREW ANGERER/AFP
Pete Hegseth soll Verteidigungsminister werden
Eine überraschende Wahl Donald Trumps war die Personalie des Verteidigungsministers. Pete Hegseth war acht Jahre lang als Moderator für Fox News tätig. Als Soldat diente Hegseth im Irak und in Afghanistan. Erfahrung in Regierungsarbeit bringt er aber nicht mit. Doch Hegseth dürfte sich die Nominierung durch Trump mit seiner langjährigen Loyalität verdient haben: Der zweifache Familienvater hält schon seit 2016 zu Trump, als viele den Milliardär noch als politische Witzfigur belächelten. © TERRY WYATT(AFP
Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen
Statt dem ursprünglich von Trump nominierten Matt Gaetz hat Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen. Die 59 Jahre alte Juristin war in ähnlicher Funktion auf bundesstaatlicher Ebene bereits in Florida tätig. 2013 stellte sie dort in dieser Funktion einen Betrugsprozess gegen die Trump University ein. 2016 unterstützte sie Trump im Vorwahlkampf der Republikaner. Er holte die Juristin drei Jahre später in sein Anwaltsteam, das ihn im ersten Amtsenthebungsverfahren vertrat.  © MANDEL NGAN/AFP
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner und hat im Kabinett von Donald Trump den Posten des Innenministers übernommen. Von 2016 an war der ehemalige Unternehmer Gouverneur des Bundesstaates North Dakota.  © IMAGO/Ricky Fitchett
Brooke Rollins soll im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernehmen
Brooke Rollins hat im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernommen. Die Anwältin stammt aus Texas und war bereits in der ersten Regierung Trumps tätig. Sie gilt als loyale Anhängerin des künftigen Präsidenten und als politische Vordenkerin konservativer Strategien. © MANDEL NGAN/AFP
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala, ist Donald Trump als Handelsminister ins Weiße Haus gefolgt. Der Milliardär war stellvertretender Vorsitzender im Übergangsteam Trumps und regelmäßiger Gast in dessen Luxus-Resort Mar-a-Lago. Laut der New York Times war Lutnick lange Zeit als Mitglied der Demokraten registriert, lief nach der Machtübernahme Trumps im Jahr 2016 zu den Republikanern über. © IMAGO
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und ist unter Donald Trump Arbeitsministerin geworden. Die Personalie war innerhalb der Republikanischen Partei umstritten. Chavez-DeRemer unterhält enge Beziehungen zu mehreren Gewerkschaften in den USA und unterstützte während ihrer Amtszeit mehrere Gesetzentwürfe der Demokraten, darunter auch eine Amnestie für illegal Eingewanderte, die auf dem Arbeitsmarkt integriert sind. © IMAGO/Michael Brochstein
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy, hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Impf-Leugner und Verschwörungstheoretiker hervorgetan. Bei der US-Wahl 2024 trat RFK zunächst als unabhängiger Kandidat an, zog sich dann aber aus dem Rennen zurück und unterstützte die Kampagne Donald Trumps. Der versprach dem 70 Jahre alten Kennedy dafür eine herausragende Rolle bei der Gestaltung der Gesundheitspolitik – und nominierte ihn schließlich als US-Gesundheitsminister. © IMAGO/Robin Rayne
Scott Turner, ehemaliger NFL-Profi, soll unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung werden.
Scott Turner ist unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung geworden. Der ehemalige Profi der American Football League gehörte bereits der ersten Administration Trumps an. Scott ist die erste Schwarze Person im Team des künftigen Präsidenten. Zu Scotts Aufgaben werden unter anderem Programme zur Förderung von erschwinglichem Wohnraum gehören, außerdem zur Unterstützung von Amerikanern mit geringem Einkommen, zur Verhinderung von Diskriminierung auf dem Markt und zur Förderung der Stadtentwicklung. © ANNA MONEYMAKER/AFP
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy, ist der neue Verkehrsminister in der Trump-Regierung. Duffy bringt politische Erfahrung als ehemaliger Kongressabgeordneter mit. Seine Nominierung durch Trump dürfte er aber vor allem seiner Präsenz bei Fox News verdanken. Neben zahlreichen Gastauftritten moderierte Duffy gut ein Jahr seine eigene Show namens „The Bottom Line“ auf dem Spartensender Fox Business Network. © IMAGO/Robert Deutsch
