Die US-Demokraten kämpfen nach einer krachenden Niederlage bei der US-Wahl gegen die Bedeutungslosigkeit – mit einem neuen Chef.
Ken Martin redet nicht drum herum: „Wir haben im November einen vor den Latz geknallt bekommen, daran gibt es keinen Zweifel.“ Mit dieser ungeschönten Bestandsaufnahme ist der US-Demokrat am Wochenende zu einem der Gesichter des Neuaufbaus der Partei aufgestiegen, die am Boden liegt.
Martin will die Demokraten nach der Niederlage gegen Trump wieder „in die Offensive“ bringen
Nach der krachenden Niederlage und dem Machtverlust bei den Wahlen im November hat die Partei Martin zum Vorsitzenden gewählt. Das Amt als Chef des DNC ist allerdings eher organisatorisch als politisch. Martin soll Parteitage und Wahlkämpfe organisieren. Den Kurs der Partei bestimmen jedoch die bekannteren Gesichter.
Der 51-Jährige war bisher Parteichef im Bundesstaat Minnesota und löst Jaime Harrison ab. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den republikanischen Präsidenten Donald Trump zur Rechenschaft zu ziehen, die demokratische Partei zu einen und für arbeitende Familien zu kämpfen. Als Devise rief er: „Wir müssen wieder in die Offensive gehen!“ Es forderte dazu auf, keine internen Kämpfe auszufechten, sondern geschlossen „gegen Donald Trump und die Milliardäre, die dieses Land gekauft haben“, vorzugehen.
Wie schwierig das wird, lässt sich in dem Nachrichtengewitter dieser Tage erahnen: Trump dies, Trump das, Trump überall, so das Bild der politischen Landschaft. Auf der Gegenseite ist Wahlverliererin Kamala Harris abgemeldet. Die Ära Clinton-Biden-Obama ist endgültig vorbei. Nur im Senat machen die Demokraten derzeit von sich reden, wo sie Trumps umstrittene Kabinettspersonalien in all ihrer Fragwürdigkeit vorführen. Was kann Ken Martin in dieser Gemengelage ausrichten? Die Partei will er als „legitime Alternative zu diesem Chaos“ unter Trump präsentieren.
Martin als Gegenpol zu Trump? Tim Walz hilft mit
US-Medien beschreiben ihn passenderweise als „zurückhaltend und sanftmütig“ – mehr Kontrast zu Trump geht kaum. Martin engagierte sich bereits als Student 1992 im Wahlkampf für den späteren Präsidenten Bill Clinton. Später organisierte er Kampagnen in Minnesota für die unterlegenen Demokraten Al Gore (2000) und John Kerry (2004). Nach Harris’ „running mate“ Tim Walz ist er der nächste weiße Mann aus Minnesota, der parteiintern aufsteigt – Walz half bei dabei kräftig mit.
Beide sind Mitglied der Minnesota Democratic-Farmer-Labor Party (DFL), einer bodenständigen Bewegung der Arbeiter- und Landwirtschaft im nördlichen Bundesstaat. In ihren Reihen findet sich auch die einflussreiche Senatorin Amy Klobuchar.
Die Trump-Dynastie: Alle Mitglieder und ihre Rollen in der „First Family“
Walz und Martin wollen das Erfolgsmodell aus Minnesota, wo die Demokraten auch in ländlichen Gegenden mithalten können, landesweit anwenden. Die Partei hat sich zum Ziel gesetzt, Trump die Arbeiterklasse und Mittelschicht wieder streitig zu machen. Martin sagt: „Ich gebe mich nicht mit Milliardären oder Hollywood-Eliten ab, sondern mit Arbeitern in den Gewerkschaftshäusern.“ (mit dpa)