80 Soldaten verletzt

Nach Kosovo-Ausschreitungen - Nato schickt 700 weitere Soldaten

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Deutsche Soldaten der Kosovo-Friedensmission KFOR bewachen ein städtisches Gebäude.
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Die Nato schickt etwa 700 Einsatzkräfte in den Kosovo, wie es aus Militärkreisen heißt. Unter den 3800 aktuell Stationierten befinden sich 70 Soldaten aus Russland.

Neapel/Brüssel - Die jüngsten Ausschreitungen im Kosovo haben erste Konsequenzen für die Truppenstärke der Nato: Die Truppenpräsenz wird um mehrere hundert Soldaten erhöht. Das zuständige Kommando im italienischen Neapel kündigte am Dienstag an, mehrere Verbände aus der Bereitschaft in das kleine Balkanland zu entsenden.

Aus Militärkreisen in Brüssel hieß es, es handele sich um ein Kontingent von etwa 700 Mann. Derzeit sind etwa 3800 Soldaten der Nato-geführten Schutztruppe KFOR im Kosovo stationiert, darunter etwa 70 Soldatinnen und Soldaten aus Russland. Ein weiteres Bataillon der operativen Reserve werde in Bereitschaft versetzt, hieß in der Mitteilung weiter.

Kosovo: 80 Soldaten und Soldatinnen verletzt – Nato schickt weitere700 Einsatzkräfte

Am Montag war es im serbisch bevölkerten Norden des Kosovos zu schweren Ausschreitungen gekommen. Gewaltbereite Serben griffen in der Ortschaft Zvecan KFOR-Truppen mit Brandsätzen und Steinen an. Diese setzten Tränengas und Blendgranaten ein. 30 italienische und ungarische Soldaten sowie mehr als 50 Serben erlitten Verletzungen.

Die Serben im Nord-Kosovo protestieren seit Tagen gegen die Einsetzung neuer Bürgermeister. Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land Kosovo mit seiner mehrheitlich ethnisch-albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als serbische Provinz betrachtet. Rund 120.000 Serben leben im Kosovo, vor allem im Norden des Landes. Im April hatten die kosovarischen Behörden in vier mehrheitlich von Serben bewohnten Orten Kommunalwahlen abgehalten. Die Serben boykottierten die Wahlen jedoch weitgehend, so dass die albanische Minderheit trotz einer Wahlbeteiligung von insgesamt weniger als 3,5 Prozent die Kontrolle über die Gemeinderäte übernahm.

Neben Nato-Einsatz: Internationale Reaktionen auf den Konflikt im Kosovo

Nach den Angriffen auf Soldaten der internationalen KFOR-Schutztruppe im Kosovo mit dutzenden Verletzten hat Russland dem Westen „trügerische Propaganda“ vorgeworfen. Wir fordern den Westen dazu auf, endlich seine trügerische Propaganda einzustellen und aufzuhören, die Schuld an den Vorfällen im Kosovo den verzweifelten Serben zuzuschieben, die versuchen, ihre legitimen Rechte und ihre Freiheit friedlich und ohne Waffen zu verteidigen“, erklärte das Außenministerium in Moskau.

Im Westen wurden die Vorfälle von Montag scharf verurteilt. Das Auswärtige Amt in Berlin forderte einen „sofortigen Stopp“ der Gewalt. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) äußerte sich besorgt und wünschte den verletzten KFOR-Soldaten eine „schnellstmögliche Genesung“. Frankreich drückte seine „volle Solidarität“ mit den KFOR-Soldaten aus und forderte die „Parteien, besonders die Regierung des Kosovo zu sofortigen Schritten zum Abbau der Spannungen auf. (dpa/kat)

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