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Folgt das 69-Euro-Ticket dem 9-Euro-Ticket? Die Verkehrsunternehmen sprechen sich für einen günstigen Nachfolger aus und nehmen die Politik in die Pflicht.
Berlin – 69 Euro statt 9 Euro – könnte das der Nachfolger vom 9-Euro-Ticket werden? Nach dem August ist nämlich Schluss mit der günstigen Fahrkarte aus dem Entlastungspaket 2022. Seit Wochen tobt deshalb in der Politik die Debatte um ein Folgeangebot für die Bürger in Deutschland. Ein neuer Vorschlag kommt nun vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV): Ein dauerhaftes 69-Euro-Ticket könnte demnach das 9-Euro-Ticket beerben und Deutschlands Klimaticket werden. Inwieweit dies realistisch als Nachfolge vom 9-Euro-Ticket ist, muss sich in den kommenden Wochen zeigen. Bis dahin gibt es nämlich noch viel Widerstand zu überwinden.
69-Euro-Ticket als Nachfolger vom 9-Euro-Ticket: Verkehrsunternehmen bringen Alternative ins Spiel
Über 20 Millionen 9-Euro-Tickets aus dem Entlastungspaket 2022 wurden im ersten Monat verkauft. Verkehrsverbände und auch die Bundesregierung um Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprechen angesichts dieser Zahlen von einem großen Erfolg. Nichtsdestotrotz hatte unter anderem Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zuletzt Zweifel an einer Fortführung des günstigen Monatstickets verkündet. Wie es um einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets steht, ist ungewiss. Ein großes Problem ist weiterhin die Frage nach einer nachhaltigen Finanzierung. Das 69-Euro-Ticket könnte in diesem Fall eine Alternative darstellen.
„Ausgehend von der Prämisse, dass die ÖPNV-Tarife der Verkehrsverbünde für das Gros der Fahrgäste weiterhin attraktiv sein werden, schlagen wir insbesondere für diejenigen, die sich in der Marktforschung als relevante Zielgruppe erwiesen haben – zahlungswillige Autofahrerinnen und -fahrer – ein bundesweit gültiges ÖPNV-Klimaticket für 69 Euro pro Monat als einfache Fahrtberechtigung der 2. Klasse vor“, sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff am Donnerstagabend.
Ende vom 9-Euro-Ticket im August: 69-Euro-Ticket könnte Nachfolger werden und Klimaticket sein
Während vielerorts befürchtet wird, dass der Ticketpreis nach dem 9-Euro-Ticket im Bundesschnitt wieder anziehen könnte, haben unterschiedliche Alternativen zum 9-Euro-Ticket in den vergangenen Wochen den Weg in die öffentliche Debatte gefunden. Die Linke etwa schlug als Nachfolger für das 9-Euro-Ticket das 365-Euro-Jahresticket vor, Verbraucherzentralen votierten für ein 29-Euro-Ticket, das weiterhin für viele Menschen erschwinglich sein könnte. Über allen bisherigen Ideen stand bisher immer die Frage der Finanzierung.
Die Ampelkoalition aus SPD, Grüne und FDP plant zuletzt, das erfolgreiche 9-Euro-Ticket nach August dauerhaft durch die Einführung eines Klimatickets zu ersetzen. Um die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) hochzuhalten, wolle man im Anschluss an das befristete „9 für 90“-Ticket eine länderübergreifende Monats- oder Jahresfahrtkarte für Bus und Bahn „finanziell unterstützen“, hieß es in einem Entwurf im vergangenen Monat. Zuvor hatte es auch den Vorschlag eines sogenannten Länder-Plus-Tickets vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) gegeben.
69-Euro-Ticket als Klimaticket für Deutschland: VDV schlägt Nachfolge für 9-Euro-Ticket vor
In die gleiche Kerbe schlägt jetzt der VDV. „Die Branche ist in der Lage, ab dem 1. September ein solches Klimaticket anzubieten“, sagte Wolff in Hinblick auf ein 69-Euro-Ticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets in Deutschland. Damit es so schnell gehen könnte, muss allerdings die Regierung handeln und einen entsprechenden Auftrag aussprechen. Während eine Fortführung des 9-Euro-Tickets Kosten im zweistelligen Milliardenbereich verursachen würde, ist Wolffs Vorschlag deutlich günstiger: Die Kosten für ein solches Angebot bezifferte er auf rund zwei Milliarden Euro im Jahr. Für dieses Jahr ließen sich diese Kosten noch über den mit der Politik ausgehandelten Rettungsschirm für die Verkehrsunternehmen finanzieren.
69 Euro für ein günstiges Monatsticket klingen im ersten Moment nach viel Geld. Doch SPD-Fraktionsvizechef Detlef Müller relativiert in einem Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland die Kosten für Verbraucher. „Ob ein Anschlussticket dann 39, 49 oder 69 Euro kostet, ist zweitrangig“, sagte der Politiker und machte deutlich, dass viel entscheidender sei, dass der Nachfolger vom 9-Euro-Ticket preislich nur so attraktiv sein müsse, dass Menschen ihr Auto stehen lassen würden.
9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket 2022: Ab wann kommt das 69-Euro-Ticket?
Das 9-Euro-Ticket, das noch bis Ende August 2022 gültig ist, wurde als Teil vom Entlastungspaket 2022 eingeführt, das die Bundesregierung aufgrund der steigenden Energiepreise auf den Weg gebracht hatte. Ebenso Bestandteil des Entlastungspakets sind der Kinderbonus, die Energiepauschale von 300 Euro sowie der Hartz-IV-Zuschuss und der Tankrabatt.
Kosten für 69-Euro-Ticket: Finanzierung darf nicht zulasten von ÖPNV-Ausbau gehen
Die drohende Gaskrise und eine hohe Inflation bedrängen indes die Finanzen der Bürger weiter und Rufe nach einem neuen Entlastungspaket werden lauter. Wann das 69-Euro-Ticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets kommen könnte, ist für Müller allerdings zweitrangig. Viel entscheidender sei die Frage, wie das Angebot finanziert werden könnte. „Denn klar ist, dass ein preiswertes Ticketangebot nicht zulasten des Ausbaus und des Betriebs im ÖPNV finanziert werden kann“, sagte Müller.
Für Verbraucher ist die Frage nach dem Wann möglicherweise doch drängender als Müller es wahrhaben will: Denn sieben von zwölf Wochen mit dem 9-Euro-Ticket sind bereits verstrichen. Um den ÖPNV auch über den August attraktiv zu halten, wäre mit großer Wahrscheinlichkeit ein nahtloser Übergang zum Nachfolger des 9-Euro-Tickets von Vorteil. Vielleicht bringt das 69-Euro-Ticket nun den richtigen Impuls in die entscheidende Richtung.
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