Chris Wright
Neuer Energieminister ist Chris Wright. Er soll Trump dabei helfen, Regulierungen abzubauen und so die Ausbeutung der Rohstoffe in den USA voranzutreiben. Trump hat es eigenen Aussagen zufolge vor allem auf Ölfelder in Alaska abgesehen. Burgums Aufgabe ist, als Energierminister Öl-Förderungen in dortigen Naturschutzgebieten zu ermöglichen. © Ting Shen/AFP
Linda McMahon. Die 76 Jahre alte Managerin ist die Ehefrau von Vince McMahon
Eine weitere Fernsehpersönlichkeit, die Donald Trump mit nach Washington DC gebracht hat, ist Linda McMahon. Die neue Bildungsministerin ist die Ehefrau von Vince McMahon. Gemeinsam mit ihrem Mann führte McMahon die Wrestling-Show WWE zu internationalem Erfolg. Das Vermögen des Ehepaars wird laut Forbes auf fast drei Milliarden Dollar geschätzt. Die McMahons gelten als spendenfreudige Unterstützer der Republikaner im Allgemeinen und Donald Trump im Speziellen. Was genau ihre Aufgaben sind, ist nicht ganz klar. Im Wahlkampf hatte Trump immer wieder angekündigt, das Bildungsministerium abschaffen zu wollen. © imago stock&people
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins hat unter Donald Trump den Posten des Ministers für Kriegsveteranen übernommen – ein wichtiger Posten in den USA, wo die Rolle der Umgang mit den eigenen Veteranen ein konstanter Streitpunkt ist. Collins gilt als loyaler Unterstützer Trumps und verteidigte auch dessen Behauptungen zum angeblichen Wahlbetrug in Georgia bei der US-Wahl 2020.  © IMAGO/Robin Rayne
Kristi Noem vor der US-Wahl
Kristi Noem berichtete vor der US-Wahl in einer Autobiografie davon, wie sie ihren Hund wegen Ungehorsams erschossen hatte. Damit löste die 52 Jahre alte Gouverneurin des Bundesstaates South Dakota eine Welle der Empörung aus – und hinderte Donald Trump wohl daran, sie zu seiner Vizepräsidentin zu machen. Dafür war die Republikanerin rund ein Jahr lang als Ministerin für innere Sicherheit Teil des Trump-Kabinetts tätig. Im März 2026 musste sie aber ihren Hut nehmen.  © Samantha Laurey/Imago
Senator des Bundesstaates Oklahoma Mullin
Trump bestimmte zugleich den Nachfolger von Noem: Markwayne Mullin führt mit Wirkung zum 31. März 2026 das für Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden zuständige Ressort. Der Senator des Bundesstaates Oklahoma und sechsfache Vater aus dem Mittleren Westen gilt als bodenständig, konservativ und loyal zu Trump. Mullin wuchs auf einer Ranch auf, übernahm als junger Mann das Familienunternehmen, einen Sanitär- und Handwerksbetrieb, und baute es zu einer großen Firma aus. Bevor er in die Politik ging, kämpfte er außerdem als Mixed-Martial-Arts-Sportler und blieb laut eigenen Angaben in seiner kurzen Profikarriere ungeschlagen. Nun verfügt Trumps Kabinett über einen neuen Kämpfer.  © J. Scott Applewhite/dpa
Der 44 Jahre alte Lee Zeldin
Lee Zeldin ist neuer Direktor der Umweltschutzbehörde. Trump selbst glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel. Zeldins Aufgabe soll also weniger der Schutz der Umwelt sein. Stattdessen soll der Ex-Abgeordnete laut Trump „für faire und rasche Deregulierung sorgen“. Zeldin bedankte sich für den Posten bei seinem neuen Chef via X und kündigte an, „amerikanische Arbeitsplätze zurückzubringen“. © IMAGO/Matt Bishop/imageSPACE
Russel Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“.
Russell Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“. Erfahrungen hat er bereits als Regierungsbeamter in der ersten Administration von Donald Trump sammeln können. Vought war einer der Autoren des „Project 2025“ und gilt als Hardliner in Sachen Grenz- und Einwanderungspolitik. In der neuen Administration von Donald Trump hat er die Leitung des Büros für Management und Haushalt übernommen. © Michael Brochstein/imago
