Sechs Optionen

Nach 9-Euro-Ticket: Welche günstigen Fahrkarten-Alternativen kommen könnten

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Welche Fahrkarten-Alternativen könnten auf das 9-Euro-Ticket folgen? Eine Übersicht. (kreiszeitung.de-Montage)
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Das 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket ist heiß begehrt – gilt aber nur bis Ende August. Welche günstigen Fahrkarten-Optionen es danach geben könnte.

Update vom 11. Juli um 7:46 Uhr: Wie es nach dem 9-Euro-Ticket weitergehen könnte, ist weiter ungewiss. Am Sonntag sagte Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann dem Tagesspiegel: „Die Inanspruchnahme des Tickets zeigt ja, was für ein Erfolgsmodell das ist.“ Die Politikerin sprach sich deshalb für eine dauerhafte Folgeregelung aus. Bezahlbare und einfache Angebote, bei denen Menschen nicht über Tarifzonen nachdenken müssten, würden genutzt.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass nach dem August die Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket ausgewertet werden müssten. „Ab Herbst werden wir dann die notwendigen Schlüsse ziehen.“

Erstmeldung vom 8. Juli um 18:17 Uhr: Hannover – Das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Im Juni wurden laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bundesweit rund 21 Millionen billige Monatskarten verkauft. Doch steht das 9-Euro-Ticket den Deutschen ausschließlich in den Sommermonaten Juni, Juli und August zum deutschlandweit günstigen Reisen zur Verfügung. Kritische Stimmen befürchten, dass die Ticketpreise für den Nahverkehr wegen fehlender Ausgleichszahlungen vom Bund anschließend sogar deutlich in die Höhe schießen könnten.

Um das zu verhindern und den öffentlichen Nahverkehr weiterhin attraktiv zu gestalten, wurden von der Politik bereits mehrere Vorschläge laut, wie ein Nachfolger des 9-Euro-Tickets aussehen könnte – übrigens gilt dieses in Niedersachsen und Bremen neuerdings sogar im IC. Kreiszeitung.de bietet den Überblick zu etwaigen Alternativen des Monatstickets.

Nach dem 9-Euro-Ticket: Folgt das 365-Euro-Ticket für Bus und Bahn?

Auf der Suche nach einer Anschlusslösung für das 9-Euro-Ticket schlug die Linke das 365-Euro-Jahresticket vor – also ein Ticket im Nahverkehr für etwa einen Euro pro Tag. Dem Linken-Verkehrspolitiker Bernd Riexinger zufolge sei dies „machbar und finanzierbar, also vollkommen realistisch“.

Die Verantwortung eines Angebots wie dem 365-Euro-Ticket sieht er dabei vor allem bei der Regierung, da die Kommunen und die Länder finanziell die dringende gesamtgesellschaftliche Aufgabe einer sozial-ökologischen Mobilitätswende alleine nicht stemmen könnten, sagte Riexinger der kreiszeitung. Obwohl es für Alternativen zum 9-Euro-Ticket bereits viel Gegenwind gab – unter anderem von Finanzminister Christian Lindner, der keine Kapazitäten für ein weiteres Entlastungspaket sieht – bleibt Riexinger standhaft:

„Wir werden weiter Druck machen, dass es zu einer direkten Anschlusslösung an das 9-Euro-Ticket kommt und werden Lösungen unterstützen, wie ein 365-Euro-Jahresticket oder das 29-Euro-Monatstickets, wie sie gerade in der Diskussion sind.“

Verbraucherzentralen fordern die Weiterentwicklung des 9-Euro-Tickets – in Form eines 29-Euro-Tickets

Das 29-Euro-Monatsticket wurde zunächst von den Verbraucherzentralen im Zuge eines „nötigen“ weiteren Entlastungspaketes gefordert. Die Chefin des Bundesverbands (vzbv), Jutta Gurkmann, äußerte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass für alle Busse und Bahnen im Nahverkehr ein leicht buchbares Ticket für 29 Euro im Monat – also rund einen Euro am Tag – angeboten werden sollte.

„Das würde in der Preiskrise alle entlasten, insbesondere aber Haushalte mit wenig Geld, und zudem der nötigen Verkehrswende mehr Schub geben“, erklärte Gurkmann.

Alternative nach dem 9-Euro-Ticket: Ampel-Koalition plant Einführung des Klimatickets

Die Ampelkoalition plant indes, das erfolgreiche 9-Euro-Ticket nach August dauerhaft durch die Einführung eines Klimatickets zu ersetzen. In einem Entwurf zum Klimaschutzprogramm heißt es, dass man im Anschluss an das befristete „9 für 90“-Ticket eine länderübergreifende Monats- oder Jahresfahrtkarte für Bus und Bahn „finanziell unterstützen“ wolle.

Nach Informationen des Handelsblatts prüft die Bundesregierung wohl bereits, ob der Billigrabatt des 9-Euro-Tickets in irgendeiner Form dauerhaft weitergeführt werden kann. Das sei zunächst aber nur eine Idee. Konkrete Konditionen für ein mögliches Klimaticket wurden demnach noch nicht festgelegt. Bayern stänkerte beispielsweise sofort gegen das dauerhafte Billigangebot in Form eines Klimatickets – während die Idee im Norden auf Zustimmung stieß.

Länder-Plus-Ticket für bundesweite Fahrten durch Deutschland – Nachfolger des 9-Euro-Tickets?

Den Vorschlag eines sogenannten Länder-Plus-Tickets machte der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD). In dem Zuge forderte der Verkehrsclub einen Zusammenschluss der Verkehrsverbünde in Deutschland, da der Sprung von einem Verbund in den nächsten mit Aufwand für die Fahrgäste verbunden sei und von bundesweiten Fahrten abschrecken würde, berichtet Business Insider.

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Demzufolge sagte VCD-Chefin Kerstin Haarmann, es brauche dauerhaft Zeitkarten für bundesländerübergreifenden und sogar deutschlandweiten Nahverkehr. Das Länder-Plus-Ticket wäre für 75 Euro im Monat zu kaufen und würde in acht Großräumen gelten, wenn es nach dem VCD ginge.

Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket? Grüne schlagen Drei-Stufen-Modell aus Österreich vor

Der Grünen-Verkehrspolitiker Stefan Gelbhaar sprach sich ebenfalls für einen Alternativplan nach dem 9-Euro-Ticket aus. Ihm zufolge sollte man sich dafür an dem Drei-Stufen-Modell aus Österreich orientieren. „Das Neun-Euro-Ticket wird massiv angenommen. Deshalb muss ein Nachfolgeticket rasch geprüft werden, das sollte günstig und unkompliziert sein und auch überregional genutzt werden“, sagte Gelbhaar laut dem Business Insider.

In Österreich hat jedes Bundesland einen eigenen Grundpreis in Höhe von 365 Euro – genau wie beim anvisierten 365-Euro-Ticket der Linken. Doch in dem Nachbarland von Deutschland kann man für einen Aufpreis mit dem Ticket auch in angrenzende Regionen fahren und für insgesamt 1095 Euro sogar durch ganz Österreich. Gelbhaar zufolge schaue man sich in der Grünen-Fraktion momentan die Optionen für ein solches Ticket-Modell an. Genaue Preismodelle und Kosten müssten aber noch durchgerechnet werden, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete laut Business Insider.

Hannover plant das „0-Euro-Ticket“ für Arbeitnehmer – bis zu 100 Prozent Rabatt im Nahverkehr

Als neueste Anschlusslösung nach dem 9-Euro-Ticket plant die Region Hannover nun das sogenannte „0-Euro-Ticket“ für Arbeitnehmer. Demnach sollen Arbeitnehmer den Nahverkehr ab 2023 in der Region Hannover unter bestimmten Voraussetzungen ohne eigene Kosten nutzen können.

Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung am Freitag, 8. Juli 2022, berichtete, sei die Bedingung für das Ticket, dass der Arbeitgeber zwischen 45 und 60 Prozent der Kosten übernehme. Den Rest trage dann der Verkehrsverbund GVH. Ein Sprecher der GVH bestätigte die Pläne für das sogenannte Jobticket bereits und nannte in der Folge die vier geplanten Preismodelle:

Der Rabatt für die Mitarbeiter betrage demnach entweder 5, 25, 50 oder 100 Prozent – das sei abhängig davon, welchen Anteil die Firma übernimmt und wie viele Mitarbeiter des Unternehmens das Jobticket in Anspruch nehmen wollen. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung bezeichnete die 100-Prozent-Rabatt-Option als „0-Euro-Ticket“, der GVH sprach laut dpa derweil von einem „Jobticket XL“.

Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket? Politik nennt sechs neue Optionen für Bus und Bahn

Insgesamt sechs Optionen wurden also in den vergangenen Wochen als Nachfolgelösungen für das 9-Euro-Ticket vorgestellt. Welches dieser Modelle tatsächlich zur Realität werden könnte, lässt sich derzeit aber noch nicht sagen – denn auch dazu erklingen aus der Politik unterschiedliche Stimmen.

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte den Ruf nach einer Verlängerung des 9-Euro-Tickets zunächst abgewürgt und begründete die Absage mit hohen Kosten von über einer Milliarde Euro pro Monat. „Dauerhaft ist das nicht möglich“, so Wissing in einem Interview mit RTL. Doch mit dem Klimaticket vollzog der Minister eine Kehrtwende – dieses ließ er dem Gesetzentwurf zum Klimaschutzprogramm hinzufügen, um die Erreichung der Klimaziele nicht zu gefährden.

Politiker sind sich über Anschlusslösungen für das 9-Euro-Ticket uneins – Deutsche Bahn bringt eigenes Ticket raus

Auch Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann sprach sich bereits für eine dauerhafte Einführung eines bundesweit gültigen Nahverkehrstickets aus. Finanzminister Christian Lindner (FDP) hingegen bleibt in Bezug auf ein neues Entlastungspaket stur und vertröstete Deutschland aufs nächste Jahr – neue Haushaltsmittel stünden ihm zufolge in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung.

Die Deutsche Bahn nimmt die Sache indes einfach selber in die Hand und verkauft die seit Anfang Juli einlösbaren „Egal-Wohin-Tickets“ bei Edeka – ob die Idee der Beliebtheit des 9-Euro-Ticket nahekommen kann? Das Billigticket scheint übrigens trotz des einschlagenden Erfolgs doch noch nicht bei allen angekommen zu sein – denn trotz günstigem 9-Euro-Ticket kaufen immer noch viele Menschen ein teureres Monatsticket.

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