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten und vertrat den Bundesstaat Hawaii von 2013 bis 2022 im Repräsentantenhaus. 2020 kandidierte sie bei den Vorwahlen der Demokrate. 2022 brach sie mit ihrer Partei und erklärte sich für unabhängig. In den Folgejahren näherte sie sich immer mehr den Republikanern an, bis sie sich vor der US-Wahl 2024 öffentlich für Donald Trump aussprach. Der dankte es der 43 Jahre alte Politikerin jetzt mit einem Amt in seinem Kabinett. Gabbard ist neue Direktorin der Geheimdienste. „Seit über zwei Jahrzehnten kämpft Tulsi Gabbard für unser Land und die Freiheiten aller Amerikaner“, sagte Donald Trump in einem Statement. © Marco Garcia/dpa
John ratcliffe
John Ratcliffe führt seit Ende Januar den Auslandsgeheimdienst der USA. Der ehemalige Kongressabgeordnete aus Texas gilt als enger Vertrauter von Trump. Ratcliffe war zuvor Co-Vorsitzender einer konservativen Denkfabrik. In der ersten Amtszeit des Republikaners war der neue CIA-Direktor als Geheimdienstkoordinator tätig. Die Demokraten warfen Ratcliffe damals unter anderem vor, seine Position für politische Zwecke zu missbrauchen. © Jemal Countess/AFP
Jamieson Greer
Jamieson Greer ist der neue US-Handelsbeauftragte – eine Schlüsselrolle angesichts von Trumps Vorliebe, hohe Zölle auf ausländische Produkte zu verhängen. Historisch habe der US-Handelsbeauftragte nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden, schreibt die „New York Times“. Unter Trump habe die Rolle aber erheblich an Bedeutung gewonnen.  © Imago
Kelly loeffler
Neue Direktorin der Mittelstandsbehörde ist Kelly Loeffler. Die frühere Senatorin verlor im Januar 2021 die Stichwahl um den Sitz im US-Senat – trotz massiver Unterstützung von Donald Trump. Loeffler ist seit 2004 mit Jeffrey Sprecher, dem Vorsitzenden der New York Stock Exchange, verheiratet. © Imago
Susie Wiles, Spitzname „Ice Lady“, wird unter Donald Trump Stabschefin im Weißen Haus
Ebenfalls dabei ist Susie Wiles. Die sogenannte „Ice Lady“ ist Donald Trumps Stabschefin im Weißen Haus und damit die erste Frau auf dieser Position. Die 67 Jahre alte Politikberaterin leitete den Wahlkampf Trumps bei der US-Wahl 2024. In ihrer neuen Funktion wird sie vor allem dafür zuständig sein, zu regeln, wer Zugang zum künftigen Präsidenten erhält. Doch Wiles hat auf einem wahren Schleudersitz Platz genommen. In seinen ersten vier Jahren Regierungszeit benötigte Trump ganze vier Stabschefs. © Alex Brandon/dpa
Elise Stefanik wird die Vereinigten Staaten von Amerika unter der zweiten Regierung von Donald Trump als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten
Elise Stefanik sollte die USA eigentlich als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten. Doch Donald Trump hat seine Nominierung Ende März überraschend zurückgezogen. Zur Begründung erklärte er, er wolle nicht riskieren, dass Stefaniks Mandat im Kongress bei einer Nachwahl an die Demokraten falle. Stefanik ist eine loyale Verbündete Trumps. 2014 war sie mit damals 30 Jahren die jüngste Frau, die ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Einst zählte sie zu den eher moderateren Mitgliedern der Partei. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.  © Annabelle Gordon/Imago
Sind die USA unter Trump weiterhin ein Verbündeter der Europäer?
Ja, mit Sicherheit. Ich habe nichts gehört oder gelesen, was wirklich dagegenspricht. Vor der US-Wahl gab es einige Äußerungen der US-Seite, welche das Nato-Verteidigungsbündnis infrage stellten. Seit Trumps Wahlsieg sind diese Stimmen quasi verstummt.
Und wird Trump der Ukraine früher oder später wieder Waffen liefern?
Das denke ich schon, ansonsten würde ein Rohstoffabkommen mit der Ukraine keinen Sinn ergeben. Und ich gehe davon aus, dass der Deal zustande kommen wird. Allerdings sind die direkten Waffenlieferungen zurzeit nicht so entscheidend für den Kampf an der Front. Mir macht ein anderer Punkt Sorgen: Der Informationsaustausch mit den USA und die Nutzung von Starlink sind sehr wichtig für die Ukraine. Zwar könnte die Armee auch ohne Starlink kämpfen, aber die Abschaltung wäre ein herber Rückschlag. Auch Europa könnte der Ukraine wichtige Informationen liefern – aber nicht so präzise und umfangreich wie die USA.

Terras lobt von der Leyens Fünf-Punkte-Plan zur Aufrüstung Europas

Offenbar haben die EU und westliche Staats- sowie Regierungschefs den Eklat im Weißen Haus als letzten Warnschuss interpretiert. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat einen groben Fünf-Punkte-Plan zur Aufrüstung Europas skizziert. Was halten Sie davon?
Die Höhe der Investitionen gefällt mir. Dass wir nicht über 10 oder 20 Milliarden sprechen, sondern über 800 Milliarden. Ich finde es richtig, dass die Maastricht-Kriterien gelockert werden sollen und Länder Geld erhalten, wenn sie gemeinsam Waffen kaufen wollen. Aber hier kommt das Problem: Die Mitgliedsstaaten sind nicht dazu verpflichtet, in ihre Sicherheit zu investieren. Sie können, wenn sie wollen. Und ich glaube, dass noch immer in vielen Ländern der politische Wille fehlt. Viele Staaten wie Spanien, Portugal oder Italien könnten auch die Ukraine stärker unterstützen. Das Geld ist da, aber kleinere Nationen wie Dänemark helfen mehr.
Bereits vor dem Ukraine-Krieg warnte der estländische EU-Abgeordnete Riho Terras vor Russland.
Warum fehlt nach wie vor der politische Wille?
Weil die Menschen in diesen Ländern nicht das Gefühl haben, wie ernst die Lage ist. Zu viele Europäer haben die Gefahr durch Wladimir Putin noch nicht verstanden – auch in Deutschland nicht.

Terras: Trump und Putin nehmen EU nicht ernst

Warum nicht?
Keine Ahnung.
Und wie kann das Problem gelöst werden?
Aus diesem Grund gebe ich Interviews. Ich hoffe, dass das hilft.
Natürlich haben viele europäischen Staaten wie Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten ihre Streitkräfte zurückgebaut, weil man dachte – oder hoffte – dass es in Europa keinen Krieg mehr geben wird. Aber: Wie kann es sein, dass das russische Militär den Armeen in Europa offenbar so enorm überlegen ist? Immerhin ist die europäische Wirtschaftskraft deutlich größer als die russische und der Ukraine-Krieg dauert seit über drei Jahren an.
Im Vergleich zur europäischen Wirtschaft ist die russische nichts. Wir Europäer müssen aber endlich verstehen, dass wir jetzt handeln müssen und nur gemeinsam stark sind. Die Trumps und Putins dieser Welt nehmen uns nicht ernst. Das zeigen die Verhandlungen über einen Waffenstillstand ohne ukrainische oder europäische Beteiligung. Diese Leute sehen die Mitgliedsstaaten nicht als geeinte Union, sondern als einzelne Länder.
Dicke Luft im Weißen Haus: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj muss sich gegen US-Präsident Donald Trump und dessen Vize J.D. Vance (v.l.) erwehren.
Aber die europäischen Regierungen investieren jährlich bereits mehr in ihre Sicherheit als Russland. Warum reicht das Geld nicht?
Unsere Armeen sind anders strukturiert. Für einen Großteil der Summe wird keine Munition gekauft, sondern Pensionen bezahlt. Die Rechnung ist also schief. Und ein weiteres Problem ist die Quantität. In diesen Diskussionen erwähne ich oft folgendes Beispiel: Deutschland baut einige der besten militärischen Fahrzeuge auf der Welt. Beispielsweise gehören der Puma- und der Leopard-2-Panzer zur absoluten Spitzenklasse. Aber: Das brauchen wir zurzeit nicht. Wir brauchen nicht einen Mercedes-Maybach, sondern zehn Toyotas. Ein Toyota ist auch mit den notwendigen Fähigkeiten ausgestattet – wie einer Klima- und einer Sprechanlage.

Europäer sollten Waffen auch außerhalb der EU kaufen

Sollten die Mitgliedsstaaten jetzt Waffen außerhalb Europas kaufen, weil diese wohl schneller geliefert werden? Beispielsweise hatte Polen nach Beginn des Ukraine-Krieg 1000 Panzer aus Südkorea bestellt, von denen bereits einige geliefert wurden.
Ja, weil sie nicht nur schneller sind, sondern auch günstiger. In Estland haben wir unter anderem ein gepanzertes Fahrzeug aus der Türkei gekauft, weil das Land die erwünschte Anzahl schnell und zu einem guten Preis liefern konnte.
Also sollte Europa seinen eigenen Rüstungsmarkt weniger stärken? Von der Leyens Plan sieht ja eine Stärkung des europäischen Binnenmarktes für Rüstungsgüter vor.
Es gibt bereits existierende Bereiche, die gut funktionieren. Und wenn die EU nun mehr Geld in den eigenen Binnenmarkt investiert – und die Mitgliedsstaaten gemeinsam Rüstungsgüter kaufen – dann werden die Produkte deutlich billiger, vermutlich teilweise um bis zu 50 Prozent. Gleichzeitig würde ein Anstieg der Bestellungen den europäischen Rüstungsunternehmen helfen. Sie bekämen Planungssicherheit und könnten mehr in ihre eigenen Produktionskapazitäten investieren. So funktioniert eben eine Marktwirtschaft. (Interview: Jan-Frederik Wendt)

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